Exklusiv-Interview: Brennstoffzelle in Flurförderzeugen

Hat die Brennstoffzelle eine Zukunft in der Intralogistik? Wolfgang Axthammer im Interview mit „logistik journal“ zu Chancen, Marktpotenzial und staatlicher Förderung.

21. November 2018
Wolfgang Axthammer, Geschäftsführer der Now GmbH erzählt spricht mit uns über die Brennstoffzelle in Flurförderzeugen. © Now GmbH
Bild 1: Exklusiv-Interview: Brennstoffzelle in Flurförderzeugen (Wolfgang Axthammer, Geschäftsführer der Now GmbH erzählt spricht mit uns über die Brennstoffzelle in Flurförderzeugen. © Now GmbH)

Wenige Themen werden in der Branche zurzeit so heftig diskutiert wie die Brennstoffzelle. Welcher Antrieb wird sich für Flurförderzeuge durchsetzen? Wolfgang Axthammer ist Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (Now GmbH) und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Technologie. Im Interview mit „logistik journal“-Chefredakteur Tobias Rauser berichtet der Diplom- und Umweltingenieur über erste Erfahrungen in der Praxis.

Herr Axthammer, welche Rolle spielt die Brennstoffzelle heute in der Intralogistik?

Dies muss ich nach Märkten differenziert beantworten. Die Anzahl verkaufter Flurförderzeuge in Amerika belief sich in 2016 auf 170.829. Davon wurden 3.988 Flurförderzeuge mit Brennstoffzellensystemen verkauft, das ist ein Absatzanteil von 2,3 Prozent. In Europa wurden 345.910 Flurförderzeuge in 2016 verkauft; davon circa 300 Flurförderzeuge mit Brennstoffzellensystemen. Das ist ein Absatzanteil von geringen 0,086 Prozent.

Da wäre in Europa noch viel Luft nach oben. Wie ist Ihre Prognose für die Zukunft?

Für das Jahr 2023 prognostiziere ich im Best-Case für Europa ein Absatzvolumen von 8.000 Flurförderzeugen mit Brennstoffzellensystemen. Ein durchschnittliches Absatzwachstum in Höhe von 9 Prozent pro Jahr führt für 2023 zu einer Absatzprognose von 597.703 Flurförderzeugen in Europa. Davon ein mittlerer Absatzanteil von 1,1 Prozent ergibt für das Jahr 2023 in einem Second-Best-Case ein prognostiziertes Absatzvolumen von circa 6.500 Flurförderzeugen mit Brennstoffzellensystemen. Bei einem konservativen Wachstum von 2 Prozent pro Jahr ist für 2023 mit einem Absatz von 438.628 Flurförderzeugen in Europa zu rechnen. Hiervon könnte, bei einem Anteil von 1,1 Prozent, in einem Third-Best-Case ein Absatzvolumen von circa 4.800 Flurförderzeugen mit Brennstoffzellensystemen erreicht werden.

Für welche Einsätze in der Intralogistik sehen Sie die Brennstoffzellentechnologie besonders geeignet?

Vor allem für Flotten von Routenzugschleppern und Gabelstaplern in der Größenordnung von mindestens 20 bis 30 Flurförderzeuge je Flotte, die im Mehrschichtbetrieb zum Einsatz kommen.

Brauchen wir eine staatliche Förderung für die Technologie? In den USA geht es bisher ja nur mit Geld vom Staat.

Ja, auch in Europa und Deutschland brauchen wir vor allem für die Marktaktivierung eine staatliche Förderung für die kommenden 5 bis 8 Jahre. Auch für Forschung und Entwicklung in diesem Marktsegment braucht es vor allem mit Blick auf eine europäische Second-Source, also einen Alternativ-Anbieter zu dem amerikanischen Brennstoffzellensystem-Anbieter PlugPower, entsprechende Unterstützung der Systemanbieter durch Fördermittel.

Welche Branchen sind Treiber für die Brennstoffzelle?

In Deutschland gibt es vor allem durch die Automobilindustrie, die ihre Fertigungsprozesse CO2-frei gestalten will, einen sogenannten Market-Pull für Flurförderzeuge mit Brennstoffzellensystemen. Außerhalb Deutschlands, in Europa, sind die treibenden Anwender der Lebensmittel-Handel und Logistik-Unternehmen.

Sie haben vor wenigen Wochen ein Symposium zum Thema veranstaltet: Was war das wichtigste Ergebnis?

Mit dem Symposium ist es uns gelungen, potentielle Anwender für Flurförderzeuge mit Brennstoffzellensystemen zu interessieren. Es gibt bei Prelocentre in Frankreich einen ersten europäischen Logistikstandort mit 100 Prozent wasserstoffbetriebener Flurförderzeug-Flotte, die zusammen mit dem Standort kontinuierlich weiter wächst. Auch hat sich gezeigt, dass die in der Planung getroffenen Annahmen in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit von Brennstoffzellen-Flotten in der Intralogistik sich in der Praxis bestätigt haben. Und nicht zuletzt sind die Nutzer-Erfahrungen durchweg positiv, da die Brennstoffzellen-Fahrzeuge mit Verfügbarkeit und Performance überzeugen. Auch der Einsatz in Tiefkühllägern funktioniert problemlos.

Vielen Dank für das Gespräch!

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