Heißer Auftrag

Zeitgewinn durch moderne Einschienenbahn

Tempo ist gefragt beim Umgang mit flüssigem Eisen: In einem Gießereibetrieb bewegt eine Einschienenbahn von Demag die tonnenschwere Eisenschmelze in wenigen Sekunden durch die 70 Meter lange Produktionshalle.

29. November 2004

Zeit ist Geld: Als der Gießereibetrieb M. Busch im westfälischen Bestwig seine Produktionsleistung steigern wollte, wurde deutlich, daß die Kapazität der bisher genutzten Einschienenbahn für den Transport von Flüssigeisen nicht dem geplanten Produktionsvolumen entsprach. Der Hersteller von Bremsscheiben, Bremstrommeln, Schwungrädern und Komponenten für Lkw-Achsen suchte deshalb nach einer schnelleren Lösung, um die Gießerei immer rechtzeitig mit Material zu versorgen. Den Auftrag zur Modernisierung des Systems erhielten die Materialfluß- Spezialisten von Demag Cranes aus Wetter an der Ruhr, welche die gesamte Anlage innerhalb von drei Wochen installierten.

Wichtigstes Ziel war die Beschleunigung des gesamten Fertigungsablaufs. Schließlich betrug das Zeitfenster für ein komplettes Arbeitsspiel lediglich 186 Sekunden. Mögliche Zeitreserven existierten dabei lediglich beim Hub sowie auf der 70 Meter langen Fahrstrecke zwischen dem Schmelzofen und der Gießereimaschine. Als erste Maßnahme wechselten die Kranspezialisten deshalb das Bahnprofil gegen ein Spezialprofil mit besonders geringen Walztoleranzen, um die Katzen in der verlangten Geschwindigkeit einwandfrei führen zu können. Zudem lieferte Demag neue Katzen mit Drehgestellen und Hubwerken, die für die deutlich höheren Geschwindigkeiten ausgelegt sind. Zum Lieferumfang gehörten außerdem eine Verschiebebrücke, die komplette Schleifleitung sowie die Anschlußverriegelungen, über welche die Katze vom feststehenden auf einen verfahrbaren Bahnteil wechselt. Steuertaster ermöglichen zudem einen sicheren Übergang zwischen dem Automatikbetrieb und den etwa 30 Zentimeter langen manuell gesteuerten Bereichen an den Enden der Strecke.

Geringerer Platzbedarf

Der logistische Ablauf beginnt, indem ein Stapler eine Transportpfanne mit rund drei Tonnen Flüssigeisen und einem Gesamtgewicht von 6,3 Tonnen von einem Warmhalteofen zu einer Hubstation bringt, welche die Pfanne anhebt, damit der Werker sie um 180 Grad drehen kann. Nach einem automatischen Hub von etwa zwölf Metern fährt die Einschienenbahn die Pfanne zur Gießmaschine auf der gegenüberliegenden Hallenseite, senkt sie dort etwa fünf Meter ab und hängt sie in über eine Verschiebebrücke in die Maschine. Die Haupthubgeschwindigkeit beträgt bis zu 20 Meter in der Minute, beim Fahren erreichen die Katzen 120 Meter pro Minute.

In Betrieb ist die Anlage heute an sechs Tagen pro Woche in drei Schichten. Dabei erfordert die Einschienenbahn nicht nur deutlich weniger Platz als ein horizontaler Transport des Flüssigeisens mit Staplern, sondern erübrigt zudem die Installation störanfälliger Mechaniken für die Drehung der Pfanne um 180 Grad vor dem Einhängen in die Gießmaschine.

Erschienen in Ausgabe: 11/2004