18. JUNI 2018

zurück

kommentieren drucken  

Wir kommen gut voran


Unternehmen

Strategien - Matthias Kramm von Vanderlande Industries siehtgute Chancen. Mit dem neuen Familienmitglied Beewen kanndie Vanderlande Gruppe das Geschäftsfeld Lagerautomatisierung weiter stärken. Auch Beewen hat Vorteile.
Mehrseitiger Artikel:
1 2  

Im November vergangenen Jahres antwortete Matthias Kramm auf die Frage, ob er früher oder später mit Übernahmen im Geschäftssegment von Vanderlande Industries rechne: »Ja, davon ist auszugehen.« Namen nannte Kramm nicht. Wenig später war klar: Vanderlande trat selbst als Käufer auf. Objekt der Begierde: das Siegener Unternehmen Beewen. Seit Beginn des Jahres ist der Spezialist für automatisierte Lagerlogistik Teil der Vanderlande-Familie, oder – wie es im Untertitel zum Beewen-Logo heißt – »A Vanderlande Industries Company.«

Perfekte Ergänzung

Dass die Niederländer mit deutscher Dependance unter Leitung von Matthias Kramm im Geschäftsfeld »Distributionsanlagen« – neben »Postal & Parcel« und »(Flug-)Gepackförderanlagen« die dritte Säule im Business-Modell – kräftig zulegen wollen, ist schon seit Jahren erklärtes Ziel von Vanderlande. Beewen mit besonderer Kompetenz im Segment »Regalbediengeräte und Shuttle-Technologie« passt perfekt ins Portfolio von Vanderlande, ist eine geradezu ideale Ergänzung des eigenen Angebots (»jetzt haben wir alle Schlüsselprodukte im eigenen Haus«). Wobei die Zusammenarbeit von Vanderlande und Beewen bereits 15 Jahre zurückreicht. Mit der Einschränkung allerdings, dass Vanderlande Industries bisher nur ein – wenn auch wichtiger – Kunde von Beewen war und somit zumindest zeitweise Rücksicht nehmen musste auf die produktionsbezogenen Kapazitäten des Siegener Unternehmens.

Klare Verhältnisse

Jetzt, nachdem Beewen ein Unternehmen der Vanderlande-Gruppe ist, steht der Mutterkonzern bei der Abarbeitung von Aufträgen immer an erster Stelle. Andere Beewen-Kunden – die Siegener arbeiten weiterhin und auch als Generalunternehmer für andere Unternehmen als Vanderlande – kommen dann zum Zug, wenn das neue Mutterhaus nicht gerade Priorität hat.

Charakter bleibt erhalten

Udo Beewen, jetzt Senior Consultant seines Unternehmens: »Beewen bleibt als eigenständige Firma der Vanderlande-Indus-tries-Gruppe bestehen und wird weiter entwickelt. Die Unternehmenphilosophie geht nicht verloren, der mittelständische Charakter bleibt erhalten. Kurze Entscheidungswege ermöglichen weiterhin schnelles Reagieren auf technische oder kaufmännische Herausforderungen.«

Nützliche Unterstützung

Einen weiteren Vorteil, den sein Haus als Mitglied der Vanderlande-Famile genießt, sieht Udo Beewen auch darin: »Das zwangsläufige Wachstum durch den Zusammenschluss kann organisatorisch und wirtschaftlich durch den großen Partner unterstützt werden. Beewen kann seine Bedeutung am Markt nicht nur erhalten, sondern weiter ausbauen.« Denn trotz der Einbindung in das große Haus Vanderlande mit international 2.200 Beschäftigten ist nach Meinung von Udo Beewen »der Markterfolg eines Unternehmens nicht in erster Linie von der Betriebsgröße, sondern von der Qualität der angebotenen Produkte oder Dienstleistungen abhängig«.

Für Udo Beewen wichtig dabei: »Als Zulieferer international tätiger Unternehmen haben auch kleinere Betriebe eine reelle Überlebenschance, wenn sie qualitativ erstklassige Güter vertreiben oder sich in bestimmten Sparten mit Alleinstellungsmerkmalen von der Konkurrenz abheben können. In diesem Bereich sehe ich Beewen sehr gut repräsentiert.« Beewens Mutterhaus Vanderlande teilt diese Auffassung. Vanderlande-Deutschland-Chef Matthias Kramm spricht in diesem Zusammenhang von neuen Vorteilen bei der »Wettbewerbsfähigkeit für Projekte mit geringerem Umfang«.

Frühe Avancen

Erste Avancen machte Vanderlande dem Haus Beewen bereits vor zehn Jahren, damals noch mit der Idee, sich an der Siegener Firma zu beteiligen. Udo Beewen: »Damals wollte ich jedoch die Unabhängigkeit der Firma bewahren, zumal ich auch noch erhebliches Wachstumspotenzial sah. Dass wir seitdem unseren Umsatz und die Zahl der Mitarbeiter mehr als verdoppeln konnten, bestätigt meine damalige Einschätzung.«

Nüchterne Abwägung

2011 erwirtschaftete die Beewen GmbH & Co. KG mit 100 Beschäftigten rund 25 Millionen Euro. Da liegt natürlich die Frage nah, ob der Verkauf für das weitere Bestehen des Unternehmens unumgänglich war. Udo Beewen: »Definitiv nein.« Warum es dann doch zur Veräußerung der Gesellschaftsanteile an Vanderlande kam, erklärt der Unternehmer so: »Nachdem ab 2010 der Umsatzanteil unseres bis dahin sowieso schon größten Kunden die Marke von 50 Prozent deutlich überschritten hatte und bei über 80 Prozent lag, wurde es notwendig, auf beiden Seiten über die Risiken einer solchen Abhängigkeit nachzudenken.

Eine Beteiligung war für mich grundsätzlich nicht vorstellbar. Alle Modelle zur Risikobeseitigung ließen letztendlich nur zwei Möglichkeiten zu. Erstens: Vanderlande Industries entwickelt eigene Technik, und die Unternehmen gehen danach getrennte Wege. Zweitens: Vanderlande Industries kauft die Gesellschaftsanteile der Familie Beewen und entwickelt die Firma so weiter, wie dies im Interesse von Vanderlande Industries erforderlich ist. Nach reiflicher Überlegung und Gesprächen mit meiner Familie und allen anderen Beteiligten gab es mehr gute Gründe für die zweite Variante.« Die unabhängige Fortführung von Beewen ohne den Großkunden Vanderlande hätte für einen längeren Zeitraum zu Auftragsrückgängen geführt und bei Beewen eventuell Arbeitsplätze gekostet. Doch dieses Thema ist vom Tisch.


Mehrseitiger Artikel:
1 2  

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv

  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Aktuelle Ausgaben

Weltmarkt Flurförderzeuge

logistik journal: Weltmarkt Flurförderzeuge 2016

Video der Woche

 

ANZEIGE