Interview

»Da herrschte Rushhour am Telefon«

Er ist der neue Verantwortliche für die Intralogistikmesse Logimat, die in wenigen Tagen in Stuttgart stattfindet: Michael Ruchty. Im Interview mit »logistik journal« spricht er über Markttrends, die Grenzen des Wachstums und seine Lieblingsaufgaben.

14. Februar 2019
© Euroexpo
Logimat-Messeleiter Michael Ruchty erwartet über 1600 Aufsteller in den Stuttgarter Messehallen. (© Euroexpo)

Herr Ruchty, was ist das wichtigste Thema, das die Branche umtreibt?

Meiner Meinung nach ist künstliche Intelligenz DAS heiße Thema. Es wird uns, so wie es aussieht, noch einige Jahre beschäftigen. Damit einher geht aber auch die Auseinandersetzung mit der Frage zur humanen Mensch-Maschine-Kommunikation und dem verantwortungsvollen Umgang mit Daten.

Welche weiteren Trends beschäftigen die ausstellenden Unternehmen auf der Logimat?

Es gibt in allen Hallen zu den unterschiedlichsten Ausstellungsbereichen neue Trends und Weiterentwicklungen der bisherigen Standardlösungen zu entdecken. Gerade diese Vielfalt ist es auch, weshalb Besucher mit den verschiedensten Aufgabenbereichen auf der Logimat fündig werden. Die Messe ist für Projektplaner, Lagerleiter und Entscheider der ersten Führungsebene gleichermaßen spannend. Der Trend, der sich überall abzeichnet, ist sicherlich die intelligente Vernetzung der Systeme.

Sie sind ja in Gesprächen mit den Ausstellern. Wie ist die Stimmung vor dem Hintergrund der sich eintrübenden Konjunktur?

Natürlich gehen auch die Geschehnisse der Welt und dabei auch ihr Einfluss auf die globalen Lieferketten nicht spurlos an der Branche vorüber und man muss die Stellschrauben im Blick haben. Auf der anderen Seite werden gerade in unserem Geschäft große Investitionen getätigt. Der Markt hat erkannt, dass durch die Investition in Produkte und Lösungen weitere Ressourcen ausgeschöpft werden können. Zahlreiche Aussteller bestätigen uns, dass ihre Auftragsbücher sehr gut gefüllt sind.

Was ist neu auf der Logimat 2019?

Neu auf der Logimat ist die erstmalige Belegung der Halle 2 sowie der Galerie in Halle 1. Durch diese Maßnahmen konnten wir über 7.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche hinzugewinnen. In nackten Zahlen heißt das: mehr als 1.600 Aussteller aus über 40 Ländern, die auf einer Gesamtfläche von über 120.000 Quadratmetern aktuelle Produkte und Lösungen vorstellen.

Die Messe wächst immer weiter, doch die Kapazitäten vor Ort sind begrenzt. Ist das ein Problem für die Entwicklung der Logimat?

Es ist in der Tat eine riesige Herausforderung bei solch erfreulichem Wachstum. Bereits zu Beginn der Hallenplanung im Juni 2018 war die Messe so gut wie ausgebucht. Ich bin aber heute überzeugt davon, dass wir gemeinsam mit den Ausstellern im Sinne der Besucher das Optimum erreicht haben.

Wie reagieren die Kunden, wenn Sie ihnen den Wunsch nach mehr Fläche nicht erfüllen können? Haben Sie schon Ausstellern abgesagt?

Bei der großen Anzahl an Ausstellern ist es unvermeidbar, dass der ein oder andere nicht so ganz zufrieden mit der nicht umgesetzten Standvergrößerung ist. Gerade nachdem die Hallenpläne gezeichnet und die Platzierungen versandt wurden, herrschte Rushhour an meinem Telefon. Inzwischen kann ich jedoch sagen, dass wir annähernd für jeden eine Lösung finden konnten.

Ich gestehe, dass wir schon seit einigen Wochen mit einer Warteliste arbeiten. Aber: Als Messemacher muss man über eine gewisse kreative Ader verfügen. Und mit dieser gelingt es uns auch heute auf einer ausgebuchten Logimat 2019 noch, neue Aussteller mit ins Boot zu holen.

Was machen Sie, wenn das Wachstum auch in Zukunft so weitergeht?

Auf diese Frage habe ich gewartet. 2018 konnten wir zum ersten Mal die neue Halle 10 belegen, 2019 feiert die Halle 2 auf der Logimat Premiere. Was mich besonders freut, sind die bereits fortgeschrittenen Planungen für Halle 11. Wenn alles glatt läuft, steht uns diese bereits im Jahr 2023 zur Verfügung.

Ist die Internationalisierung eine Antwort darauf, dass in Stuttgart wenig Platz ist? Wie läuft die Logimat China?

120.000 Quadratmeter Fläche ist nicht wenig Platz (lacht). Im Gegenteil, auch Dank der Logimat China rechne ich in Stuttgart mit einem Anteil von über 28 Prozent an Ausstellern aus dem Ausland. Es hat sich auf dem Globus inzwischen herumgesprochen, dass sich die Logistikwelt jedes Frühjahr in Stuttgart trifft. Bei der Logimat China gibt es 2019 einige Neuerungen. Nach vier Jahren in Nanjing wird diese im kommenden April erstmals in Shanghai stattfinden – und das parallel zur tranport logistic China.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Cemat und ihre Integration in die HMI?

Die Frage ist etwas knifflig, weil ich ungerne über die Entwicklung – oder auch Nicht-Entwicklung – der Cemat spreche. Neutral gesehen ist es die Frage, ob die Cemat 2018 bereits in die HMI integriert war. Meiner Meinung nach war dies nur halbherzig umgesetzt. Wir werden die weiteren Schritte sehr genau beobachten.

Wo unterscheiden sich Cemat und Logimat?

Der Unterschied zwischen Cemat und Logimat ist offensichtlich. In Stuttgart veranstalten wir eine Arbeitsmesse. Auf der Logimat werden Geschäfte gemacht, hier kommt der Anwender mit komplexer Aufgabenstellung auf die Messe und versucht im Gespräch vor Ort mit den Ausstellern schon einen ersten Lösungsansatz zu erarbeiten. Er kommt nach dem Messebesuch nicht mit leeren Händen zurück in sein Unternehmen, sondern hat eine Idee für die nächsten Schritte im Gepäck.

Sie haben die Verantwortung für die Logimat neu übernommen. Wie war das erste Jahr?

Das erste Jahr an vorderster Front ist spannend und intensiv. Ich bin seit 2011 bei der Euroexpo Messe- und Kongress-GmbH und seit etwa drei Jahren im Projektmanagement an Peter Kazanders Seite tätig. Sehr viele operative Aufgaben liefen in den letzten Jahren bereits über meinen Tisch. Ich muss aber auch gestehen, dass wöchentlich zahlreiche neue Aufgaben hinzukommen und ich darüber froh bin, dass Peter Kazanders Türe immer für mich offensteht.

»Der Unterschied zwischen Cemat und Logimat ist offensichtlich.«

— Michael Ruchty

Welche Aufgaben machen Ihnen am meisten Freude – und welche nicht?

Fangen wir mit den weniger schönen Aufgaben an. Dazu gehört sicher die Tatsache, dass mancher Aussteller nicht genau das bekommt, was er gerne möchte. Was dann manchmal auf Unverständnis stößt, lässt sich zum Glück meist in einem Telefonat klären. Es ist ja nicht so, dass ich nicht will, es ist leider manchmal nicht alles möglich. Am Ende kommt man immer zu einer Lösung.

Das schönste Erlebnis wird sicherlich im Februar vor Ort in Stuttgart sein. Wenn ich sehe, wie die Tore der Logimat geöffnet werden und tausende Besucher den Eingangsbereich stürmen – voller Erwartungen auf eine tolle Veranstaltung. Für die gesamte Logimat-Mannschaft ist das immer ein emotionaler Moment.

Interview: Tobias Rauser

Erschienen in Ausgabe: 01/2019