Die Wurzeln der Grabower Süsswaren GmbH gehen bis ins Jahr 1835 zurück, als das Unternehmen in der Kleinstadt Grabow bei Ludwigslust als Bäckerei gegründet wurde. Neben den bekannten Schaumküssen stellen die Mecklenburger weitere Schaumzuckererzeugnisse, Gebäck sowie Knäckebrot für Lieken Urkorn her. Produziert wird in Grabow, im bayerischen Altenschönbach, im thüringischen Arnstadt und im sächsischen Kühren. 2002 erzielte das Unternehmen mit rund 500 Beschäftigten einen Umsatz von etwa 100 Millionen Euro, Tendenz steigend. Allein in dem genannten Jahr wuchs das Fertigungsvolumen um 30 Prozent. Vor diesem Hintergrund (und unter Beachtung der Artikelvielfalt) mußte die Logistik des in drei Schichten arbeitenden Herstellers effizienter ausgerichtet werden.

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Komplexe Aufgaben

„Abgesehen von kürzeren Durchlaufzeiten und einem sehr hohen Raumnutzungsgrad im Lager strebten wir eine Transportoptimierung und eine generelle Senkung der Logistikkosten an“, betont Bärbel Kortüm, Logistikleiterin der Grabower Süsswaren. „Die Basis dafür sollte durch ein äußerst kompaktes Lager geschaffen werden, zumal weitere Forderungen hinzukamen. Beispielsweise benötigte der Versand eine größere Bereitstellfläche, und in der Produktion ist eine prompte Versorgung mit Verpackungsmaterial und Rohstoffen zu gewährleisten.“

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Die Wahl fiel auf die zweite Generation des Drive-In-Systems (DIS-2), dessen untere Regalebene in diesem Fall als Einfahrregal genutzt wird. Ergänzend lieferte der Hamburger Gabelstapler- und Lagertechnikspezialist Jungheinrich ein Regal mit Einzelplatzzugriff.

Schnelles Lagern

DIS-2 ist ein Tiefenstapelsystem mit variablen Kanallängen, das ein schnelles chargengerechtes Ein- und Auslagern gestattet. Bei den Grabower Süsswaren, wo jeder Kanal acht beziehungsweise neun Europaletten quer aufnehmen kann, lagern im DIS-Regal Verpackungen für die Produktion und zeitweise auch Rohwaren. Als Ladungsträger dienen Euro- und Industriepaletten, die mit einer Überbreite von 50 Millimeter beladen werden können. Bei Europaletten kommt ein Überstand von 200 Millimeter in der Tiefe hinzu. Die Lagerspiele führt ein Lastschlitten mit einer Tragkraft von 1.000 Kilogramm aus. Die Fahrparameter des Schlittens wurden angesichts der zwei Einstapeltiefen, von denen der Mitarbeiter jeweils eine auf Knopfdruck wählt, durch Software auf die Anwendung abgestimmt.

Ein Schubmaststapler ETV H 320ac, der über eine Tragfähigkeit von zwei Tonnen verfügt, hebt den Lastschlitten in die unterschiedlich hohen Kanäle der DIS-Anlage. Hierbei erleichtern die vollflächigen Einfädelungshilfen der Regalkonstruktion das Handling in bis zu neun Meter Höhe. Insofern entfielen die Investitionen in eine Videokamera, die der Mast beim Ausfahren mit anheben würde, und in einen Monitor für die Staplerkabine.

In den Kanälen bewegt sich der Schlitten mit eigenen Fahr- und Hubmotoren und somit unabhängig vom Schubmaststapler. Das ist die wesentliche Weiterentwicklung, verglichen mit der ersten DIS-Generation, bei der das Trägerfahrzeug und der Schlitten durch ein Kabel verbunden waren. Aus der kompletten Trennung des Lastschlittens vom Stapler resultiert viel Freiheit hinsichtlich der Kanallängen und infolgedessen die Möglichkeit, den ohnehin hohen Raumnutzungsgrad des DIS-Kompaktlagers zusätzlich zu steigern. In die gleiche Richtung zielt Jungheinrich mit der Konstruktion des Lastschlittens, der mit seinen Gabelzinken in und nicht unter die Paletten fährt. Die Kommunikation zwischen dem Staplerfahrer und dem DIS 2-Schlitten läuft via Funk.

Automatische Messung

Sobald der Lastschlitten in einen Kanal einfährt, mißt er kontinuierlich die von ihm bewältigte Strecke. Die dabei ermittelten Daten verwendet die Steuerung, um den Schlitten auf seinem Rückweg rechtzeitig vor dem Ende des Kanals zu verlangsamen und dann zu stoppen.

Seine Energie bezieht der DIS 2-Schlitten aus zwei eigenen, in Reihe geschalteten Batterien, die für eine Einsatzdauer von neun Stunden ausgelegt sind und mit Hilfe eines Wechselwagens getauscht werden können. Zudem lassen sich die Batterien über ein integriertes Ladegerät an jeder 230-Volt-Steckdose aufladen.

Das DIS-Lager ist durch drei Elektro-Deichsel-Gabelhubwagen ERE 20, sogenannte Schnelläufer, mit dem Wareneingang und der Produktion verbunden. Einen der ERE 20 hat Jungheinrich mit einer verlängerten Gabel zur gleichzeitigen Aufnahme von zwei Paletten ausgestattet; ein Vorteil, der den Transportaufwand merklich verringert. Kartonagen und Rohstoffe, welche die ERE 20 aus dem Wareneingang zum DIS-Regal bringen, lagert der Schubmaststapler sofort ein. Bei einer Nachschubanforderung entnimmt der Stapler das Material wieder, und die ERE 20 fahren es in die Fertigung.

„Wegen der verlangten hohen Umschlagleistung auf kleinstem Raum mußte Jungheinrich besonders schnell drehende Artikel separat betrachten“, erläutert Bärbel Kortüm. „Daher wurde die untere Ebene der DIS-Anlage als Einfahrregal für Fertigwaren konzipiert. Die mit den A-Artikeln beladenen Paletten werden von den Schnelläufern direkt auf dem Boden abgesetzt.“

Die ERE 20 übernehmen hier also, neben dem Transport der Waren aus der Produktion ins Lager und von dort zum Verladen, auch das Ein- und Auslagern. In diesem Bereich werden Produkte mit einem Batch-Umfang von mindestens sieben Ladungsträgern für etwa einen Tag zwischengepuffert. Die größtmögliche Charge entspricht dem Aufnahmevermögen von 25 Paletten.

Schneller Zugriff

Gegenüber der DIS-Anlage, also auf der anderen Seite des 3.700 Millimeter breiten Ganges, installierte Jungheinrich das gut neun Meter hohe Regal mit Einzelplatzzugriff, in dem Fertigungslose im Volumen von drei bis sechs Ladungsträgern lagern. Zudem stehen dort angefangene Reservepaletten für die Produktion, auf die man bei Bedarf rasch zugreifen kann. Die oberen Ebenen sind für sehr langsam drehende Artikel reserviert.

Für die Lagerspiele an diesem Regal ist wiederum der ETV H 320ac vorgesehen. Als Lastaufnahmemittel verwenden die Grabower Süsswaren in diesem Fall allerdings statt des Schlittens eine normale Gabel. Auch in der Tatsache, daß das Trägerfahrzeug innerhalb kürzester Zeit in einen herkömmlichen Stapler verwandelt werden kann, zeigt sich die Flexibilität und Wirtschaftlichkeit des DIS-Systems. Ökonomisch ist auch die leistungsstarke Drehstromtechnik des Schubmaststaplers, der beim generatorischen Bremsen und beim Absenken von Last Energie zurückgewinnt. Aufgrund dieses effizienten Energiemanagements erübrigt sich eine Wechselbatterie.

Zum Auftragsumfang gehörte auch ein Doppelstockstapler EJD, der zwei Paletten lastfrei übereinander aufnehmen kann. Außerdem haben die Grabower Süsswaren einen Servicevertrag mit Jungheinrich abgeschlossen, der eine halbjährliche präventive Wartung, alle in den Unfallverhütungsvorschriften vorgeschriebenen Prüfungen und eine garantierte Reaktionszeit von maximal drei Stunden bei Störungen vorsieht. Ferner ist bereits ein Lagerverwaltungssystem geplant.

Hohe Wirtschaftlichkeit

Doch schon jetzt ist man bei Grabower Süsswaren sehr zufrieden: „Wir erwarten eine kurzfristige Amortisation, denn die Lösung besticht durch hohe Wirtschaftlichkeit“, erläutert Bärbel Kortüm. „Beispielsweise profitieren wir schon heute von spürbar gesunkenen Logistikkosten. Die Gründe dafür liegen in der jetzt praktizierten Direktverladung im Werk, in der besseren Nutzung der vorhandenen Flächen und in der Reduzierung kostenintensiver Auslagerungen.“

Mit dem Drive-In-System und dessen Peripherie verwirklichte die Grabower Süsswaren GmbH die erste Stufe ihrer neuen logistischen Gesamtkonzeption. Inzwischen kam es zu einer weiteren Optimierung. So kann sich der Standort Grabow seit Januar 2004 darauf beschränken, ausschließlich Ganzpaletten zu versenden.