Gelb geht voran - neues Werk von Jungheinrich

Unternehmen

Konzepte Jungheinrich rüstet sich für bessere Zeiten. In einem neuen Werk in Sachsen-Anhalt etwa konzentriert der Intralogistiker die Fertigung seiner Elektro-Niederhubwagen. Von Landsberg aus gehen die Geräte in alle Welt.

24. Februar 2010

Die Entscheidung für den Bau des neuen Werks traf Jungheinrich schon im Jahr 2007, als man wirtschaftlich noch auf blühende Landschaften blickte. Dass der Plan für ein neues Werk dann auch trotz krisengeschüttelter Wirtschaft umgesetzt wurde, hat gute Gründe. Der Hamburger Hersteller agiert vorausschauend und sieht die Krise als Chance, sich für den Wettbewerb zu rüsten, um gut aufgestellt zu sein, wenn die Konjunktur wieder anzieht. »Die wirtschaftliche Situation ist für uns keine Gefahr, sondern eine neue Realität. Sie ist eine gute Gelegenheit, sich neu zu positionieren«, sagt Dr. Helmut Limberg, Vertriebsvorstand der Jungheinrich AG. Der Fokus soll dabei verstärkt auf die Technik gelegt werden. Dazu, hieß es beim Pressetermin in Landsberg, würden Maßnahmen in allen Unternehmensbereichen ergriffen.

Auch Dr. Marc Ehrmann, Leiter des Jungheinrich-Werks in Landsberg, sieht die Entscheidung für den Neubau in Sachsen-Anhalt zukunftsgerichtet: »Gerade in schwierigen Zeiten war es wichtig, die Weichen für die Zukunft klug zu stellen. Mit dieser langfristigen Investition sind wir auf künftiges Marktwachstum gut vorbereitet.«

Nach dem ersten Spatenstich im Juni 2008 und einer Bauzeit von sieben Monaten konnte das neue Werk im Dezember 2008 fertiggestelltwerden.Im Januar2009 begann Jungheinrich mit dem Aufbau der Produktionseinrichtungen, und im Juli 2009 wurden die ersten Elektro-Niederhubwagen gefertigt. Rund 1.400 Einheiten aus den zunächst gefertigten Baureihen liefen noch 2009 vom Band. Und das war erst der Anfang. Mit einer Länge von 225 Metern und einer Breite von 75 Metern steht in Landsberg eine überdachte Produktionsfläche von knapp 17.000 Quadratmetern zur Verfügung. Die Kapazitäten des neuen Werks ermöglichen es, in Zukunft bis zu 30.000 Fahrzeuge jährlich zu fertigen. Zurzeit werden pro Tag 40 Fahrzeuge des Typs EJE, Baureihe 1 und 2, produziert. Hierbei handelt es sich um Elektro-Deichsel-Gabelhubwagen, die sowohl bei der Be- bzw. Entladung als auch beim Transport von Gütern oder Material über kurze Distanzen zum Einsatz kommen. »Die komplette Verlagerung der Entwicklungsverantwortung für die Geräte und der Produktion dieser Fahrzeugreihen nach Landsberg ist ein wichtiger Meilenstein für unser Werk«, sagt Dr. Ehrmann. Bis Mitte 2010 soll die Verlagerung der Produktion sämtlicher Elektro-Niederhubwagen von Jungheinrich nach Sachsen-Anhalt abgeschlossen sein. »Von diesem Zeitpunkt an werden wir hier täglich etwa 80 Fahrzeuge produzieren«, so Dr. Ehrmann weiter. Dann werden am Standort auch die Baureihen 1 und 2 des Deichsel-Gabelhubwagens mit Standplattform (ERE) sowie der EJE C20 produziert, ein wendiger und kompakter Niederhubwagen für Kommissionieraufgaben und leichte Stapelarbeiten. Von Landsberg aus werden dann Jungheinrich-Kunden in aller Welt mit Elektro-Niederhubwagen beliefert. Der Standort verfügt über eine sehr gute Infrastruktur mit Anbindung an Autobahnen, Schienenverkehr und den nahe gelegenen Flughafen Leipzig-Halle.

Bei der Planung des neuen Jungheinrich-Werks in Landsberg saßen Fachleute aus beiden Bereichen, Produktion und Logistik, an einem Tisch, um die Abläufe im Werk von Anfang an gemeinsam zu planen, aufeinander abzustimmen und so ein Höchstmaß an Effizienz zu erzielen. Die Logistik im Warenein- und Warenausgang wurde dabei komplett an ein externes Dienstleistungsunternehmen vergeben, das Jungheinrich die Transparenz und Verfolgbarkeit aller Prozesse und Teile garantiert, sodass bei Bedarf sofort nachgebessert werden kann.

Am Jungheinrich-Standort Landsberg wird ausschließlich nach Kundenauftrag produziert. Unerwünschte Lagerbestände werden auf diese Weise vermieden. Die exakt geplanten Produktionsstrukturen sind bewusst schlank gestaltet. Auch hier zeichnen sich die Prozesse durch hohe Transparenz und Wirtschaftlichkeit aus.

Wichtiger Bestandteil der Produktion ist die Vorfertigung für Antriebs- und Lastrahmen. Mit Hilfe von Robotern werden hier die Komponenten für die Rahmen geschweißt. Zur Farbgebung werden die Teile in eine Pulverlackieranlage verbracht. In einem sich anschließenden Karossenlager wird die Lackierung ausgehärtet.

Montage in getakteter Linie

Wie am Jungheinrich-Standort Norderstedt werden die fertigen Komponenten für die Fahrzeuge in einer getakteten Linie montiert. Hierbei werden fahrerlose Transportsysteme eingesetzt.

In seinem Landsberger Werk, das als eigenständiges »Centre of Excellence« agiert, hat Jungheinrich in innovative und umweltfreundliche Produktionseinrichtungen investiert. Insgesamt sind rund 30 Millionen Euro in die neue Produktionsstätte geflossen. Heute arbeiten etwa 80 Menschen im Werk. Bei guter Auslastung sollen noch 20 weitere Mitarbeiter hinzukommen.

Gezielte Reaktion auf die Märkte

Neben der Herstellung von Fahrzeugen sind in Landsberg auch die Produktentwicklung und das Produktmanagement angesiedelt. Damit möchte man gezielt auf die Anforderungen der einzelnen Märkte reagieren können. Apropos Märkte: Jungheinrich hat die unterschiedlichen Territorien fest im Blick. Asien, insbesondere China, aber auch Nordamerika (wo Jungheinrich eine Partnerschaft mit Mitsubishi Caterpillar eingegangen ist) und Osteuropa spielen eine wichtige Rolle. Wobei dem asiatischen Raum besondere Aufmerksamkeit gilt. Jungheinrich-Vertriebsvorstand Dr. Helmut Limberg: »Der asiatische Markt ist wichtig und wird weiter wachsen. Dabei ist China eine treibende Kraft. Aber auch die Länder rund um Singapur spielen eine immer wichtigere Rolle.«

Wirkliches Wachstum erst ab 2011

Wenn die Wirtschaft jetzt tatsächlich gesundet und keine unvorhersehbaren Ereignisse eintreten, besteht nach Auffassung von Dr. Limberg die Chance, »dass wir kleine positive Effekte schon im laufenden Jahr spüren, am ehesten in Asien und den USA«. Die Entwicklung in West- und Osteuropa, so der Jungheinrich-Vertriebsvorstand, hänge von der Normalisierung der Finanzmärkte ab. Und auch das sagt Dr. Limberg: »Ein deutliches Wachstum wird es frühestens ab 2011 geben.«

Daten & Fakten

Jungheinrich zählt zu den international führenden Anbietern von Flurförderzeugen, Lager- und Materialflusstechnik. Zudem bietet der Intralogistiker aus Hamburg eine breite Palette von Dienstleistungen an.

Die Aktien des Unternehmens werden an allen deutschen Börsen gehandelt.

Erschienen in Ausgabe: 01/2010