Gut ausgelesen

Praxis Im Lager des spanischen Schinkenspezialisten Jamón Salamanca werden größere Stückzahlen der Ware in einem einzigen Arbeitsgang ausgelesen. Clou der Pulkerfassung: Sie arbeitet nicht etwa mit UHF-, sondern mit HF-RFID-Etiketten.

28. März 2008

Jamón Salamanca verkauft rund 250.000 Schinken pro Jahr. Die Zahl der Schinken aber, die im Lager reifen und zweimal jährlich den Kühlungs- und Mazerationsprozess durchlaufen, liegt bei einer Million. Da müssen alle Prozesse stimmen. Bis 2006 aber hatte man bei Jamón Salamanca ein echtes Problem: Die bis dahin eingesetzten Barcode-Etiketten auf den Schinken mussten mühsam von Hand gescannt werden. Das Scannen der 48 Schinken an jedem der vier Meter hohen Lagergestelle dauerte fast zehn Minuten – bei zwei Millionen Scanprozessen pro Jahr ein immenser Zeitaufwand. Gravierend auch: Die Fehlerrate beim manuellen Scannen der Barcode-Etiketten betrug 2,8 Prozent. Jamón Salamanca musste handeln.

Mit Blick auf eine neue, effizientere Lösung gab es zwei klare Anforderungen: Das neue System musste eine automatische Pulkerfassung ermöglichen, und die Leserate sollte bei 99,9 Prozent liegen. Vor diesem Hintergrund drängte sich die Kennzeichnung mit automatisch lesbaren RFID-Etiketten natürlich auf – nur hatte das in der spanischen Schinkenindustrie noch niemand versucht. Zwei der drei Firmen, die sich um das Projekt bei Jamón Salamanca bewarben, schlugen ein UHF-RFID-System vor. Ein RFID-Chip, der im Ultra-High-Frequency-Bereich angesprochen werden kann, hat zwar den Vorteil, auch aus einer etwas größeren Entfernung von mehreren Metern noch lesbar zu sein. In der Praxis aber hat die UHF-RFID-Technik damit zu kämpfen, dass die Radiofelder durch Metalle oder Flüssigkeiten stark beeinträchtigt werden. In zwei Pilotinstallationen der UHF-RFID-Lösung war über eine Leserate von 85 bis 86 Prozent nicht hinauszukommen – für die Zwecke von Jamón Salamanca ein völlig inakzeptabler Wert.

Bestmögliche Leserate

In dieser Situation wusste der dritte Anbieter Rat. Sato Iberia, iberische Tochter des weltweit tätigen Barcode- und RFID-Spezialisten Sato, schlug ein Pilotprojekt mit HF-RFID-Labeln vor. »Schon die ersten Tests verliefen exzellent, und wenig später funktionierte dann alles perfekt«, erinnert sich Sato Iberia-Chef Ramón Salvía, »die Leserate unserer Installation betrug 99,9 Prozent.« Ein essenzieller Bestandteil der neuen Lösung sind zwei eigens entwickelte HF-Antennen, die einander in einem Abstand von 95 Zentimetern gegenüberstehen und zusammen ein Gate bilden, durch das sich das Schinkengestell bewegt. »Das größte Standardformat für HF-Antennen betrug 1,20 Meter«, berichtet Salvía, »hätten wir einfach vier Antennen kombiniert, um die Höhe der Schinkengestelle von mehr als vier Metern zu erreichen, wären dennoch Zwischenräume von 20 oder 25 Zentimetern geblieben, die wir nicht hätten auslesen können. Darum haben wir eine eigene HF-Antenne mit einer Höhe von viereinhalb Metern entwickelt.“

Hohe Anforderungen

Auch an die Robustheit der Etiketten stellte das Projekt bei Jamón Salamanca besondere Anforderungen. Die Etiketten mussten resistent sein gegen Öl und Salz, einer Kühltemperatur von fünf Grad Celsius sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit von 65 Prozent standhalten und zudem nach Ablauf der vierjährigen Schinkenreifung noch perfekt lesbar sein. Bei den finnischen Etikettenspezialisten von UPM Raflatac, mit denen Sato schon bei der Entwicklung des UHF-RFID-Flagtags zusammenge¬arbeitet hatte, wurden die Identspezialisten fündig. Die bei Jamón Salamanca verwendeten HF-RFID-Etiketten von UPM Raflatac widerstehen seit Nutzungsbeginn problemlos allen Beanspruchungen.

Die Anbindung der neuen RFID-Erfassungslösung an die IT-Landschaft und das SAP-System von Jamón Salamanca übernahm Appeyron Research, ein spanischer Spezialist für die Entwicklung von Traceability-Lösungen für die Lebensmittelindustrie.

Optimale Funktionalität

Die Fachleute von Appeyron installierten zudem ihre Quality Trace Applikation, mit der Jamón Salamanca seine Produktionsabläufe und den Lagerbestand optimal managen kann – von der Produktion über die Lagerung und die Bestandskontrolle bis hin zur Distribution. Selbstverständlich in diesem Zusammenhang: Die EU-Lebensmittelverordnung 178/2002, die in Artikel 18 ausdrücklich eine Rückverfolgbarkeit der Ware fordert, wird durch die Applikation von Appeyron Research in vollem Umfang erfüllt.

Am Anfang des Kennzeichnungsprozesses bei Jamón Salamanca steht heute der Ausdruck eines HF-RFID-Etiketts auf dem Sato GTe408e-Labeldrucker. Um universelle Lesbarkeit zu gewährleisten, werden auf das HF-RFID-Label ein normaler EAN-Barcode, der Produktname, die Adresse und weitere Informationen aufgedruckt, die für eine visuelle Kontrolle nötig sind. Nimmt der Schinken erstmals seinen Platz auf dem Hängegestell ein, wird er mit dem Etikett eindeutig gekennzeichnet. Um alle Schinken zu erfassen und die Bearbeitungsprozesse zu überwachen, passiert die spanische Delikatesse an zwei strategisch günstigen Stellen der Anlage die eigens entwickelten RFID-Gates. Statt fast zehn Minuten – wie vor der Einführung des neuen Systems – dauert der Scanprozess jetzt nur noch zehn Sekunden pro Gestell, und das ohne die Gefahr von Fehlern.

Heute hat Jamón Salamanca nicht nur die größte und modernste Produktionsanlage für die spanische Schinkendelikatesse, sondern zudem auch noch das modernste Erfassungssystem aller iberischen Erzeuger. Allein dadurch, dass Jamón Salamanca die Fehlerquote bei der Lagerbestandserfassung von 2,8 Prozent auf nahe null reduziert hat, spart das Unternehmen rund 48.000 Euro im Jahr. Was bedeutet, dass der Return on Investment für die moderne Erfassungslösung bereits nach sechs Monaten erreicht war.

Erschienen in Ausgabe: 02/2008