Herr Tischendorf, die wichtigste Frage beim Thema „Ladungssicherung“ lautet ja immer: Wer ist verantwortlich? Ist das überhaupt zu beantworten?

Ja, zu beantworten ist das. Aber im Einzelfall kann die Antwort sehr komplex sein. Vereinfacht gilt: Wer mit dem Transport von Gütern zu tun hat, ist auch für die Ladungssicherung verantwortlich.

Wie können der Absender und der Verlader sicherstellen, dass das Thema bei allen Beteiligten verantwortlich behandelt wird?

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Absender und Verlader besitzen eine Schlüsselfunktion. Das Transportgut muss beförderungssicher sein. Dafür hat der Absender zu sorgen. Der Verlader sollte seine Pflichten zur Ladungssicherung auf geeignete Mitarbeiter schriftlich übertragen. Neben der Qualifikation der Beschäftigten ist auch eine Wirksamkeitskontrolle unverzichtbar.

In der Logistik wird ja häufig mit Subunternehmern gearbeitet. Was bedeutet das für das Thema Ladungssicherung?

Dort wo Subunternehmer beauftragt werden, gibt es oft Schwierigkeiten wegen mangelhafter Kommunikation. Der Subunternehmer benötigt natürlich alle Informationen, die zum sicheren Transport der Ladung erforderlich sind.

Gibt es aktuell rechtliche Veränderungen und was bedeuten diese für die Praxis?

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Der Stand der Technik ändert sich fortwährend. Im Bereich der Ladungssicherung sind insbesondere die Richtlinien des Verbands Deutscher Ingenieure (VDI) zu berücksichtigen. Dieses Regelwerk ist sehr umfangreich und setzt regelmäßige Schulungen des Fahr- und Ladepersonals voraus.

Welche rechtlichen Änderungen würden Sie sich als Experte wünschen?

Hilfreich wäre sicherlich, wenn für einige Betriebe die Verpflichtung bestünde, einen „Ladungssicherungs-Beauftragten“ zu bestellen. Beauftragte gibt es bereits für unterschiedliche Bereiche. Denken Sie z.B. an den Brandschutzbeauftragten. Warum nicht also auch einen Beauftragten für den Transportsektor? Die Bestellungskriterien müssten aber klar definiert werden.

Warum gibt es diese Verpflichtung nicht, was meinen Sie?

Das kann ich nur vermuten: Ladungssicherung ist ja ein interdisziplinäres Thema. Gehört es nun in den Bereich Arbeitsschutz oder Verkehrssicherheit? Vielleicht sind es nur Abstimmungsprobleme zwischen den betreffenden Organisationen bzw. Behörden.

Das könnten Unternehmen ja auch freiwillig machen.

Ja, genau. Und das machen einige Absender- und Verladerbetriebe bereits. Grundsätzlich braucht es dafür auch keinen gesetzlichen Rahmen. Die Erfahrung zeigt außerdem, gut aufgestellte Unternehmen haben das Thema Ladungssicherung schon längst in ihre Arbeitsschutzorganisation integriert.

Wie sorgen Firmenchefs dafür, dass das Thema im Betrieb ernst genommen wird?

Die Sensibilisierung der Beschäftigten erreicht man nur über Informationen, Aufklärung und praktisches Üben. Das wird gesetzlich ohnehin in Form von regelmäßigen Arbeitsschutz-Unterweisungen gefordert. Die Qualität der Unterweisungen zur Ladungssicherung sind jedoch noch sehr unterschiedlich.

Was sind aus Ihrer Erfahrung die häufigsten Fehler?

Zeitdruck ist sicher ein großes Problem. Sorgsam geplant kann die Ladungssicherung leicht und schnell erledigt sein. Ohne eine gute Arbeitsvorbereitung sind die betreffenden Mitarbeiter aber oft gezwungen, vor Ort zu improvisieren. Dann wird man meist den gesetzlichen Anforderungen nicht gerecht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Tobias Rauser.

Zur Person: Markus Tischendorf (1970) ist Aufsichtsperson bei der BG ETEM sowie Autor und Dozent. Der Diplom-Ingenieur hat beispielsweise für den Resch-Verlag mehrere Werke im Bereich Hubarbeitsbühnen und Ladungssicherung verfasst. Tischendorf ist außerdem Sachverständiger für Ladungssicherung und ausgebildeter Auditor für die Begutachtung von Arbeitsschutz-Management-Systemen.