Perfekte Abstimmung

Verschmelzung von Logistik und Produktion: Mithilfe eines neuen Logistiksystems von Servus wollte die Firma Erwin Halder ihren Materialfluss verbessern und die Durchlaufzeiten verkürzen. Herzstück des flexiblen Systems: autonom agierende Transportroboter (Autonomous Robotic Carrier, ARC3).

14. Februar 2019
Perfekte Abstimmung
( Bild: © Servus Intralogistics)

Vielfalt aus fertigen Teilen und Halbfabrikaten: Das Produktsortiment der Erwin Halder KG in Achstetten-Bronnen umfasst Vorrichtungssysteme, den flexiblen Multi-Schraubstock und konventionelle Spannmittel. Ein Standardsortiment an Normteilen mit über 8.000 Artikeln ab Lager, Handwerkzeuge und Luftfahrtprodukte runden das große Sortiment ab. Um dieses große Produktspektrum zu verwalten, setzte Halder bisher eine teilautomatisierte Kombination aus Palettenregal und Lagerliften ein.

»Mit der kontinuierlichen Steigerung unseres Angebots wurde die Lagerhaltung mit diesem System durch vermehrte Nachschubfahrten zwischen den Palettenregalen und den Lagerliften jedoch zunehmend aufwendiger. Zudem war eine Kapazitätserweiterung unbedingt notwendig, die jedoch mit dem bisherigen System ohne Neubau nur bedingt möglich gewesen wäre«, sagt Betriebsleiter Michael Dunz und ergänzt: »Da war die Entscheidung für ein komplett neues Intralogistiksystem nur logisch.«

Die Umstellung auf ein neues Lager- und Materialtransportsystem wollte Halder auch gleich nutzen, um weitere Faktoren zu verbessern: Die bestehende Halle sollte besser ausgenutzt und unnötige, nicht wertschöpfende Tätigkeiten, wie etwa Nachschubfahrten und Zwischenlagerungen, eliminiert werden. Auch hier sollte die neue Lagerverwaltung helfen.

Autonome Transportroboter liefern in die Produktion

Die aus seiner Sicht ideale Lösung fand Erwin Halder in den autonomen Transportrobotern (Autonomous Robotic Carrier, ARC3) von Servus Intralogistics aus Dornbirn in Österreich. Sie sparen dem Unternehmen nach eigenen Angaben Zeit, indem sie die Ware nun just in time nach dem Pull-Prinzip zum Mann beziehungsweise in die Produktion liefern.

Und sie sparen Raum, indem Servus den vorhandenen Platz effizienter nutzt. »Bei Halder fahren unsere Transportroboter zwar nicht wie sonst üblich an der Hallen?decke über Kopf, dennoch konnten wir das Servus-System mit einem verhältnismäßig kleinen Fußabdruck realisieren«, erklärt Christian Beer, Inhaber und Geschäftsführer von Servus Intralogistics. Und das, obwohl Servus die Bereiche Wareneingang, Kommissionierung und AKL (Automatisches Kleinteilelager) schnittstellenlos miteinander verbindet und darüber hinaus die Montage direkt beliefert.

Zu den Unternehmen

Erwin Halder KG: Mit dem von ihm entwickelten und patentierten Simplex-Schonhammer legte Erwin Halder seinerzeit den Grundstein für das heute international agierende Unternehmen. Das Familienunternehmen, das heute fast 200 Mitarbeiter beschäftigt und in vier Produktfeldern weltweit tätig ist, wird mittlerweile durch Stefan Halder in dritter Generation fortgeführt. Die gesamte Prozesskette liegt auch heute noch in einer Hand – von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum weltweiten Vertrieb. Über 60 weltweite Vertretungen und sechs eigene Niederlassungen garantieren nach eigenen Angaben Kundennähe und Präsenz.

Servus Intralogistics GmbH: Die Servus Intralogistics GmbH entwickelt, produziert und liefert für ihre Kunden unterschiedlichster Branchen Intralogistik-Lösungen aus einer Hand. Servus hat einen Intralogistik-Baukasten im Einsatz, der es ermöglicht, sämtliche Bereiche im Unternehmen, von Wareneingang, Lager (AKL), Produktion, Montage und Kommissionierung bis hin zum Warenausgang, mit einem einzigen Logistiksystem miteinander zu verbinden. Kernstück des Servus-Systems sind die intelligenten und autonomen Transportroboter ARC (Autonomous Robotic Carrier), die Logistik und Produktion zu einer Einheit verschmelzen lassen.

Alles aus einer Hand

Im Lieferumfang von Servus enthalten waren sämtliche Arbeitsstationen wie Kommissionierung, Montageanbindung, Wareneingang und Warenausgang mit den ?entsprechenden I-Punkten (Human-Machine-Interface) sowie das Automatische Kleinteilelager (AKL) inklusive Lagerverwaltungssoftware. »Dadurch ergibt sich für den Kunden neben der höchsten Lagerdichte, die unsere AKLs besitzen, auch der Vorteil eines möglichen Lagerfüllgrads von über 99 Prozent«, sagt Beer. Michael Dunz bestätigt das: »Wir können mehr Artikel lagern, ohne die vorhandene Hallenkapazität erweitern zu müssen«, berichtet der Betriebsleiter.

Automatisierung, ganz flexibel

Nach nunmehr zwei Jahren seit Inbetriebnahme kann Dunz sagen, dass sich alle Erwartungen zu voller Zufriedenheit erfüllt haben: »Das Transportsystem wurde perfekt auf unsere Anforderungen abgestimmt. So haben wir einen verbesserten Materialfluss und kürzere Durchlaufzeiten. Umlaufbestände, Zwischenlager und Wartezeiten wurden stark reduziert. Die Mitarbeiter erhalten just in time an ihren Arbeitsstationen die benötigte Ware. Dabei ist das Servus System so flexibel, dass wir es einfach an beispielsweise größere Auftragseingänge und auch sich ändernde Produktionsabläufe anpassen beziehungsweise erweitern können.« Die Partner sind sich einig: Halder und Servus haben mit der Umsetzung gezeigt, dass sich Automatisierung und Flexibilität nicht grundsätzlich ausschließen.

Erschienen in Ausgabe: 01/2019
Seite: 62 bis 63

Schlagworte