18. JUNI 2018

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Schlagkräftiges Doppel


Technik

Jubiläum - Schon 90 Jahre ist es her, dass auf der Schwäbischen Alb der Flurförderzeug-Hersteller Genkinger-Hubtex gegründet wurde. Zum Jubiläum gibts nur Gutes zu berichten. von Wolfgang Degenhard

Im Jahr 1922 gründete Hermann Genkinger in Münsingen eine mechanische Werkstatt für Reparaturen und stellte Pumpen und Wagenheber her. Ab 1946 baute der Sohn Lothar Genkinger das durch den Zweiten Weltkrieg zum Erliegen gekommene Geschäft wieder auf. Der Schwenk hin zur Lager- und Hebetechnik im Textilbereich erfolgte 1955, indem Lothar Genkinger den ersten Kettbaum-Hubwagen entwickelte. Ein Kettbaum ist eine Walze im Webstuhl. Ein Jahr später begann die Fertigung von Palettenhubgeräten für Industrien über die Textilbranche hinaus. Dieser Produktionszweig entwickelte sich zu einem weiteren wichtigen Standbein des Unternehmens. Schließlich erweiterte man das Programm durch die Fertigung von Anbaugeräten und die Produktion von Fahrzeugen für Hersteller von Fahrerlosen Transportsystemen (FTS). Vor acht Jahren stieg das Fuldaer Unternehmen Hubtex bei Genkinger ein.

»Aktuell hat sich die Genkinger-Hubtex GmbH hier in Münsingen auf der Schwäbischen Alb auf dem Weltmarkt als erfolgreiches mittelständisches Unternehmen etabliert«, so Geschäftsführer Ralf Jestädt, der in Personalunion Geschäftsführer von Hubtex und Genkinger-Hubtex ist, im Rahmen einer Pressekonferenz. »Im Jubiläumsjahr 2012 erwarten wir einen der höchsten Umsätze der gesamten Unternehmensgeschichte und auch gute Ergebnisse. Auch der Auftragsbestand ist so hoch wie nie.« Jede Woche kämen neue Kunden hinzu. Gerade im Bereich der Großgeräte profitiere Genkinger-Hubtex am Weltmarkt von seinem einmaligen Angebot. 2011 erzielten die Schwaben mit 105 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 11 Millionen Euro. Wesentliche Erfolgsfaktoren seien die jahrzehntelange Erfahrung, das Qualitätsdenken, die Fähigkeit, sich auf Kundenanforderungen immer wieder einzustellen sowie der Mut zu Innovationen, hebt der Manager hervor und fügt stolz hinzu: »Wir sind schuldenfrei.«

Am Beispiel Genkinger zeigt sich ein Teil der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Irmgard Genkinger-Bütterlin, Enkelin des Firmengründers und Tochter Lothar Genkingers, erklärte auf die Frage, was das Wirtschaftswunder ihr gebracht habe, lakonisch: »Noch mehr Arbeit.« Sie war bis vor zwei Jahren im Unternehmen tätig. Dass die Gründerfamilie Genkinger heute nicht mehr für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich ist, bedauert sie natürlich. Gleichzeitig ist sie jedoch stolz und froh, dass mit Hubtex seit 2004 eine Muttergesellschaft die Mehrheitsanteile innehat, deren Handeln selbst familiär und mittelständisch geprägt ist.

Palette aus drei Segmenten

Die Produktpalette der Schwaben gliedert sich in drei Segmente: Da sind zum einen die Flurförderzeuge für den innerbetrieblichen Transport bei Industrie und Handel. Die Fahrzeugvielfalt reicht vom einfachen manuellen Gabel-Hochhubwagen über Kommissionierstapler bis hin zum Schwerlasttransporter. Da sind zum zweiten die speziell angepassten Hub- und Transportgeräte für die Textilindustrie. In diesem Bereich sieht sich Genkinger-Hubtex als weltweiter Marktführer. Da sind zum dritten die Sonderlösungen sowie Hubmaste und Komponenten für Fahrerlose Transportsysteme.

Als ehemaliger Wettbewerber hat Hubtex eine ähnliche Entwicklung genommen wie Genkinger: Zunächst vor allem im Textilbereich vertreten, wurde die Produktpalette sukzessive erweitert, nachdem die Textilindustrie ins Ausland abwanderte und das schwäbische Unternehmen in finanzielles Trudeln geriet. Der Mittelständler aus Fulda hat klugerweise den Genkinger-Kern beibehalten, aber um weitere Optionen ergänzt, sodass das Unternehmen heute stärker dasteht als zuvor. Die vielfältigen Synergieeffekte zwischen Genkinger und Hubtex brachten Vorteile für beide Unternehmen.

Seit 2004 hat Hubtex erheblich in Genkinger investiert, beispielsweise in neue Produktionsanlagen, Umbauten des Gebäudes, eine aufwendige Lackieranlage und die Produkt-Neuentwicklung eines modularen Systems, das die Produktion effektiver machte. »Es hatte sich ein Investitionsstau von mindestens zehn Jahren gebildet«, betonte Ralf Jestädt. »Hubtex und Genkinger waren früher vehemente, aber immer von gegenseitigem Respekt geprägte Wettbewerber. Heute sind wir ein starkes Duo.«

Innovative Sonderlösungen

Gerade auch die Sonderlösungen sind es, die die Leistungsfähigkeit des schwäbischen Unternehmens besonders anschaulich zeigen. Beispiel: Der Werkzeugmaschinenhersteller Deckel Maho Pfronten GmbH im Allgäu wollte den Materialfluss von bis zu zwölf Tonnen schweren, vormontierten Bearbeitungsmaschinen verbessern und suchte dazu einen passenden Niederhubwagen.

Der daraufhin von Genkinger-Hubtex entwickelte Sonder-Niederhubwagen erfüllt diese Aufgabe zur Zufriedenheit von Deckel Maho. Das Flurförderzeug wurde so variabel gebaut, dass verschiedene Maschinengrößen transportiert werden können. Zudem ist das Gerät speziell auf den verfügbaren Freiraum der Maschinen und deren Lastschwerpunkt ausgelegt. Seitlich und frontseitig ist die Hub-einheit mit Schutzbelägen ausgestattet, sodass keine Kratzer an den Bearbeitungsmaschinen entstehen können. Das Anheben und Absetzen der wertvollen Maschinen geschieht mit einer Proportionalhydraulik besonders feinfühlig und schonend.

Spezielles Hochhubfahrzeug

Bei einem weiteren Anwendungsbeispiel geht es um einen Kettbaum-Einlegewagen für die Webmaschine mit der größten Webbreite der Welt. Es handelt sich um ein spezielles Hochhubfahrzeug mit Doppelmulde für die Firma Voith in Düren, dass Genkinger-Hubtex entwickelte und lieferte. So genannte Kanister mit 5.000 kg Gewicht werden in die Lagerungen der Webmaschinen mit 35,5 Meter Webbreite präzise eingelegt. Dazu sind feinfühlige Vertikal-, Schwenk- und Seitenbewegungen notwendig.

Die bereits angesprochenen Synergieeffekte, die die beiden Unternehmen Hubtex und Genkinger-Hubtex nutzen, veranschaulicht dieses Beispiel: Mit dem Standstapler, Typ EFV, werden bei einem großen Maschinenhersteller Einzelteile und Palettenware für den Flugzeugbau mit Gewichten bis 750 kg und mit Höhen bis 5,50 Meter transportiert. Gegenüber den Geräten der ersten und zweiten Generation, die schon seit Jahrzehnten dort im Einsatz sind, bietet der neue EFV einen entscheidenden Vorteil: Der Fahrer hat sowohl beim Fahren als auch beim Einlagern bestmögliche Sicht.

Das gemeinschaftliche Auftreten von Hubtex und Genkinger-Hubtex mit breitangelegten Lösungskonzepten hat für die Kunden klare Vorteile. Zusammen können die Unternehmen mehr Möglichkeiten anbieten als jedes Haus für sich allein. Im Bedarfsfall betrachten die Unternehmen eine Fülle von Optionen, um dem Kunden die bestmögliche Lösung anbieten zu können. Gelegentlich kommt es vor, dass einem Kunden aus beiden Häusern mehrere Lösungen alternativ angeboten werden

www.genkinger-hubtex.com


Daten & Fakten

Hermann Genkinger gründete 1922 in Münsingen eine mechanische Werkstatt für Reparaturen und stellte Pumpen und Wagenheber her.
Der Schwenk hin zur Lager- und Hebetechnik im Textilbereich erfolgte 1955, als Lothar Genkinger den ersten Kettbaum-Hubwagen entwickelte.
Vor acht Jahren stieg das Fuldaer Unternehmen Hubtex bei Genkinger ein. Geschäftsführer Ralf Jestädt leitet beide Firmen, Hubtex und Genkinger-Hubtex, in Personalunion.

Ausgabe:
lj 06/2012
Unternehmen:
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