Hoffen auf das Internet

Wenn es um das Thema „Logistik der Zukunft“ geht, steht das Schlagwort E- Commerce derzeit fast zwangsläufig im Mittelpunkt. Auf einer Podiumsdiskussion der Deutschen Post zur Expo 2000 waren sich die Teilnehmer einig, dass der elektronische Handel die Schwerpunkte zwischen Transport und Lager weiter verschieben wird.

23. Mai 2001

Die Logistik ist die einzige Branche, die vom E-Commerce profitiert.“ So optimistisch wie Erwin Maruhn von der Deutschen Verkehrs-Zeitung gaben sich alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion der Deutschen Post in Hannover. Europas größtes Brief- und Logistikunternehmen hatte Experten und Praktiker in den „größten Briefkasten der Welt“ auf dem Expo-Gelände eingeladen, um ein Streitgespräch über das Thema „Logistik - heute und in der Zukunft“ zu führen. Ein Streitgespräch wurde es dann doch nicht. Dafür waren sich die Diskutanten zu einig. Die gemeinsame Erkenntnis: E-Commerce, Telematik, Supply Chain Management - ohne den physischen Transport wird kein Schuh daraus. „Ware reibungslos von einem zum anderen Punkt zu bringen, wird auch in Zukunft die Aufgabe der Logistik sein“, stellte etwa Dr. Christoph Stehmann, Geschäftsführer des Dienstleisters Danzas und Leiter der Business Unit Eurocargo in Deutschland, fest. Dazu gehöre natürlich auch die möglichst genaue Kenntnis darüber, wo sich die Ware gerade befindet.

Prof. Dr. Reinhardt Jünemann, von MDR-Moderator Wolfgang Kenntemich als „Logistikpapst“ vorgestellt, sieht denn auch „die Logistik als angewandte Informatik.“ Um für die Anforderungen der Zukunft gewappnet zu sein, sei es zudem geboten, das komplette Fulfillment der Logistik abzudecken. Wer im Konzert in der ersten Reihe mitspielen will, muss globale Lösungen anbieten. Danzas jedenfalls hat diesen Weg eingeschlagen, offensichtlich erfolgreich. Von dem angestrebten Marktanteil von zehn bis 15 Prozent ist das Unternehmen dennoch noch weit entfernt.

Kooperationen, da sind sich die Experten einig, sind auf dem Weg zum Komplett- Dienstleister unabdingbar. Die Logistik wird immer häufiger „aus einer Hand“ mit durchgängigen Informationsströmen angeboten. Rhenus-Vorstand Peter Eichler dazu: „Wenn man weiß, wie die Datenströme fließen, funktioniert auch die Logistik.“ Skeptisch zeigten sich die Experten in Sachen City- Logistik. Zeitdruck („Jeder will zuerst beliefert werden“) und Futterneid werden solche Kooperationsformen zumindest nicht auf freiwilliger Basis zum Erfolg führen.

Kreislaufwirtschaft, JIT-Lieferungen und E-Commerce wurden als Ursachen für die Zunahme bei Transportbewegungen ausgemacht. Christoph Stehmann betonte zwar: „Durch E-Commerce steigt das Gesamtvolumen der zu transportierenden Waren nicht unbedingt an.“ Der neue Verkaufskanal rufe jedoch andere Wege der Ware zum Kunden hervor: „Die Vereinzelung von Sendungen nimmt zu, der Weg führt mehr und mehr direkt zum Verbraucher, und das bedeutet mehr Transporte für den Dienstleister.“ Je weniger gelagert werde, desto mehr müsse bewegt werden.

Die Zukunft der Logistik wird nach Ansicht der Experten von zwei Trends bestimmt: Konzentration auf Unternehmensseite und Standardisierung von Prozessabläufen. Reinhardt Jünemann hob hervor, dass das Supply Chain Management und der E-Commerce die Logistik weiter voran bringen. Voraussetzung sei allerdings eine stärkere theoretische Strukturierung: „Da besteht noch viel Forschungs- und noch mehr Umsetzungsbedarf.“

Erschienen in Ausgabe: 08/2000