»Ich rechne mit einer Verdopplung«

Studie - Wie entwickelt sich der Markt für Mehrweg-Kunststoffpaletten? Eine aktuelle Untersuchung von Ekupac ist dieser Frage nachgegangen. »logistik journal« hat sich mit Studienautor Ekart Kuhn über die Ergebnisse der Studie unterhalten.

25. März 2019
»Ich rechne mit  einer Verdopplung«
Ekart Kurt. (© Ekupac)

Interview: Tobias Rauser

Herr Kuhn, was ist für Sie das überraschendste Ergebnis der von Ihnen durchgeführten Marktstudie »Kunststoffpaletten«?

Zu den spannendsten Resultaten unserer Untersuchung gehört, dass schon circa 16 bis 20 Millionen Kunststoff-Einweg- sowie -Mehrwegpaletten im Jahr 2017 von den uns bekannten Herstellern produziert wurden. Das ist eine sehr hohe Anzahl.

Wie entwickelte sich denn der Markt für Kunststoffpaletten in den letzten drei Jahren? Und was prognostizieren Sie für die nächsten Jahre?

Wir hatten eine permanent positive Entwicklung in den letzten Jahren. Für die nächsten fünf bis sieben Jahre rechne ich mit einer Verdopplung der derzeitigen Produktionsmenge.

»Da ist auf jeden Fall die längere Lebensdauer zu nennen.«

— Ekart Kuhn, Ekupac

Wo liegt das Marktpotenzial, sprich: Welchen Anteil am Markt kann die Kunststoffpalette erreichen?

Wir schätzen das Marktpotenzial für die nächsten Jahre im zweistelligen Prozentbereich. Das ist aber natürlich auch abhängig von den Anforderungen im Bereich Hygiene oder Standardisierung für Ladungsträger.

Was sind die Treiber für Kunststoff?

Da gibt es eine ganze Menge. Bei Mehrwegpaletten ist da auf jeden Fall die längere Lebensdauer zu nennen. Auch ergeben sich Vorteile, wenn es hohe Hygieneanforderungen gibt, da die Paletten reinigungsfähig sind. Weitere Punkte sind: die geringere Schadensquote, ein oftmals geringeres Gewicht als Holzpaletten, eine reduzierte Verletzungsgefahr bei manuellem Handling und die Recyclingfähigkeit. Auch benötigt Kunststoff keine zusätzliche Behandlung bei Exporten im Bereich der Einwegpaletten. Außerdem können Sie Kunststoffpaletten individualisieren, etwa durch Farben und Beschriftungen, sowie die Oberflächen flexibel gestalten, etwa durch Noppen oder Antirutschstreifen.

Studie und Autor

Die Marktstudie »Kunststoffpaletten« wurde im September 2018 veröffentlicht. Autoren der Untersuchung der Ekupac GmbH sind Rudolf Behrens, Ekart Kuhn und Peter Zimmermann. Aufgabenstellung war, eine Marktübersicht aller relevanten Mehrweg-Kunststoffpaletten, deren Hersteller sowie der Betreibermodelle zu erstellen. Darüber hinaus sollten die Autoren die Marktentwicklungen aufzeigen.

Ekart Kuhn wurde am 20. März 1953 geboren. Er war zehn Jahre in der Geschäftsführung von Chep Deutschland tätig und arbeitete über 20 Jahre als selbstständiger Consultant im Bereich Mehrwegtransportverpackung.

Was sind die Treiber für Holz?

Hier sehen wir die günstigeren Beschaffungspreise der Paletten – und natürlich den offenen Tauschpool in einer Größenordnung von 500 Millionen Paletten in Europa. Zudem bieten Holzpaletten einfache Reparaturmöglichkeiten.

Können Sie sagen, welche Branchen eher auf Kunststoffpaletten und welche eher auf Holz setzen?

Ja. Auf Kunststoff setzen etwa die Fleisch-, Fisch- und Pharmaindustrie, Molkereien oder exportierende Unternehmen. Bei Holz sind es überwiegend Spediteure im Stückgutbereich.

Wie lange lebt überhaupt eine Holz- und wie lange eine Kunststoffpalette?

Für die Epal-Holzpalette kann man je nach Nutzung von einer Lebensdauer von zwei bis maximal drei Jahren ausgehen. Für stabile Mehrwegkunststoffpaletten würde ich eine Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren ansetzen.

Ist die Produktion einer Kunststoffpalette aufwendiger als die einer Holzpalette?

Das ist in der Tat so. Je nach Herstellungsverfahren, zum Beispiel Spritzguss, müssen sehr aufwendige Werkzeuge und ein entsprechender Maschinenpark eingesetzt werden. Das führt zu wesentlich höheren Produktionskosten. Die Preise für Kunststoffgranulate liegen bei Neuware ebenfalls – bezogen auf den Kilopreis – wesentlich höher als für Schnittholz für die wesentlich einfachere Produktion von Holzpaletten.

»Der Umlaufkostensatz kann durchaus vergleichbar sein.«

— Ekart Kuhn, Ekupac

Plastik ist ja in der Öffentlichkeit sehr umstritten, etwa wenn es um die Vermüllung der Meere und der Landschaft geht. Wie steht es um die Entsorgung von Kunststoffpaletten?

Beschädigte Kunststoffpaletten werden heute generell an professionelle Recyclingbetriebe abgegeben, die aus dem Kunststoffmaterial im Regelfall wieder ein hochwertiges Recyclat herstellen können, dass wiederum annähernd 1 : 1 in der Kunststofffertigung für Paletten als auch für andere Produkte eingesetzt wird.

Oftmals ist der Preis entscheidend: Wer hat bei den Umlaufkosten einer Palette die Nase vorne?

Je nach Anforderungen an die Palettenqualität kann eine Kunststoffpalette trotz ihres höheren Beschaffungspreises durch geringere Reparaturen und andere Prozessvorteile durchaus einen vergleichbaren Umlaufkostensatz erzielen.

Ein Unterscheidungsmerkmal zu Holz ist auch die Möglichkeit, Paletten farblich zu produzieren. Gibt es schon Kunden, die das in ihrer Supply Chain nutzen?

Die farbliche Kennzeichnung von Paletten wird heute von den Poolanbietern wie Chep, LPR und IPP Logipal zur Unterscheidung ihrer Bestände genutzt.

Abschließende Frage: Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Trend im Markt der Kunststoffpaletten?

Ein wesentlicher Trend beim Einsatz von Kunststoffpaletten sind die hohen Anforderungen durch die internationalen Qualitätsstandards. Auch gibt es viele technische Notwendigkeiten und die Möglichkeit, die Paletten durch RFID oder Bar Codes intelligent zu machen. Klar ist: Der intelligente Ladungsträger wird der Treiber für die nahe Zukunft sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Erschienen in Ausgabe: 02/2019
Seite: 44 bis 45