18. JUNI 2018

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„Unser Weg in die Welt ist ein voller Erfolg“


Special Intralogistik

Interview - Kaum ein anderes Unternehmen hat in den zurückliegenden Jahren ein derart rasantes Wachstum hingelegt wie der Maschinen- und Anlagenbauer Beumer aus Beckum. Zu Hause in Westfalen ist die Beumer Group heute ein global erfolgreiches Unternehmen der Intralogistik. Zum 80-jährigen Firmenbestehen sprach logistik journal mit Unternehmens-Chef Dr. Christoph Beumer.
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Wozu sicher auch beiträgt, dass Beumer sein Portfolio systematisch erweitert, auch und nicht zuletzt durch Zukäufe. Nach der dänischen Firma Crisplant im Jahr 2009 haben Sie zuletzt das indische Unternehmen Enexco Teknologies übernommen, einen Hersteller von Mahlanlagen und Packmaschinen für die Zementindustrie.

Unser Angebot erstreckt sich auf die Bereiche »Fördern & Verladen«, »Palettieren & Verpacken«, »Sortieren & Verteilen«. Mit der Akquisition von Crisplant im Jahr 2009 war der Sortiertechnik-Anteil natürlich auf einmal sehr dominant. Also haben wir etwas unternommen, um das Gleichgewicht in unserem Portfolio wiederherzustellen. Vor diesem Hintergrund machte es Sinn, mit dem Erwerb von Enexco in Indien zu investieren. Mit Enexco hat Beumer seine Präsenz in wichtigen Märkten gestärkt und gleichzeitig sein Portfolio systematisch ausgeweitet, ohne die angestammten Segmente zu verlassen.

Ihr Haus, Herr Dr. Beumer, berücksichtigt sowohl intern als auch bei den von Ihnen angebotenen Maschinen und Systemen in starkem Maße ergonomische Belange. Wer bei Beumer arbeitet oder mit Beumer-Maschinen umgeht, soll das möglichst entspannt und deshalb produktiv tun können. Rückenschmerzen sind unerwünscht. Aber, und das ist sicher nicht unerheblich, Ergonomie nutzt nicht nur, sie kostet auch.

Ergonomie und damit verbunden die Gesundheit der Mitarbeiter sind ein extrem hohes Gut. Dessen sind wir uns bewusst und handeln danach. Aber Ergonomie muss auch bezahlbar sein und sich im Rahmen dessen bewegen, was sinnvoll ist.

Von der Ergonomie zur Ökologie. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen ist Beumer bestrebt, möglichst energiesparende Systeme an den Start zu bringen.

Das ist richtig. Wir haben den Beumer-Sustainabiliy-Index entwickelt und bewerten in den Entwicklungsprojekten unsere Produkte nach diesem selbst zertifizierten Index. Energieeffizienz ist dabei ein wichtiges Thema, Ergonomie aber eben auch. Wie kann ich ältere Menschen länger im Arbeitsprozess halten? Auch diese Frage gilt es zu beantworten. Beumer definiert Nachhaltigkeit als Gleichklang aus Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung. Wichtig ist aber, dass dieser Gleichklang bezahlbar, wettbewerbsfähig und am Ende wirtschaftlich ist.

Unabhängig vom jeweiligen Messemotto ist Wirtschaftlichkeit auch das Thema der Cemat, die in diesem Jahr vom 31. Mai bis zum 3. Juni stattfindet (Hannover Messe; Anmerkung der Redaktion). Sie, Herr Dr. Beumer, sind nicht nur einer der großen Aussteller, sondern auch Vorsitzender des Cemat-Präsidiums. Wie erklären Sie Unternehmen und Besuchern, warum es so wichtig ist bei der Cemat dabei zu sein?

Die Cemat ist die Weltleitmesse der Intralogistik, das sagt eigentlich alles. Nirgendwo sind mehr Entscheider unterwegs, nirgendwo gibt es mehr Fachbesucher aus aller Welt. Anders als andere Veranstaltungen ist die Cemat keine regionale oder nationale Messe, sondern das große internationale Branchen-Event. Und zum diesjährigen Leitthema: Mit »Smart Supply Chain Solutions« richtet die Cemat 2016 den Blick auf die digitalisierte und vernetzte Wertschöpfungskette. Ich glaube, dass unser Geschäft durch die Digitalisierung der Welt eine völlig neue Dimension bekommt, und zwar weit über die Möglichkeit hinaus, Massendaten auszuwerten. Durch Digitalisierung vorangetriebene Entwicklungen werden unsere Unternehmen stark verändern. Da gilt es, sich über bestehende Angebote zu informieren und auf Kommendes vorzubereiten. Die Cemat ist der Ort, an dem beides stattfinden kann.

Und trotzdem verzichten auch namhafte Großunternehmen auf die Teilnahme.

Cemat-Teilnahme oder nicht – das kann jedes Unternehmen für sich entscheiden. Manche suchen ja auch gar nicht die Internationalität. Warum Beumer sich vor zehn Jahren genau entgegengesetzt entschieden hat und dadurch stark gewachsen ist, habe ich eingangs erläutert.

Und was, wenn Unternehmen, die durchaus international tätig sind, nicht an der Cemat teilnehmen wollen.

Auch das sind Unternehmensentscheidungen. Wenn allerdings ein international tätiger Konzern die Kosten für die Teilnahme an der Cemat seiner deutschen Landesgesellschaft aufbürdet, ist die Konsequenz, dass mancher Landesverantwortliche aus seiner Perspektive heraus die Entscheidung trifft, nicht an der Cemat teilzunehmen. Aus Gesamtunternehmenssicht mag es ein großer Fehler sein, die Weltleitmesse der Intralogistik nicht zu besuchen.

Was manch international tätiges Unternehmen allerdings kaltlässt.

Das halte ich für einen großen strategischen Fehler, jedenfalls was den einen oder anderen Fall betrifft.

Von der Cemat, Herr Dr. Beumer, zurück zu Ihrem eigenen Unternehmen. Wenn man davon ausgeht, dass massive strategische Fehler Ihnen nicht unterlaufen: Wie steht Beumer, sagen wir, in fünf, sechs oder sieben Jahren da?

Weiterhin gut aufgestellt, wichtigen Grundwerten verpflichtet und langfristig orientiert nicht nur in Beckum, im Herzen Westfalens, sondern überall auf der Welt.

www.beumergroup.com

Daten und Fakten


Die Beumer Group ist ein international führender Hersteller der Intralogistik in den Bereichen »Förder- & Verladetechnik«, »Palettier- & Verpackungstechnik« sowie »Sortier- & Verteilanlagen«. Zusammen mit Crisplant in Dänemark und Enexco Teknologies in Indien beschäftigt die Beumer Group aktuell 4.000 Mitarbeiter.
Im Jahr 2014 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe mit Stammsitz im westfälischen Beckum einen Umsatz von 680 Millionen Euro. Mit ihren Niederlassungen und Vertretungen ist die Beumer Group weltweit in zahlreichen Branchen tätig.


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Ausgabe:
lj 01/2016
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