21. JUNI 2018

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Zukunft zum Anfassen


Technik

Technologie - Wie die Gegenwart der Logistik aussieht, weiß jeder Fachmann selbst. Welche Möglichkeiten aber bietet die Zukunft? Antworten auf diese Frage gibt das openID-center in Dortmund.

In seinem Begrüßungsvortrag skizzierte Prof. Dr. Michael ten Hompel, Geschäftsführender Leiter des Fraunhofer IML, aktuelle Forschungsprojekte am Institut. Dazu zählt neben den Arbeiten im openID-center auch die »Zellulare Fördertechnik/Intralogistik«, ein Ansatz, der klassische Fördertechniken und Regalbediengeräte künftig überflüssig machen soll. Stattdessen werden Multishuttles die Behälter befördern.

Für ten Hompel sind die zellularen Transportsysteme die logische Entwicklung des »Internet der Dinge«. Im »Internet der Dinge«, der Verbindung der physischen Welt mit der Welt der Daten, finden Waren ihren Weg durch die logistischen Netze selbst. Michael ten Hompel: »Wenn die Dinge schon wissen, wo sie hin müssen, dann können sie auch selbst dorthin fahren.« Ten Hompel ist sicher: »Was hier stattfindet, ist Evolution.« Deshalb, so der Forscher und Hochschullehrer, sei es an der Zeit, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Mit dem openID-center stellt das Fraunhofer IML eine Plattform zur Verfügung, wel-che die komplette Logistikkette modellhaft abbildet und die in Europa ihresgleichen sucht.

1.500 qm Information

Auf über 1.500 qm wird in dem Forschungs- und Entwicklungszentrum, das im April 2005 den Betrieb aufnahm, die Logistik der Zukunft erdacht, erprobt und zum Leben erweckt. Alle Entwicklungen verfolgen nur ein Ziel: die Vision vom »Internet der Dinge« wahr werden zu lassen. Dabei stand zunächst der Einsatz der Radiofrequenz-Technologie (RFID) im innerbetrieblichen, automatisierten Materialfluss im Vordergrund. Mittlerweile hat RFID eine Vielzahl an Entwicklungsschritten durchlaufen und technologische als auch physikalische Grenzen überwunden.

Neue Möglichkeiten

Die Radiofrequenz-Technologie ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern längst in der Praxis angekommen – auch in der Kombination mit anderen Technologien, sodass neue, zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten entstanden sind. Auch dieser Entwicklung will das runderneuerte openID-center Rechnung tragen. »Im neu gestalteten openID-center wollen wir neue Möglichkeiten und ihren Nutzen für Kunden und Anbieter zeigen«, erklärt Professor ten Hompel. Im Mittelpunkt der neuen Demonstration steht der Besucher. Gleich zu Beginn muss er eine Bestellung auslösen und hat dabei die Wahl zwischen verschiedenen Produkten.

Perfekte Demonstration

Die Order lässt sich entweder per Smartphone oder direkt im ERP-System aufgeben. Anschließend durchläuft die Warenlieferung klassische Prozessschritte wie Wareneingangs- und Warenausgangsprüfung, interne Warentransporte aus verschiedenen Lagersystemen mittels fahrerloser Transportsysteme und zweistufigem Kommissionieren. Sämtliche Abläufe bis hin zur Rechnungsstellung und Bestandskontrolle werden auf einer Leinwand und an Bildschirmen visualisiert.

Bei der Auftragsabwicklung werden die neuen Technologien vorgestellt und »on the run« erklärt. Im Bereich der zweistufigen Kommissionierung wird ein Teil der Produkte pick-by-light-unterstützt aus einem Fachbodenregal kommissioniert. Die restlichen bestellten Artikel kommen mit Hilfe eines Multi-Shuttles aus einem Kleinteilelager. Ein Tunnelreader-System überwacht den Kommissioniervorgang und identifiziert jedes einzelne Produkt. Der Besucher kann dabei überprüfen, ob von jedem bestellten Artikel die ausreichende Menge kommissioniert wurde.

Ein anderes wichtiges Demonstrationsobjekt ist der Behältertransport auf einer 80 Meter langen Stetigfördertechnik-Strecke. Hier erlebt der openID-Besucher, wie die durch den Warentransport verbrauchte Energie durch die intelligente Verknüpfung von RFID und Sensoren zurückgewonnen und für die Datenkommunikation zur Verfügung gestellt werden kann. Und das sind nur einige der Möglichkeiten, die das wiedereröffnete openID-center bietet. Spannende Themen sind auch »Near Field Communication« und »Augmented Reality«. Im Grunde also kann die Devise nur lauten: hinfahren und mehr erfahren. Denn die Zukunft der Logistik hat längst begonnen. Wer wissen will, wie sie aussieht, erhält in Dortmund ebenso spannenden wie informativen Anschauungsunterricht. (sv)

www.oid.fraunhofer.de


Daten & Fakten
Das openID-center in Dortmund ist eine in Europa einzigartige Integrationsplattform, welche die komplette Logistikkette modellhaft abbildet.
Auf einer Fläche von 1.500 qm wird im openID-center die Zukunft der Logistik erdacht, erprobt und zum Leben erweckt. Die Einrichtung ist Teil des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML).

Ausgabe:
lj 02/2011
Bilder:

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