H+D hat die Prozesse im Griff

Technik

Praxis - Ist ein Produkt erst fertiggestellt, muss es ebenso schnell wie wirtschaftlich versandfertig gemacht werden. Automatisierte Prozesse spielen dabei eine herausragende Rolle. Wie die Experten von Hagenauer+Denk die Sache angehen, zeigt das Beispiel Venta.

04. September 2012

Das Haus Venta sorgt mit seinen Produkten dafür, dass Raumluft nicht nur befeuchtet, sondern auch gereinigt wird. Und das geht so: Ein Ventilator verdunstet Wasser, das durch langsam rotierende Lamellen immer wieder frisch aus einem Vorratsbehälter geholt wird. Umgekehrt ziehen die trockenen Lamellen Staub- und Schmutzpartikel an, die sich auf den Boden des Vorratsbehälters absenken.

Die logistischen Anforderungen an das Unternehmen sind erheblich, denn pro Tag werden bis zu 5.000 Luftwäscher – so die Bezeichnung des Venta-Produkts – produziert. Der Versand erfolgt in der Regel auf Paletten. Je nach Luftwäschertyp und Empfängerland kommen dabei vier verschiedene Palettentypen mit insgesamt 26 Stapelmustern zum Einsatz. Um diese großen Volumina bewältigen zu können, ist eine flexible und hochautomatisierte Endverpackung der Venta-Geräte erforderlich. Dafür braucht es Spezialisten, die Venta in Hagenauer+Denk aus Immenstadt gefunden hat. H+D hat die gesamte Planung und Montage der Palettieranlage realisiert.

Durchdachte Abläufe

Zwei H+D-Kartonaufrichter falten die jeweils benötigten Luftwäscher-Kartons automatisch auf und stellen diese zum Befüllen bereit. Über Vakuum-Sauger werden dabei die Kartonzuschnitte einem Magazin entnommen, die Bodenlaschen eingefaltet und mit Selbstklebeband verklebt. Die Befüllung der Kartons erfolgt über eine spezielle Mechanik. Sie sorgt für die sichere Einbringung der Luftwäscher in den aufgerichteten Karton. Dabei wird auch das Polstermaterial automatisch zugeführt. Im Anschluss daran werden die befüllten Kartons über ein Inkjet-System mit den entsprechenden Produktdaten sowie einem Barcode beschriftet.

Nur ein Greifersystem

Zwei Transportstrecken befördern die Luftwäscher von der Produktionhalle zu einem 5-Achs-Fanuc-Palettierroboter. Scanner an den beiden Abnahmepositionen identifizieren dabei jeden Karton und weisen ihm einen bestimmten Palettierplatz und ein bestimmtes Lagenbild zu. Die Greifereinheit des Roboters ist so aufgebaut, dass neben fünf verschiedenen Luftwäscherkartons auch Inka-Paletten und Holzpaletten verschiedener Formate sowie zwei Typen von Zwischenlagen verarbeitet werden können. Sämtliche Palettieraufgaben werden dabei mit nur einem Greifersystem ausgeführt.

Die H+D-Projektingenieure haben auf ein verwindungssteifes Aluminium-Profilsystem gebaut, das mit mechanischen Greifern und Vakuumsaugern bestückt ist, um die unterschiedlichen Aufgaben zu bewältigen. Das Greifergewicht konnte hierdurch relativ niedrig gehalten werden, was den erzielten Zykluszeiten entgegenkommt. Durch das Alu-Baukastensystem können mechanische Anpassungen für künftige Bedarfsfälle einfach und schnell umgesetzt werden. Um die Zykluszeiten weiter zu optimieren, ist der Greifer mit einer komplexen Sensorik ausgestattet. So können auch schwierige Arbeitsabläufe wie das Ansaugen und Abblasen von Zwischenlagen oder die Entnahme von Paletten von einem Stapel zeitoptimiert ausgeführt werden.

40 Paletten pro Stunde

Fertig gestapelte Paletten werden von einem Transferwagen abgeholt und einem vollautomatischen Dreharmwickler zugeführt. Da für Exportpaletten eine wasser- und staubdichte Wicklung erforderlich ist, wurde der Dreharmwickler von den H+D-Ingenieuren mit einem automatischen Deckblattaufleger ausgerüstet. Ein motorisches Folienvordehnsystem sorgt für eine optimale Dehnung der Folie und optimiert Folienverbrauch und Palettensicherung.

Die Vordehneinheit ist zusätzlich mit einem DMS-Sensor ausgestattet, der Zugunterschiede erkennt und im Millisekundenbereich ausgleicht. Somit kann die Stretchfolie auf bis zu 6 µ vorgedehnt werden, ohne an scharfen Kanten zu reißen. Da die verschiedenen Palettentypen und Stapelmuster unterschiedliche Wickelschemata erfordern, wird vor Einlauf der Paletten in den Stretchbereich eine entsprechende Wickelroutine über die SPS angewählt. Der Hochleistungswickler von H+D kann bis zu 40 Paletten pro Stunde verarbeiten

Daten & Fakten

Hagenauer+Denk wurde im Jahr 1803 gegründet und ist heute ein in der siebten Generation geführtes Familienunternehmen. Das Unternehmen zählt zu den ausgewiesenen Spezialisten für Verpackungstechnik. Kernkompetenz von Hage-nauer+Denk ist die Optimierung von intralogistischen Prozessen.

Erschienen in Ausgabe: 04/2012