18. JUNI 2018

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Prozessoptimierung - Die Radio Frequency Identification (RFID) bietet der Logistik ein hohes Optimierungsgpotenzial. Dabei stehen nicht allein Kostensenkungen im Vordergrund. Im Wesentlichen geht es um eine nachhaltige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.
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RFID-Transponder sowie (optische) 1D/2D-Codes haben eine einfache Aufgabe: Die automatische Identifikation von Objekten aller Art. Dazu werden Erfassungssysteme an allen erforderlichen Stellen eingesetzt, die eine eindeutige Identifikationsnummer und gegebenenfalls weitere Daten erfassen. Doch die eigentliche Bedeutung entsteht aus der Verknüpfung dieser Kennnummern mit den Informationspools der IT-Systeme. Zwar existiert in den Datenbanken ein umfangreiches Wissen über die Produkte, Sendungseinheiten oder Transportbehälter, z.B. die aktuelle Verwendung, die Position, der Status, die bisherige Verwendung usw. Damit aber die IT-Systeme mit dem realen Zustand übereinstimmen, sind automatische Identifikationssysteme notwendig – manuelle Eingaben sind zu fehlerträchtig. Die eigentliche Aufgabe für RFID und optische Codes ist also, eine automatische Synchronisation der Datenbank-Inhalte mit den tatsächlichen Gegebenheiten sicherzustellen.

Vielfältige Möglichkeiten

Die Anwendungsmöglichkeiten von RFID sind äußerst vielfältig und erschließen gegenüber optischen Codes neue Einsatzfelder in der Logistik. Drei Beispiele werden im Folgenden näher vorgestellt. Erstens: die automatische Buchung an Gefahrenübergängen. Die Erfassung von Warenbewegungen an Gefahrenübergängen – zum Beispiel die Übergabe an den Frachtführer – ist in der Supply Chain von besonderer Bedeutung. So werden das Haftungsrisiko für die Ware selbst und deren vertragsgemäße Zustellung an ein anderes Unternehmen übertragen. Schon aus diesem Grund ist eine lückenlose Dokumentation notwendig. Ein Problem ergibt sich aber aus den unterschiedlichen Systemen, die zum Einsatz kommen. Zwar werden in eng geführten Supply Chains entsprechende Schnittstellen in den IT-Systemen vorgesehen, doch ist dies nicht immer unproblematisch. Eine automatische Erfassung aller Warenübergänge mit standardisierten Identifikationstechniken ist deshalb erforderlich. RFID gilt hier oft als Mittel der Wahl.

Deutliche Vorteile

Die Transponder können auf unterschiedlichsten Objekten angebracht und auf ausreichend große Distanzen (mehrere Meter) ausgelesen werden, sodass sich an den Arbeitsabläufen der Mitarbeiter nicht unbedingt etwas ändern muss. Doch in der Praxis ergeben sich immer wieder Herausforderungen aufgrund der Materialbeschaffenheit der zu erfassenden Waren. Flüssigkeiten und Metalle können die Erfassungsqualität deutlich beeinträchtigen, sofern die Transponder und RFID-Antennen nicht fachgemäß installiert werden. Doch meist überwiegen die Vorteile deutlich. So kann per RFID eine sogenannte Pulkerfassung realisiert werden. Das heißt: Das System kann zahlreiche Artikel einer Warensendung gleichzeitig identifizieren. Zudem verfügt jedes Objekt nun nicht nur über eine Typkennung, sondern auch über eine weltweit eindeutige Seriennummer. Damit kann z.B. eine automatische Zuordnung von Seriennummern zum Lieferschein erfolgen, um eine Grundlage etwa für spätere Garantieabwicklungen oder für Leasinggeschäfte zu schaffen. Ein derartiges System nutzt SECM, Hersteller von Telefon-Endgeräten.

Bessere Datenqualität

Jedes Telefon erhält in der Produktion einen RFID-Chip eingesetzt, der später in der Logistik zur Wareneingangs- und -ausgangsbuchung verwendet wird. Mehr als hundert Telefone werden gleichzeitig identifiziert, ohne die Geräte aus der Umverpackung entnehmen zu müssen. Die durch RFID mögliche Erfassung einzelner Seriennummern verbessert zudem die Datenqualität – bislang konnten einem Kunden nur die bestellten Typen, nicht aber die konkreten Geräte zugeordnet werden.

Auch in industriellen Umgebungen lässt sich RFID für die automatisierte Datenerfassung am Warenausgang einsetzen, so im Aleris-Werk in Töging. Das Unternehmen stellt kundenspezifische Aluminimum-Legierungen her, die im flüssigen Zustand mit speziellen Wärmeschutz-Behältern zum Kunden transportiert werden. Bislang wurden die Verwendung der Behälter und die Warenausgangsbuchung manuell anhand einer auf den Behälter aufgesprühten Nummer vorgenommen. Eine solche Erfassung durch die Mitarbeiter ist aber fehlerbehaftet und wird aufgrund der hohen Kosten nur punktuell vorgenommen.

Hohe Effizienz

Durch die Anbringung eines speziellen RFID-Transponders an jedem Transportbehälter und der Aufstellung von RFID-Lesegeräten beim Warenausgang, bei Service und Reinigung der Behälter sowie bei der Befüllung ist es möglich, eine lückenlose Behälter-Historie automatisch zu generieren. Damit gelingt nicht nur der Nachweis der pünktlichen Lieferung, sondern auch eine Senkung von Kosten, zum Beispiel bei der Wartung der Behälter.

Das zweite Beispiel ist die Verknüpfung der Identifikation mit Zusatzdaten. In manchen Anwendungsgebieten kann RFID auch über die ausschließliche Identifikation der Waren hinaus eingesetzt werden. So gibt es in Branchen wie der Nahrungsmittelproduktion oder der pharmazeutischen Industrie hohe Anfor-derungen an die Qualität der Lieferkette, etwa die Einhaltung eines bestimmten Temperaturprofils. Derzeit wird an RFID-Transpondern geforscht, die über zusätzliche Sensoren derartige Messreihen aufnehmen und später – zum Beispiel bei der Übergabe an den Endkunden – drahtlos zur Verfügung stellen können. Derartige RFID-Sensoren könnten Umgebungsbedingungen wie Temperatur und Feuchtigkeit oder auch Erschütterungen aufzeichnen.

Klarer Informationsgewinn

Doch auch ohne forschungsintensive RFID-Sensoren kann die Verknüpfung von RFID und anderen Informationen gewinnbringend sein. So kann insbesondere die Ausrüstung von Lkw mit GPS/GPRS-Systemen eine wichtige Grundlage für die lückenlose Verfolgung auch auf dem Transportweg bieten. Per RFID wird bei der Verladung die Ware identifiziert. Anschließend gibt der Lkw laufend seine aktuellen Positionsdaten an die Logistikzentrale durch. Abweichungen von der geplanten Transportzeit, etwa aufgrund von Verkehrs- oder Witterungsbedingungen, werden in Echtzeit erkannt. Der Warenempfänger gewinnt wichtige Informationen, um seine Produktion der tatsächlichen Lieferung anzupassen – ein entscheidender Vorteil nicht nur bei Just-in-time- bzw. Just-in-sequence-Systemen.


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lj 03/2011
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