18. JUNI 2018

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Starke Vorstellung dank AutoStore


Markt

Intralogistik - Wer seine innerbetrieblichen Logistikprozesse auf Vordermann bringen möchte, hat meist mehrere Möglichkeiten eine überraschend effiziente ist das Lager- und Kommissioniersystem AutoStore. von Wolfgang Degenhard

Unsere Erwartungen haben sich voll erfüllt«, sagt René Fellmann, CEO der Competec Logistik AG, mit Blick auf sein neues Logistikzentrum. Der Manager meint vor allem sein neues AutoStore, ein spezielles Lager- und Kommissioniersystem für einzelne Artikel und kleine Behälter. Geplant und realisiert wurde das System von der Swisslog AG aus der Schweiz mit deutscher Tochter in Dortmund und vielen weiteren Niederlassungen weltweit.

Die Schweizer Unternehmensgruppe Competec in Willisau im Kanton Luzern nutzt seit April dieses Jahres ihr neues, sehr effizientes System und spricht bereits jetzt von Expansion. Die logistische Lösung zum Handling von bis zu 40.000 verschiedenen Kleinteilen aus einem umfassenden IT- und Elektroniksortiment – darunter PC-Zubehör, Software, Smartphones oder Digitalkameras – ist weltweit die größte ihrer Art. Gleichwohl sind einem Ausbau kaum Grenzen gesetzt, denn AutoStore ist nicht nur sehr schnell und effizient, das System ist auch ausgesprochen flexibel.

Die Investition des Schweizer Online-Händlers war notwendig geworden, weil das bisherige System den Anforderungen nicht mehr genügte: Für die Handhabung von zuvor 20.000 Behältern verfügte das Unternehmen bislang über ein klassisches Automatisches Kleinteilelager (AKL). Doch dessen Kapazitäten waren durch die enorme Geschäftsentwicklung erschöpft. Darum wurde eine ausbaufähige Alternative gesucht. Diese sollte sich dem zu erwartenden Wachstum der Unternehmensgruppe anpassen. Die neue Lager- und Kommissionierlösung AutoStore stellte sich als das flexibelste Konzept dar. Bei Competec stand vor allem die Frage im Vordergrund, wie erweiterungsfähig das Konzept ist und wie es sich in die bestehenden Räumlichkeiten integriert, in denen zuvor die Firma Lego ansässig war.

Bausteinartiges Konzept

Durch das bausteinartige Konzept kann man AutoStore in nahezu jedes bestehende Gebäude einbauen. In Höhe und Breite variierbar lässt sich das Lager- und Kommissioniersystem auch in ungewohnten Grundrissen wie zum Beispiel L- oder U-Formen anordnen und um Säulen herum bauen. Lediglich bei der Temperatur gibt es technikbedingte Einschränkungen: Kälter als +2°C oder wärmer als +40°C sollte es nicht sein. AutoStore lässt sich daher nicht im Tiefkühlbereich nutzen. Für den Brand- und Explosionsschutz wählte man bei Competec die Inertisierung. Dabei wird der Luftsauerstoff in der komplett eingehausten AutoStore-Anlage durch Zugabe von Stickstoff reduziert, um eine explosionsfähige Atmosphäre zu vermeiden.

Das neuartige System arbeitet mit sogenannten Robotern mit Transport- und Hebefunktionalität. Ein Kontroll- und Standort-Managementsystem steuert den Vorgang. Das Raster ist eine in Rechtecken angeordnete Aluminiumkonstruktion ohne Regalgang. Die maximale Systemhöhe beträgt 5,4 Meter. Auf der Oberseite des Rasters sind die Fahrschienen für die elektrisch angetriebenen Roboter angebracht. Jede Zelle bietet Platz für mehrere Behälter. Diese werden direkt aufeinander gestapelt. Die speziellen Behälter sind in verschiedenen Größen erhältlich und können je nach Anforderungen einer Branche in verschiedenen Materialien gefertigt werden. So ist es beispielsweise möglich, die Elektroindustrie mit antistatischen Behältern zu beliefern. Die Standardinnenmaße betragen 601 x 401 x 310 Millimeter. Das System erlaubt je Rastersäule das Übereinanderstapeln von bis zu 24 Normbehältern für Kleinteile. Pro Behälter ist eine Maximallast von 30 Kilogramm zulässig.

Perfektes Procedere

Bei Competec sind es 70 Roboterfahrzeuge, die auf diesem Raster mit einer Geschwindigkeit von 3,1 m/s fahren. Ihr Beschleunigungswert liegt bei 0,8 m/s2. Die Anzahl der Fahrzeuge lässt sich je nach Bedarf nahezu beliebig erhöhen oder reduzieren. Zur Auslagerung steuern die nur knapp 150 kg schweren Fahrzeuge die Behälter an, entnehmen sie mit ihrem integrierten Lift, der Hubgeschwindigkeiten bis 1,6 m/s erreicht, und bringen sie entweder an einen Arbeitsplatz zur Kommissionierung oder an einen anderen Ort innerhalb des Rasters. Dazu verfügen die Roboter über zwei Radsätze. So können sie sich entlang zweier Achsen bewegen. Damit erreicht jeder Roboter jede Position auf dem Raster. Pro Stunde schafft ein Roboter 25 Behälter. Die Geräte kommunizieren drahtlos mit dem Kontrollsystem. Das Aufladen der Fahrzeugbatterien geschieht automatisch – in Willisau vorzugsweise nachts, denn im dortigen Logistikzentrum wird einschichtig gearbeitet.

Hohe Dynamik

Durch das Stapeln der Behälter ist ein direkter Einzelzugriff natürlich nicht möglich. Folglich ist ein Umschichten der Behälter bei AutoStore unumgänglich. Wie man aber seitens Competec und Swisslog betont, ändere dies prinzipiell nichts an der hohen Geschwindigkeit der Lösung. Oben liegende Behälter stünden innerhalb weniger Sekunden zur Kommissionierung zur Verfügung, ganz unten liegende innerhalb weniger Minuten. Verbunden mit der Steuerung der Lagerung von absatzstarken Produkten in den obersten AutoStore-Etagen und von absatzschwachen Produkten in den unteren Ebenen sei das Leichtgutsystem nicht selten effektiver als andere Intralogistik-Systeme.

Die Kommissionier-Arbeitsplätze lassen sich an allen Seiten des Rasters anordnen. Liegt das Raster höher, ist auch eine Anbringung an der Unterseite möglich. Bringt ein Roboter einen Behälter zum Arbeitsplatz, wird dieser automatisch mit dem vorher bearbeiteten ausgetauscht. Der fertige Behälter wird vom Roboter zurück an den Lagerort transportiert. Durch diese Art der Versorgung wird ein schneller Prozessablauf erreicht. Wichtig auch: Im Vergleich zu einem Regalbediengerät, das im Schnitt 25 bis 30 kWh benötigt, braucht ein AutoStore-Roboter gerade mal 100 Wh.

www.swisslog.com


Daten & Fakten

Swisslog ist ein globaler Anbieter von Logistiklösungen mit einem umfassenden Angebot.
Das Spektrum des Unternehmens reicht von der Erstellung komplexer Lagerhäuser und Distributionszentren bis hin zu innerbetrieblichen Logistiklösungen für Hospitäler. Swisslog hat Kunden in über 50 Ländern.

Ausgabe:
lj 06/2012
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