18. JUNI 2018

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»Linde ist in einer guten Position«


Markt

Unternehmen - Wie alle großen Staplerhersteller registriert auch Linde Material Handling ein Abflauen der Konjunktur. Dennoch ist Unternehmenschef Theodor Maurer nicht unzufrieden. Vielerorts habe Linde mit seinen Produkten gegen den Trend zulegen und Marktanteile hinzugewinnen können. Interview: Michael Weilacher
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Herr Maurer, mit weltweit 975.000 verkauften Gabelstaplern und Lagerhausgeräten war 2011 für die Flurförderzeughersteller ein wirklich guter Jahrgang. Wo liegen angesichts eines sich eintrübenden wirtschaftlichen Klimas nun die aktuellen Herausforderungen?

Die Automatisierung logistischer Leistungen wird weiter voranschreiten. Unsere Aufgabe, also die der Geräte- und Lösungsanbieter, ist, den Bedarf der unterschiedlichen Märkte rechtzeitig zu erkennen und darauf mit passgerechten Produkten und Dienstleistungen zu reagieren.

Das Antizipieren von Bedarf beziehungsweise Bedürfnissen als herausragende Managementaufgabe also?

So ist es. Hinzu kommt, das Unternehmen – im Falle von Linde Material Handling ein weltweit tätiges Haus mit knapp 14.000 Beschäftigten und drei Milliarden Euro Umsatz – in Zeiten extremer konjunktureller Ausschläge wirtschaftlich auf Kurs zu halten.

Nicht eben einfach, wenn die Berechenbarkeit der Märkte immer weiter abnimmt.

Keine Frage, die Zyklen werden kürzer und intensiver, die Ausschläge in die eine wie in die andere Richtung stärker. Um da-rauf adäquat reagieren zu können, braucht es hohe Flexibilität, und zwar von allen Beteiligten.

In besonderer Weise doch wohl von den Beschäftigten.

Auch von den Beschäftigten, ja. Flexible Arbeitszeitmodelle sind wichtiger denn je. Dabei kann es um Kurzarbeit gehen, genauso gut aber um Überstunden. Linde Material Handling hat dafür rechtzeitig Rahmenbedingungen geschaffen, die es uns erlauben, unsere Kapazitäten vergleichsweise kurzfristig der jeweiligen Nachfrage anzupassen – einer der Gründe, weswegen wir so gut durch die letzte Krise gekommen sind.

Sie sind also zufrieden mit Ihrem Instrumentarium?

Als Unternehmer wünscht man sich natürlich immer etwas mehr. Auf der anderen Seite tragen wir soziale Verantwortung. Betrachtet man beide Seiten, können wir das, was wir heute an Flexibilisierungsmöglichkeiten haben, durchaus akzeptieren.

Welche Rolle spielen befristete Arbeitsverhältnisse, wichtig für einen erweiterten Handlungsspielraum, in Ihrem Haus?

Auch in diesem Punkt ist die Politik von Linde Material Handling eindeutig: Wir haben eine hoch motivierte, erfahrene Stammbelegschaft mit starkem Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen. Diese Mitarbeiter sind unser höchstes Gut, auf sie stützt sich der Unternehmenserfolg. Um aber auf Spitzen in der Nachfrage schnell genug reagieren zu können, nutzen wir zusätzlich das Instrument der befristeten Arbeitsverhältnisse.

… auf die Sie möglicherweise schon bald verzichten können.

Moment mal. Der Gesamtmarkt befindet sich auf einem wirklich guten Niveau, nur leicht unter dem Niveau von 2011, das ein Rekordjahr war. Unsere Auftragsbücher sind sehr gut gefüllt, sogar mit einem leichten Plus im Vergleich zum Vorjahr. Die Fabriken laufen weiter unter Volllast. Insofern erleben Sie mich nicht unzufrieden.

Sie spüren also keine Eintrübung des Marktes, so wie andere namhafte Hersteller?

Sicher sehen wir ein Abflauen der Konjunktur und in einigen Märkten auch Rückgänge. Allerdings können wir vielerorts gegenüber dem Markttrend zulegen und Marktanteile hinzugewinnen. Wir werden den Markt weiterhin sehr genau beobachten.

Im Vergleich zu den Emerging Markets nimmt Europa, Ihr Kernmarkt, an Bedeutung ab. Ein Grund zu Sorge?

Nein, denn absolut gesehen ist Europa immer noch ein Markt mit einem gewaltigen Potenzial. Sein Bedeutungsverlust ist allenfalls relativ zu sehen, nämlich im Hinblick auf das Erstarken anderer Weltregionen. Natürlich hat Europa momentan Probleme. Aber langfristig betrachtet wird dieser Markt kaum an Gewicht und Bedeutung verlieren. Linde Material Handling jedenfalls fühlt sich mit seiner guten Position sehr wohl in Europa – in einem Markt, der für uns immer von überragender Bedeutung sein wird.

Und die Emerging Markets?

… sind für ein weltweit tätiges Unternehmen wie Linde Material Handling natürlich ebenfalls von großer Wichtigkeit. Und weil dem so ist, sind wir dort auch gut unterwegs. Langfristig wollen wir in den Emerging Markets ähnliche Erfolge erzielen wie in unseren Stamm-Märkten.

Apropos Stamm-Märkte: Zählen Sie China inzwischen dazu?

In gewisser Weise, ja. Nur zur Erinnerung: Wir haben bereits 1990 unsere Geschäftstätigkeit in China aufgenommen – mit dem Bau einer Fabrik 1993, mit Produkten, mit einer Vertriebs- und Serviceorganisation, die weitestgehend dem Niederlassungsprinzip folgt. Daraus hat sich in drei Jahrzehnten ein beinahe nationales Geschäft entwickelt.

Linde Material Handling China als Teil der dortigen Industriekultur also?

Zumindest sind wir dort sehr etabliert. Außerdem passt das Linde-Rot am besten zum Land (lacht).


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lj 05/2012
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