Geprüfte Sicherheit

Schutzmaßnahmen

Die Ausfahrt aus dem Schmalganglager ist in vielen Betrieben eine Gefahrenquelle. Jetzt verhindert eine mobile Lösung Unfälle mit Staplern auch bei mutwilliger Umgehung von Sicherheitsvorschriften.

21. März 2006

Der Abbau von Bürokratie erfreut jeden Betreiber einer technischen Anlage. Dies gilt auch für die Arbeitsstättenverordnung, die seit August 2004 in Kraft ist. Für die Betreiber von Schmalganglagern bringt die Vorschrift zwei wichtige Änderungen. So benötigen neu errichtete Schmalganglager keine Ausnahmegenehmigung mehr, und vorhandene Lager werden durch die staatlichen Ämter für Arbeitsschutz nicht mehr geprüft, da in der Arbeitsstättenverordnung dazu die rechtliche Grundlage fehlt.

Für den Lagerbetreiber bedeutet dieses Ende der staatlichen Kontrolle jedoch nicht automatisch eine Erleichterung. Schließlich ist er weiterhin verantwortlich für den Schutz der Mitarbeiter am Arbeitsplatz. So begeht derjenige, der Leben oder Gesundheit eines Beschäftigten gefährdet, gemäß der Betriebssicherheitsverordnung eine Straftat. Wer also ein Schmalganglager ohne ausreichende Schutzmaßnahmen betreibt, muss bei einem Unfall mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Dennoch garantieren im Einzelfall selbst vorschriftsmäßige Schutzeinrichtungen keine absolute Sicherheit, wie ein tragischer Unfall vom Juni 2005 zeigt. Der Fahrer eines Schmalgangstaplers fuhr damals nach Aufnahme einer Palette am Ende des Schmalganges aus etwa sieben Meter Höhe entgegen den Vorschriften nicht mit abgesenkter Kabine in Richtung des Vorfeldes, sondern in Diagonalfahrt. Unmittelbar vor der Gasse befand sich ein Zubringerfahrzeug, dessen Fahrer den Schmalgangstapler nicht sehen konnte, da sein Rücken der Gasseneinfahrt zugewandt war. Als der Stapler das Ende der Gasse erreichte, war das Schutzfeld des Laserscanners ausgeschaltet, um eine Ausfahrt zu ermöglichen. Der Fahrer des Staplers konnte das Zubringerfahrzeug nicht sehen, weil die Kabine noch nicht vollständig abgesenkt war. In der Folge traf die Palette des Schmalgangstaplers den Fahrer des Zubringerfahrzeuges am Kopf und verletzte ihn tödlich.

Gleich zwei Lösungen zur Vermeidung derartiger Unfälle hat jetzt der Essener Sicherheitstechnikspezialist AMS Systemtechnik entwickelt. Bei dem System Safetec 10 wird das Fahrzeug auf beiden Seiten mit einem optischen Zweikanal-Sender ausgerüstet. Der entsprechende Empfänger befindet sich an jedem Ausgang des Schmalgangs. Durch die unterschiedlichen Kanäle erkennt das System sowohl das Fahrzeug selbst als auch die Fahrtrichtung. Sobald es feststellt, dass ein Fahrzeug aus dem Schmalgang ausfahren will, wird eine Blitzleuchte aktiviert, die vor der Ausfahrt eines Fahrzeugs warnt.

Einstellbare Warn- und Sicherheitszonen

Einen anderen Weg geht die optionale Erweiterung zum System Safetec SMS 100. Hier wird der Laserscanner bei der Ausfahrt aus einem Schmalgang nicht mehr abgeschaltet. Statt dessen prüft das System zunächst, ob sich in einem einstellbaren Bereich von etwa zwei Metern vor dem Fahrzeug ein Objekt befindet. Sobald das Fahrzeug den Schmalgang verlässt, wird das Fahrzeug zunächst angehalten und kann dann nur noch im Stop-and-go-Betrieb weiterfahren. Die Freigabe zur Schnellfahrt erfolgt erst hinter einem definierten Sicherheitsbereich nach der Gassenausfahrt.

Das System überwacht fahrtrichtungsabhängig definierte Warn- und Alarmzonen in den Schmalgängen und in einem festgelegten Bereich davor. Erkennt das System ein Hindernis in der Warnzone, setzt es das Fahrzeug in Schleichfahrt; ein Hindernis in der Alarmzone führt zum sofortigen Stopp. Außerhalb der Sicherheitszonen ist die Überwachungseinrichtung inaktiv. Die Anlage besteht aus insgesamt acht Komponenten, die alle erforderlichen Signale zur Aktivierung und Deaktivierung der Anlage selbst generieren und mit denen sich ein Fahrzeug un-abhängig von seiner eigenen Steuerelektronik absichern lässt. Das System ist damit universell einsetzbar und unabhängig von Fahrzeugtyp und Hersteller.

AMS Systemtechnik

Schutz im Schmalganglager

Personenschutzsysteme für Schmalganglager sind eine Spezialität der AMS Systemtechnik GmbH aus Essen. Die fahrzeugunabhängigen mobilen Schutzsysteme arbeiten mit Laserscannern, die definierte Bereiche in den Schmalgängen auf Hindernisse abtasten und gegebenenfalls das Fahrzeug anhalten. Außerhalb der Schmalgänge ist die Einrichtung inaktiv.

Erschienen in Ausgabe: 02/2006