19. SEPTEMBER 2018

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Interview mit dem HPE:
„Mehr in Robotertechnik investieren“


Marcus Kirschner ist der neue Geschäftsführer des Bundesverbandes Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE). „logistik journal“ sprach mit ihm über Konjunktur, Klimawandel und Fachkräftemangel.

Der Holzpackmittelindustrie geht es blendend: Umsätze und Produktion sind 2017 deutlich gestiegen. Was erwarten Sie für das laufende Jahr 2018?
Marcus Kirschner: Das Jahr ist bisher gut gelaufen, der Trend aus dem letzten Jahr wird sich weiter fortsetzen. Unternehmen berichten von einer guten Auslastung. Es werden Überstunden gefahren, teilweise auch mehrere Schichten, um die Aufträge abwickeln zu können.

Konkret heißt das?
Die Prognose geht in Richtung fünf Prozent.

Wo kommt dieses Wachstum her? Gibt es bestimmte Branchen oder Regionen, in denen es besonders gut läuft?
Das Feedback, das wir bekommen, ist, dass eigentlich querbeet alles läuft. Wir erwarten ein BIP-Wachstum von 2,2 Prozent laut Frühjahrsgutachten. Generell haben wir eine hohe Bautätigkeit, wo auch viel auf Paletten transportiert wird. Aber auch im Maschinen- und Anlagenbau wird viel verpackt.

Was sind denn die Risiken, die zurzeit im Markt bestehen?
Risiken, die eine Ungewissheit auslösen, sind die protektionistischen Maßnahmen in den USA und in China. Da wird kontrolliert, ob der ISPM-15-Stempel lupenrein lesbar ist, die Folgen sind unverhältnismäßig.

Wenn man mit Herstellern von Plastikpaletten spricht, hört man oft: »Unsere Ökobilanz ist besser als die von Holz.« Ist das richtig?
Der Vorteil des Holzes liegt darin, dass es ein nachwachsender Rohstoff ist, der auch weniger energieintensiv in der Herstellung ist und in der Nutzungskaskade mehrere Leben hat. Holz bindet ungefähr 900 Kilogramm CO2 pro Kubikmeter. Das ist unschlagbar. Hygienische Eigenschaften sind auch immer ein Faktor. Das haben wir zum Beispiel auch in unserer Paletten- und Verpackungsrichtlinie stehen: Es gibt Untersuchungen, die darauf schließen lassen, dass Holz mindestens gleichwertige oder gar bessere antibakterielle Eigenschaften als Kunststoff hat. Es bleiben weniger Keime haften. 

Und das Gewicht?
Die Holzpalette hat den Vorteil, dass sie im Vergleich zur Lastaufnahme extrem leicht ist.

Ein wichtiges Thema für Ihre Branche ist der Klimawandel. Es gibt mehr Stürme, extremere Wetterlagen – ein dauerhaftes Problem für den Einkauf.
Ja, das betrifft die gesamte Holzbranche. Dass das tatsächlich ein Thema ist, sieht man auch an den Werten in den Datenbanken der Rückversicherer. Diese Entwicklung hat nicht nur Auswirkungen auf den Verpackungsbereich, sondern auch auf Holzwerkstoffhersteller, Furniermöbel usw. Insgesamt wird die Situation dadurch weniger planbar. Zum einen hat man den Wunsch nach einer Kontinuität in der Rohstoffversorgung. Das ist ja für alle relativ wichtig. Aber auch im Forst ist es schwierig, wenn gesagt wird: »Es ist so viel durch Windwurf umgefallen, wir können jetzt gar nichts mehr machen.« Das kann regional zu einem absoluten Problem führen, da dann das Local-Sourcing gefährdet ist.

Was ist die Lösung für diese Probleme?
Perspektivisch müssen sich alle Akteure überlegen, wie sie durch einen Waldumbau gegensteuern. Dieser ist zwingend erforderlich. Wir brauchen Bäume, denen Trockenheit und Stürme weniger ausmachen. Es wird sicherlich einen Umbau in Richtung Laubholz geben.

In wenigen Tagen steht ja die Messe FachPack in Nürnberg an. Was sind die Trends im Verpackungsmarkt?
Der Digitalisierung an sich kann sich keiner verschließen. Ein anderes relevantes Thema ist Ausbildung und Weiterbildung. Die Knappheit an Arbeitskräften wird sicherlich dazu führen, dass mehr in Robotertechnik investiert wird. Das ist ein wichtiges Thema für unseren Verband, mit dem sich auch unsere Junioren schon intensiv beschäftigt haben. (tr)

www.hpe.de

Datum:
12.09.2018
Unternehmen:
Bilder:
© Tobias Rauser

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