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Elektromobilität - Wie reagieren Unternehmen, wenn Diesel-Fahrverbote drohen? Eine Option ist der Einsatz von Elektro-Transportern wie dem StreetScooter. Wie das funktioniert, zeigen erste Beispiele aus der Praxis: etwa bei den Stadtwerken München, der Stadtverwaltung Düren oder dem Logistikdienstleister Bezold.

07. November 2018
© StreetScooter
(Bild: StreetScooter)

Der Lieferverkehr nimmt stetig zu, gleichzeitig wird immer häufiger über Fahrverbote und Umweltzonen in Innenstädten debattiert. Einige Unternehmen und Kommunen testen aus diesem Grund Elektrofahrzeuge. Diese könnten eine Alternative sein, damit Zusteller, Transporteure und Lieferdienste auch in Zukunft überall dort unterwegs sein können, wo alte Dieselfahrzeuge möglicherweise nicht mehr hindürfen.

München: Elektro für die Poststelle

Beispiel München: Für ihre Poststelle haben die Stadtwerke in der bayerischen Landeshauptstadt seit einiger Zeit ein Elektromobil der Marke StreetScooter im Einsatz. Die Stadtwerke München (SWM) sehen sich selbst als Vorreiter der Elektromobilität: Sie errichten und betreiben die Ladeinfrastruktur in München mit bereits 160 Ladesäulen. »Die SWM bauen die Elektromobilität weiter aus. Viele unserer Dienst-Pkw legen am Tag maximal 80 Kilometer zurück.

Für diese Distanzen ist die elektrische Reichweite ideal«, sagt Florian Bieberbach, Vorsitzender der SWM-Geschäftsführung. »Wir werden daher bei jeder Fahrzeugbeschaffung prüfen, ob der Ersatz durch Elektrofahrzeuge möglich und sinnvoll ist.« Doch das Vorhaben stellte sich als gar nicht so einfach heraus, berichtet das Unternehmen. »Gerade bei Nutzfahrzeugen gibt es derzeit von den klassischen Herstellern leider nur sehr wenige alltagstaugliche und bezahlbare Serienfahrzeuge«, moniert der SWM-Chef.

Die Stadtwerke wurden dann aber doch fündig: »Es ist erfreulich, dass hier neue Anbieter auf den Markt kommen, wie die Deutsche-Post-Tochter StreetScooter. Von dieser haben wir nun erstmals ein Fahrzeug gekauft und werden den StreetScooter Work im Alltag unserer Poststelle testen«, sagt Bieberbach. Die Stadtwerke versprechen sich vom Einsatz nicht nur Pluspunkte für Umwelt und Anwohner, sondern auch für das betriebliche Budget: Die Verbrauchskosten sind nach Angaben des Herstellers bis zu 50 Prozent niedriger.

Der StreetScooter ist außerdem nach einem Modulsystem mit leicht austauschbaren Bauteilen aus durchgefärbtem Gewebekunststoff bestückt. Das soll Reparaturen einfacher machen und Rost verhindern. Und auch der Staat hilft in manchen Fällen beim Umstieg auf Elektromobilität: Bei Kauf oder Leasing gibt es Zuschüsse von Bund und Ländern. Die Allianz-Versicherung bietet nach Angaben von StreetScooter einen Sondertarif, der die besonderen Sicherheitskomponenten und Reparaturmöglichkeiten berücksichtigt.

Düren: Botenfahrzeug fürs Hauptamt

Im nordrhein-westfälischen Düren rollt der StreetScooter nicht nur vom Band, sondern auch über die Straßen. Die Stadtwerke haben das Elektrofahrzeug beschafft und stellten es im Rahmen eines Sponsoringvertrags der Stadt Düren als Botenfahrzeug zur Verfügung. Der E-Transporter wurde eigens als Post- und Lieferfahrzeug konfiguriert und fährt nun für das Hauptamt der Stadtverwaltung.

»Mit dem StreetScooter hat die Deutsche Post eine Marktlücke gefüllt, die auch und gerade im kommunalen Bereich hochinteressant ist«, sagt Thomas Hissel, erster Beigeordneter der Stadt Düren. »Der StreetScooter passt genau zu unseren Bedürfnissen: Er ist innovativ, unkompliziert, ausgelegt auf den Stadtverkehr und trägt als Elektrofahrzeug zur Luftreinhaltung bei.«

Nürnberg: Bezold und Siemens

Erste Erfahrungen mit Elektromobilität werden auch in Franken gesammelt: Die Siemens-Division Building Technologies testet mit dem Logistikdienstleister Bezold einen Zustelldienst per Elektrotransporter im Stadtgebiet Nürnberg. Das erklärte Ziel der beiden Unternehmen ist es, die Auslieferung von Siemens-Produkten, Ersatzteilen und Komponenten der Gebäudetechnik »umweltverträglich zu gestalten«.

Dabei wurde ein StreetScooter Work L speziell nach den Anforderungen der Gebäudetechnik-Logistik modifiziert und angepasst. Für das Projekt arbeitete Siemens mit dem Nürnberger Lehrstuhl Supply Chain Management der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zusammen. Die Thematik ist hochaktuell: »Sollten in naher Zukunft tatsächlich Fahrverbote für dieselbetriebene Fahrzeuge erlassen werden, wird das gravierende Auswirkungen auf den Lieferverkehr in den Städten haben«, sagt Lehrstuhl-Mitarbeiter Tobias Meyer. 

Auch im Gebäudemanagement sind immer mehr Servicemitarbeiter mit E-Mobilen unterwegs. »Praxistaugliche Elektromobilität wird zukünftig die Logistik- und Versorgungsqualität von Industrie-, Hightech- und modernen Dienstleistungsstandorten wie Nürnberg prägen«, sagt Michael Fraas, Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, die das Siemens-Projekt unterstützt.

Weiterentwicklung auf der IAA

Ob klein oder groß, mit Pritsche, Koffer oder mit Sonderaufbauten: »Wir sehen unseren StreetScooter als Werkzeug, das die Prozesse unserer Kunden verbessert. Und das passgenau für unterschiedliche Unternehmen in unterschiedlichen Branchen«, sagt StreetScooter-CEO Achim Kampker. »Dieses Vorgehen haben wir schrittweise auf immer weitere Branchen und Anwendungsszenarien ausgeweitet.«

Je nach Modell sind bis zu 205 Kilometer Reichweite (nach NEFZ), maximal 85 Stundenkilometer und bis zu 905 Kilogramm Nutzlast möglich. Die Weiterentwicklung ist schon in der Mache: Das Modell Work XL wurde vor wenigen Wochen auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover vorgestellt. Der XL hat ein Ladevolumen von 20 Kubikmetern und eine Ladekapazität von 1.150 Kilogramm, eine geschätzte Reichweite von bis zu 200 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde.

»Die Zukunft der Logistik liegt in der E-Mobilität. Unser neuer Work XL mit seinem– gegenüber den Modellen Work und Work L – nochmals deutlich gesteigerten Ladevolumen bietet hierfür die notwendige Basis«, sagt Kampker.

Laden an der Steckdose

Unternehmen, die sich für einen StreetScooter entscheiden, werden vom Hersteller auch bei der Ladeinfrastruktur beraten und Unterstützt. Als Anschluss nutzen die Elektro-Fahrzeuge einen Standardstecker AC-Typ 2, der seit 2017 EU-weit für Normalladepunkte vorgesehen ist. So ist ein Ladevorgang »an nahezu jeder öffentlichen Stromtankstelle möglich – und sogar an der Steckdose daheim«.

Die Streetscooter GmbH wurde 2010 von Professoren der RWTH Aachen gegründet und ist seit 2014 ein Tochterunternehmen des Konzerns Deutsche Post DHL Group. Produziert wird an Standorten in Aachen und Düren. Mehr als 8.000 StreetScooter sind bereits in der Paketauslieferung der Deutschen Post im Einsatz. Dabei haben die Elektro-Transporter über 40 Millionen Kilometer zurückgelegt und sparen nach Angaben des Unternehmens jährlich gut 26.000 Tonnen CO2 ein. 

Viele weitere Branchen nutzen das E-Mobil bereits: So ist der StreetScooter als Kommunalfahrzeug in Städten und Gemeinden unterwegs, als Lieferfahrzeug in der KEP-Branche, als spezialisierter Transporter für Handwerker oder als Kühlfahrzeug zum Beispiel für die Fischmanufaktur Deutsche See.

Erschienen in Ausgabe: 06/2018

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