Immer auf Empfang

Projekt Getränke Essmann hat die Informationslogistik seiner drei Lagerstandorte optimiert und dabei modernste Pick-by-Voice-Technologie sowie Datenfunkterminals ohne Middleware in SAP eingebunden - eine Lösung mit vielen Vorteilen.

14. Dezember 2006

In den Lagerhallen der Getränke Essmann GmbH befindet sich ein Sortiment von bis zu 2.000 Artikeln. Das Angebot reicht vom Fass- oder Flaschenbier über Trendgetränke bis hin zum Mineralwasser. Am Firmensitz in Lingen und an den beiden Standorten Dorsten und Westerstede finden Einzelhandel und Gastronomie alles, was die Kunden wünschen.

In Nordwestdeutschland und Nordrhein-Westfalen versorgt Getränke Essmann rund 3.500 Kunden. In Lingen befinden sich die Verwaltung und die kaufmännischen Bereiche des 1916 gegründeten Unternehmens. In den drei Logistikzentren sind 400 Mitarbeiter beschäftigt, die im Sommer von 250 weiteren Arbeitskräften unterstützt werden. Im vergangenen Jahr lieferte Essmann 3,3 Mio. Hektoliter bzw. 35,7 Mio. Gebinde an seine Kunden. Um diese Mengen zu bewältigen, werden an den drei Standorten bis zu 250 Lkw be- und entladen. Der Transport der Getränke von den Brauereien und Brunnenbetrieben zu den Lagerstandorten und von dort zu den Kunden erfolgt mit einer firmeneigenen Fahrzeugflotte.

Die Logistikzentren von Essmann sind in verschiedene Lagerbereiche unterteilt. Sortenreine Paletten mit A-Artikeln lagern überwiegend im Blocklager. Die Durchlaufregallager dienen neben der Lagerung von A-Artikeln auch als Übergabeflächen für das Kommissionier- und Nachschublager. Die Lagerung von A- und B-Artikeln im Kommissionierbereich erfolgt auf festgelegten Stellplätzen. Hierbei dient die Nullebene als Kommissionierplatz. Die höheren Regalfächer werden als Nachschublager benutzt. Außerdem verfügt jedes Logistikzentrum über einen Fassbier- und einen Gläserlagerbereich.

Die verschiedenen Leergutgebinde werden in großflächigen Blocklagern im Außenbereich zwischengelagert, bevor sie sortiert an die entsprechenden Brunnen- und Brauereibetriebe zurückgeliefert werden. Um den immer größer werdenden Kommissionieraufwand bewältigen und die im Januar 2005 in Kraft getretene EU-Richtlinie zur Chargenrückverfolgbarkeit erfüllen zu können, entschied Essmann sich für die Einführung eines modernen Lagerverwaltungssystems (LVS). »Heute sind nur noch etwa 44 Prozent der Paletten im Warenausgang sortenrein, und der Anteil wird immer kleiner. Das bedeutet: 56 Prozent der ausgehenden Paletten werden von uns nach Kundenwunsch kommissioniert. Dieser Service erhöht den Aufwand im Kommissionierbereich erheblich«, verdeutlicht Logistikleiter Uwe Telgen die Situation.

Seit 1998 nutzt Getränke Essmann SAP R/3 in der Finanzbuchhaltung und der Personalverwaltung. 1999 wurde das System auf die Logistik ausgedehnt. Man führte die Module Material Management (MM) und Sales & Distribution (SD) ein. Nach der Euro-Umstellung kam SAP R/3 4.6-C zum Einsatz und bot noch mehr Funktionalität für den Logistikbereich. Die Lagerabwicklung erfolgte zu dieser Zeit jedoch immer noch belegorientiert und die Bestandsführung ohne systemgeführte Stellplatzverwaltung.

Klare Aufgabenteilung

Erst mit Einführung des neuen LVS sollten die Prozesse im Warenein- und -ausgang und im Kommissionierbereich komplett datenfunkgestützt ablaufen. Für SAP LES sprach unter anderem, dass die Stammdaten nur einmal gepflegt werden müssen und ein nochmaliger Abgleich mit anderen Systemen nicht nötig ist. SAP LES ermöglicht die Nutzung von Handling Unit Management (HUM), Mindesthaltbarkeitsdatum- und Chargenverwaltung (MHD) sowie die Datenfunkabwicklung (RF). Mit der Einführung des Systems und der Integration der Online-Kommunikation beauftragte Essmann das SAP-Logistik-Projekthaus IGZ Logistics & IT GmbH aus Falkenberg.

Aufgabe von Zetes-IND dagegen war es, die Fahrzeuge und Mitarbeiter mit entsprechenden Terminals für die Online-Kommunikation auszurüsten. Entsprechend den besonderen Gegebenheiten im Getränkegroßhandel bot es sich an, die Mitarbeiter im Warenein- und -ausgang mit Fahrzeug- und Handterminals auszustatten, und die Kommissionierer mit am Gürtel zu befestigenden Voice-Terminals. Seine Informationen erhält der Kommissionierer über ein mit dem Terminal verbundenen Headset. Auf diese Weise hat er bei seiner Arbeit stets die Hände frei.

Starke Ausstattung

Heute sind bis zu 38 Fahrzeugterminals (IND-FTF2475), zwölf Handterminals (Symbol MC9060), 29 Voice-Terminals (Talkman T2), 15 Zebra-Drucker und sechs mobile Druckerwagen von Zetes-IND im Einsatz (auch die Systemsoftware der mobilen Terminals stammt von den IND-Datenfunkexperten). Die Software sorgt für die nahtlose Integration der Terminals in das SAP-System.

Beim Essmann-Projekt realisierten IGZ und Zetes-IND erstmals eine direkte Integration der Voice-Technologie in SAP ohne Einsatz einer Middleware, zwischengeschalteter Datenbank oder Subsystemen. »Während Picklisten-Informationen früher auf dem Voice-Terminal oder einem Server zwischengespeichert wurden, ermöglicht die IGZ-Lösung den permanenten Datenaustausch mit SAP«, erläutert Zetes-IND-Vertriebsingenieur Leo Lüsgen. Und IGZ-Projektierer Holger Häring ergänzt: »Durch die Online-Verbindung zwischen SAP und den Talkman-Terminals verzichten wir auf eine Datenzwischenspeicherung und schaffen einen durchgängigen und integrierten Logistikprozess in SAP LES.«

Heute wird der komplette Warenfluss bei Essmann durch SAP LES gesteuert. Werden Waren angeliefert, erhält der Staplerfahrer den Auftrag zur Entladung auf seinem Terminal angezeigt. Mit den Handterminals werden die Etiketten der Paletten gescannt und die Daten an das SAP LES übertragen. Die vereinnahmten Artikel werden somit ohne Zeitverzögerung in die Online-Bestandsführung gebucht.

Sichere Rückverfolgung

Bei der Wareneingangskontrolle werden die Herstelleretiketten mit EAN-Nummer, Menge, Palettenart und MHD per Handterminal erfasst und über Funk an SAP übertragen. Die eingescannte NVE (Nummer der Versandeinheit) bzw. HU (Handling Unit) bleibt durchgängig erhalten. Für vom Hersteller nicht etikettierte Paletten werden vorgedruckte Label verwendet. Die vorgegebene NVE wird innerbetrieblich weitergeführt, wodurch die Rückverfolgbarkeit sichergestellt werden kann. Anhand ihrer Handling Unit können die Artikel vom Wareneingang bis zum Warenausgang verfolgt werden.

Durch die präzise Bestandsführung konnten die Lagerbestände an allen drei Standorten von Getränke Essmann reduziert werden, ohne die Verfügbarkeit der Waren zu beeinträchtigen. Deutliche Verbesserungen auch im Bereich der Kommissionierung.

Minimierte Fehlerquote

Allein in Lingen werden täglich über 5.000 Positionen kommissioniert. Dabei ist die Fehlerquote unter ein Prozent reduziert worden. Kein Wunder also, dass man bei Essmann auf allen Ebenen mit den Ergebnissen der Optimierung sehr zufrieden ist. Ulrich Hippel, Kaufmännischer Leiter in Lingen: »Durch den Einsatz der Online-Kommunikation zwischen dem SAP-System und unseren Mitarbeitern in den Logistikzentren sind wir in der Lage, unseren Kunden noch mehr Frische und besten Lieferservice zu bieten.«

IGZ und IND

Kompetenz für anspruchsvolle Aufgaben

Mit der Einführung des SAP LES und der Integration der Online-Kommunikation beauftragte die Getränke Essmann GmbH das SAP-Logistik-Projekthaus IGZ Logistics & IT. Zetes-IND war dafür verantwortlich, die Mitarbeiter und Fahrzeuge des Getränkefachgroßhändlers mit entsprechenden Terminals auszurüsten. IND Mobile Datensysteme gehört als Mitglied der Zetes-Gruppe zu einem der größten europäischen Systemintegratoren im Bereich Auto-ID.

Erschienen in Ausgabe: Lagertechnik/2007