17. JANUAR 2019

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Die erschöpfte Globalisierung


Markt

Konjunktur - Wie entwickelt sich die Konjunktur in Deutschland? Bringt der Protektionismus ein Ende der Globalisierung? Michael Hüther, Ökonom und Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln, sagt im »logistik journal«-Interview, warum er eine Erschöpfung derGlobalisierung konstatiert und was er von der deutschen Politik erwartet.Interview: Tobias Rauser
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Herr Hüther, wie entwickelt sich die Konjunktur in Deutschland 2019?

Um diese Frage zu beantworten, sollte man zuerst den Blick zurück richten. Wir schauen auf eine Phase von sieben Jahren, in denen sich Deutschland in der Produktion und bei der Beschäftigung wie am Lineal entwickelt hat. Das ist außerordentlich ungewöhnlich. Diese Entwicklung ist vor allen Dingen angebotsseitig, also durch die Produktionsstruktur und ihre Wettbewerbsfähigkeit getragen. Die schwankende Weltnachfrage hatte da bisher gar nicht so viel Einfluss. Der Blick nach vorne ist jetzt von der Frage bestimmt, ob diese Entwicklung weitergeht.

Irgendwann ist jeder Aufschwung zu Ende.

Es sieht zurzeit so aus, dass dem ganzen Prozess erkennbar die Luft ausgeht. Wir sehen das in den Produktionszahlen, den Auftragseingangszahlen und insgesamt auch in den Handelszahlen. Der Anti-Freihandel, der Protektionismus und die Handelskonflikte führen in der deutschen Wirtschaft, die in einem hohen Maße auf den Weltmärkten unterwegs ist, zu Schleifspuren. Das geht nicht an uns vorbei. Deswegen verlieren wir an Dynamik. Wichtig ist: Es geht nicht um eine Rezession, aber die Luft ist raus. Statt gut zwei Prozent Wachstum in den vergangenen Jahren und 1,8 in 2018, erwarten wir für das nächste Jahr nur 1,4 Prozent. 

Kann man schon auf 2020 blicken?

Ein Prozess wie in Deutschland in den vergangenen Jahren generiert natürlich eine eigene Stabilität. Wenn man über die Angebotsseite Besonderheiten herausbildet, die Erfolge begründen, dann ist das nicht von heute auf morgen verschwunden. Dennoch ist so eine Verlangsamung nicht nur vorübergehend, denn wir sehen ja auch, dass binnenwirtschaftlich der Impuls und die Orientierung fehlen. Die Wirtschaftspolitik glaubt, dass sie allein von den Erträgen der wirtschaftlichen Tätigkeit leben kann, ohne selbst Vorsorge treiben zu müssen. Das erscheint mir leichtsinnig und der hauptsächliche binnenwirtschaftliche Risikofaktor zu sein.

Ist in Ihre Prognose die Angst vor Handelskriegen schon eingepreist?

Es ist nicht nur Angst. Wenn Sie sich die Exportzahlen anschauen, auch in den USA, sehen wir deutliche Einflüsse der Trumpschen Zollpolitik. Zudem bleibt Deutschland nicht außen vor bei den Konflikten zwischen USA und China. Die Unternehmen sind weltwirtschaftlich über Produktionsketten vernetzt, die Zulieferbeziehungen machen diese Netze aus. Wir sind nicht automatisch der lachende Dritte, wenn sich USA und China prügeln. 

Endet mit zunehmendem Protektionismus und Nationalismus die Globalisierung?

Das ist sehr krass formuliert. Ich würde es so sagen: Es ist nicht das Ende, aber es ist doch eine deutliche Erschöpfung der Globalisierung. Das sehen wir ganz konkret an realwirtschaftlichen Indikatoren – wie beispielsweise an der sich nicht mehr vertiefenden Arbeitsteilung. Die Globalisierung dümpelt auf hohem Niveau dahin. Wir stellen auch fest, dass wir eine Kapitalallokation in der nördlichen Hemisphäre haben. Das heißt, es gibt Regionen, die gar nicht beteiligt sind: Afrika, hier vor allem die Subsahara.


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Ausgabe:
lj 06/2018
Unternehmen:
Bilder:
© IW Köln
© BVL/Kai Bublitz

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