16. JULI 2018

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Höhere Weihen der Staplerkunden


Unternehmen

Expertentreffen - Was ist Stand der Dinge in der Staplertechnik? Auf diese und andere Fragen rund um das Thema Flurförderzeuge gibt die Hamburger Staplertagung Antworten. In diesem Jahr kamen mehr als 200 Teilnehmer.

In seinem Einführungsvortrag gab Still-Chef Bert-Jan Knoef zunächst einen Überblick über Megatrends, die die Entwicklung der Flurförderzeuge künftig prägen werden. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass sich die Flurförderzeughersteller zunehmend in einem Spannungsfeld zwischen regional- und einsatzspezifischen Spezialgeräten und flexibel einsetzbaren Universalgeräten bewegen werden. Nach Knoef wird außerdem die Volatilität der Märkte infolge der globalen Vernetzung der Wirtschaft weiter zunehmen. Dieses stellt einerseits die Produktion der Flurförderzeuge vor große Herausforderungen, bietet aber andererseits auch neue Chancen. Denn Herstellern, denen es gelingt, Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die den Kunden helfen, flexibel und wirtschaftlich auf starke Schwankungen des Marktes zu reagieren, werden deutliche Wettbewerbsvorteile haben.

Im ersten Fachvortrag stellte Frank Hohenstein vom Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss, Logistik der TU-München eine vergleichende Bewertung der vielfältigen technischen Möglichkeiten zur permanenten Lokalisierung von Staplern während des Betriebs vor. Im zweiten Fachvortrag von Gerard Lacher wurde am Beispiel des Pallet Shuttle von Still gezeigt, wie automatisierte Fördertechnik mit manuell bedienten Flurförderzeugen erfolgreich kombiniert werden kann. Dass aber auch fahrerlose Transportsysteme auf eine bereits fünfzigjährige Entwicklungsgeschichte zurückblicken können, zeigte Waldemar Osterhoff von E&K Automation. Als besonders innovatives technisches Element hob er eine neu entwickelte 3D-Palettenerkennung hervor.

Gemeinsames Forschungsprojekt

Das hoch aktuelle Thema Nachhaltigkeit war ein weiterer Schwerpunkt der Tagung. Den ersten Vortrag zu diesem Themenblock hielten Dr.-Ing. Andreas Kühn von KION und Timo Schilling vom MTL gemeinsam. Dr. Kühn informierte die Teilnehmer zunächst über die aktuellen und künftig zu erwartenden gesetzlichen Vorgaben in Bezug auf die Umweltverträglichkeit von Flurförderzeugen. Um sich hierauf angemessen vorzubereiten, haben die deutschen Flurförderzeug-Hersteller ein öffentlich gefördertes Gemeinschaftsforschungsprojekt zur Untersuchung der Umweltaspekte von Flurförderzeugen initiiert. Das vom MTL durchgeführte Forschungsprojekt stellte Timo Schilling im zweiten Teil des Vortrags vor.

Flurförderzeuge mit Ökobilanz

Als erster Flurförderzeughersteller hat Jungheinrich bereits für seine Flurförderzeug-Baureihen eine Ökobilanz nach ISO 14040 durchgeführt, worüber Michael von Forster in seinem Vortrag berichtete. Übereinstimmend wurde in beiden Vorträgen gezeigt, dass ca. 80 Prozent der durch Flurförderzeuge hervorgerufenen CO2-Emissionen in der Betriebsphase entstehen. Der wichtigste Hebel zur Reduzierung der CO2-Emissionen ist daher die Verringerung des Energieverbrauchs durch effizientere Antriebssysteme. Hierzu gab Libor Wilda vom JULI Motorenwerk nicht nur einen umfassenden Überblick über die Bauformen von Elektromotoren, sondern zeigte auch Ansatzpunkte zur Steigerung der Energieeffizienz auf. Die Möglichkeit, den Energiehunger der Elektromotoren durch den Einsatz von Permanentmagneten im Stator zu verringern, ist jedoch aufgrund der hohen Preise für seltene Erden zumindest zurzeit nicht wirtschaftlich.

Wasserstoff weiter im Gespräch

Im letzten Vortrag stellten Dr.-Ing. Wahlmüller und Hannes Schöbel gemeinsam den Praxiseinsatz von Linde Flurförderzeugen mit einem Brennstoffzellen-Energiespeicher von Fronius einschließlich der erstmaligen Indoor-Betankung von Wasserstoff-Fahrzeugen vor. Laut Schöbel geht man bei Linde davon aus, dass bis 2030 sehr unterschiedliche Antriebssysteme und Energiespeicher wie Verbrennungsmotoren, Bleisäure-Akkus, Lithium-Ionen-Akkus, Hybridantriebe und Brennstoffzellen in Flurförderzeugen zur Anwendung kommen werden.

Unterschätztes Schlüsselelement

Die Reifen von Flurförderzeugen stellen ein bisher unterschätztes Schlüsselelement dar. Denn als Bindeglied zwischen dem Fahrzeug und dem Boden beeinflussen sie entscheidend die Fahrsicherheit und den Fahrkomfort. Die Relevanz des Reifens für die Fahrsicherheit wurde von Nils Busch in seinem Vortrag über die dynamischen Eigenschaften und die Modellierung von Superelastikreifen für Gegengewichtsstapler aufgegriffen. Er berichtete dabei über die von ihm durchgeführten experimentellen Untersuchungen des Reifenverhaltens und dessen Modellierung mit Hilfe eines künstlichen neuronalen Netzes für die MKS-Fahrdynamiksimulation. Die Reifen werden jedoch nicht nur erforscht, sondern auch mit zusätzlichen Funktionalitäten versehen. Florian Bär vom Institut für Transport und Automatisierungstechnik der Leibniz Universität Hannover erläuterte in seinem Vortrag ein Konzept für die Integration von Sensoren in die Reifen. Die Sensoren können für die laufende Messung der Temperatur im Rahmen und der Radlast genutzt werden. Die Messwerte werden dabei per Funk vom Reifen zum Fahrzeug übertragen. Die nächste und damit 10. Staplertagung findet im Juni 2014 statt natürlich wieder in der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg

www.staplertagung.de


Daten & Fakten

Die Hamburger Staplertagung, in diesem Sommer fand die neunte Auflage statt, dient dem Austausch von Informationen über Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Flurförderzeug-Technik.
Das Expertentreffen wird vom Lehrstuhl für Maschinenelemente und Technische Logistik (MTL) der Helmut-Schmidt-Universität in Zusammenarbeit mit den Flurförderzeug-Herstellern Linde, Jungheinrich und Still veranstaltet.
In diesem Jahr konnten die Organisatoren über 200 Teilnehmer begrüßen. Die nächste Staplertagung findet im Juni 2014 statt.

Ausgabe:
lj 05/2012
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