21. JUNI 2018

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Großprojekt im Himalaja


Special

Hebetechnik Indien investiert immer weiter. Eines der entstehenden Projekte ist das Wasserkraftwerk von Kishanganga. Stahl Crane Systems unterstützt tatkräftig das Großprojekt im Himalaja.

Bereits vor vier Jahrhunderten hat der Mogulherrscher Jahangir die Landschaft des nordindischen Bundesstaats Jammu und Kaschmir so beschrieben: »Wenn es ein Paradies auf Erden gibt, ist es hier.« Am Fuße des Gebirgsmassivs des Himalaja gelegen, findet sich in der Region auf geringem Raum eine große Vielzahl an unterschiedlichen Klimazonen.

Die Diversität des Klimas und der Bodenbeschaffenheit bildet die Lebensgrundlage für verschiedenste Pflanzen- und Tierarten. Die idyllische Natur lockt jährlich viele Wanderer an und selbst Filmemacher aus Bollywood suchen die schöne Kulisse auf. Um den Ansprüchen der Gäste zu genügen, wird in Indien investiert. Eines der entstehenden Projekte ist das Wasserkraftwerk von Kishanganga, das nahe der pakistanisch-indischen Grenzen in der Nähe des Ortes Bandipora errichtet wurde.

Es ist Teil eines großen Wasserkraftwerk-Programms, das der staatlich indische Energieversorger NHPC Ltd. (vormals National Hydroelectric Power Corporation) durchführt. Unterstützt wird NHPC Ltd. von den deutschen Ingenieursfirmen DSD Noell GmbH und Stahl Crane Systems sowie dem indischen Tiefbauunternehmen Hindustan Construction Company.

Hohe Anforderungen

Das Wasserkraftwerk von Kishanganga ist auf über 2.400 Metern über dem Meeresspiegel errichtet. In diesen Höhen herrschen von November bis Mai eisige Temperaturen. In den Sommermonaten machen Erdrutsche die Region schwer zugänglich. Nicht zuletzt deshalb suchte sich der Auftraggeber NHPC Ltd. starke Partner. DSD Noell GmbH aus Würzburg und Stahl Crane Systems aus Künzelsau waren den hohen Anforderungen gewachsen. Um den dauerhaften Antrieb der Turbinengeneratoren des Wasserkraftwerks Kishanganga zu ermöglichen, die insgesamt 330 Megawatt Strom erzeugen sollen, muss der kontinuierliche Wasserdurchfluss gewährleistet sein. Dieser sollte durch eine Anstauung des Kishanganga Flusses sichergestellt werden. Als Spezialist im Bereich Stahlwasserbauausrüstungen in Wasserstraßen, Wehranlagen und Wasserkraftanlagen plante und errichtete DSD Noell GmbH das 37 Meter hohe Stauwehr. Krantechnik-Spezialist Stahl Crane Systems entwickelte und lieferte das Windwerk, das die Wasserschleuse mit einem Gesamtgewicht von 100 Tonnen ablassen konnte. Die Anforderungen an das Hebezeug waren hoch, da es zuverlässig bei den widrigen Umweltbedingungen in der Bergregion funktionieren musste. Am Stammsitz von Stahl Crane Systems begann man bereits 2009 mit der ersten planerischen Konzeption der Sonderlösung: einer stationären Winde SHW 8 mit 2 x 60.000 Kilo Traglast, bestehend aus zwei Seiltrommeln und einem Getriebe. Zur gleichmäßigen Verteilung des Gewichts wurde das Hebezeug mit einer Einscherung von 2 x 12/2-1 versehen und die Trommel in der Länge L4 gefertigt. Die erreichte Hubhöhe betrug nach Fertigstellung 21,5 Meter bei 2 x 150 Metern Seillänge. Durch die zweifache symmetrische Anordnung der Einscherungen konnte ein absoluter Synchronlauf der beiden Lasthaken realisiert werden. Die Gesamtlänge des Windwerks beläuft sich auf fast neun Meter. Die Seiltrommeln sind mit speziellen Kupplungen an das Getriebe angeflanscht, wodurch alle Toleranzen beispielsweise zwischen Maschine und Stahlbau kompensiert werden. Der Getriebemotor ist aufgrund der bauseitigen Gegebenheiten senkrecht angeordnet. Durch diesen unüblichen Aufbau ist der Hubmotor über einer der beiden Seiltrommeln montiert.
Sicherheit an erster Stelle
Damit das Absenken der Schleuse sicher abläuft, führten die Ingenieure von Stahl Crane Systems die Seile mit 7-facher Sicherheit aus. Zudem planten sie im Windwerk eine zweite Bremse als Sicherheitsbremse ein, die direkt an das Getriebe angeflanscht wurde. Das Hubwerk wurde mit einer Überlastabschaltung für jeden der beiden Lasthaken ausgestattet und das Aufsetzen der Last durch eine Schlaffseilabschaltung für jeden Haken separat realisiert. Beide aktuellen Hakenpositionen sind als Option auf einer Anzeige an der Schaltschranktüre ablesbar. Zusätzlich werden die Motorströme des Hubmotors auf Amperemetern angezeigt. Durch Motorschutzschalter ist dieser Hubmotor zusätzlich abgesichert. Ausgelegt ist das Hebezeug entsprechend seines Einsatzortes für eine Umgebungstemperatur zwischen -25° und +40°C. Robuste polumschaltbare Technik mit weiten Toleranzfeldern ermöglicht den Betrieb auch bei instabiler Netzspannungsversorgung. In den Hubmotor wurde eine Fremdbelüftung mit einer Nachlaufsteuerung eingebaut, die einen 15-minütigen Dauereinsatz der Hebetechnik mit einer anschließenden Abkühlpause gewährleistet. Die Sonderlackierung des Windwerks mit einem 270 µm dicken Deckanstrich aus Polyurethan macht es witterungsfest. Aufgrund der Luftfeuchtigkeit stattete Stahl Crane Systems den Gerätekasten und den Hubmotor des Hebezeugs mit einer Heizung aus. Eine Hubwerksbremse mit eingebauter Bremsbelüftung senkt im Falle eines Stromausfalls die Last mit Pausen. Das Lastgewicht wird kontinuierlich mit dem Multi-Controller SMC über analoge Messsensoren ermittelt. Bei Überlast wird die Hubbewegung sofort abgeschaltet. Außerdem können mit dem Multi-Controller weitere Daten wie beispielsweise das Lastkollektiv, die Betriebsstunden, die Volllastbetriebsstunden sowie die Motorschaltungen erfasst werden und mithilfe eines PCs ausgelesen werden.
Partner mit von der Partie
Ende September 2011 wurde bei einem Testaufbau beim zertifizierten Stahl-Crane-Systems-Partner Haslinger GmbH Metallbau + Krantechnik die Funktionstüchtigkeit des Windwerks unter Beweis gestellt. Mit dem »Partner-of«-Konzept verfolgt Stahl Crane Systems seit 2009 erfolgreich die Strategie, Kranbau und Krantechnik voneinander zu trennen. Haslinger hatte für den Auftrag im Himalaja das Stahlportal inklusive der Steigleitern, der Begehung, der Rahmenkonstruktion für das Windwerk sowie die Umhausung der Hebetechnik gefertigt. Nach erfolgreichem Durchlauf aller Tests wurde die Hebetechnik mitsamt der Krananlage in den über fünfeinhalb Tausend Kilometer entfernten Einsatzort geliefert. Am Kischanganga Fluss waren die Bauarbeiten in dieser Zeit fast fertiggestellt worden: Im Herbst 2016 wurde das Stauwehr errichtet, das einen Teil des Flusses in ein neu gefertigtes Flussbett leitet. Das verbleibende Wasser dient der Versorgung des Wasserkraftwerks. Durch einen 24 Kilometer langen Tunnel wird es aus dem Reservoir zunächst in einem Ausgleichsbecken gesammelt, bevor es in das unterirdische Kraftwerk mit drei Pelton-Turbinen geleitet wird. Jede der Turbinen erzeugt eine Leistung von 110 Megawatt. Die Inbetriebnahme der Krananlage wurde durch den Stah-Crane-Systems-Werkskundendienst vor Ort vorgenommen. Mitte Juli 2017 wurde die Wasserschleuse mithilfe der Spezialwinde abgesenkt. Seither füllt sich das Reservoir stetig. Bereits Mitte August war das Mindestwasserlevel des Stausees erreicht. Dieses Jahr kann das Wasserkraftwerk von Kishanganga voraussichtlich in Betrieb genommen werden.
Stahl Crane Systems ist auf der Messe Logimat in Halle 7 am Stand D51 vertreten.

www.stahlcranes.com

Ausgabe:
lj 01/2018
Unternehmen:
Bilder:
© Stahl Crane Systems
© Stahl Crane Systems
© Stahl Crane Systems

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