Interview: „Internet der Dinge 2019“

Der Augsburger IoT-Dienstleister tresmo hat die aktuelle Studie „Internet der Dinge 2019“ veröffentlicht. Wie wichtig ist das Thema und wie erfolgreich sind IoT-Projekte tatsächlich? logistik journal-Redakteurin Nadine Seifert hat darüber mit Jan Rodig, CEO von tresmo, gesprochen.

13. Dezember 2018
Jan Rodig, CEO von tresmo. © tresmo GmbH
Bild 1: Interview: „Internet der Dinge 2019“ (Jan Rodig, CEO von tresmo. © tresmo GmbH)

Zusammen mit dem Umfrageinstitut IDG Research Services aus München sowie weiteren Kooperationspartnern hat der Augsburger IoT-Dienstleister tresmo die aktuelle Studie „Internet der Dinge 2019“ herausgegeben. Für die Studie befragte IDG mehr als 500 Unternehmen aller Größen und Branchen in Deutschland. Sie sollten Auskunft geben über die Relevanz des Internets der Dinge jetzt und in Zukunft, ihre umgesetzten und geplanten IoT-Projekte sowie über ihre Erkenntnisse und Erfahrungen. logistik journal-Redakteurin Nadine Seifert sprach mit Jan Rodig, dem CEO von tresmo.

Herr Rodig, wie wichtig sind IoT-Projekte für Unternehmen?

Ich bin überzeugt davon, dass die mittelgroßen und großen Unternehmen aus den meisten Industriebranchen mittelfristig ohne digitale Services und Geschäftsmodelle rund um smarte Produkte keine Zukunft haben werden. Kunden erwarten die Vernetzung, die sie aus der privaten Welt kennen zunehmend auch im professionellen Umfeld. Und sobald einige Vorreiter einer Branche überzeugende Pay-per-Use-Lösungen oder Predictive Maintenance mit einem hohen Mehrwert anbieten und sich damit Wettbewerbsvorteile aufbauen, wächst der Druck auf alle anderen Anbieter enorm. Die Studienergebnisse belegen das deutlich: 51 Prozent der Unternehmen bewerten die Relevanz des IoT für sich als hoch oder sehr hoch –  das sind noch einmal 4 Prozent mehr 2017. Besonders hoch sind die Relevanzwerte bei Großunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern (56 Prozent) und Unternehmen mit einem IT-Etat ab 10 Millionen Euro aufwärts, dort sind es 61 Prozent. Jetzt geht es darum, dass die Unternehmen das Internet der Dinge wirklich tief in den Unternehmen verankern. Das IoT wird in den nächsten Jahren fester Bestandteil vieler Geschäftsmodelle und den Unternehmen durch datenbasierte Services neue Erlösquellen erschließen. Aber das ist organisatorisch eine enorme Herausforderung, das wissen wir von unseren vielen Kunden sehr genau.

Wie erfolgreich sind IoT-Projekte tatsächlich?

Das IoT hat offensichtlich seinen Durchbruch erlebt, denn die Anzahl der umgesetzten Projekte ist deutlich gestiegen. Die Zahl der Firmen mit IoT-Projekten hat sich seit dem letzten Jahr mehr als verdoppelt – von 21 auf 44 Prozent. Allerdings gibt es in den Projekten keine “Killeranwendung”, die Einsatzgebiete sind sehr breit gestreut. Vernetzte Produktion, Logistik, Qualitätskontrolle und die Einführung smarter, vernetzter Produkte liegen mit nur geringem Abstand vorne.

Wie sieht es mit der Zufriedenheit und der Erfolgsquote aus?

Interessant ist die große Zufriedenheit der Unternehmen mit den aktuellen Projekten: 69 Prozent sind sehr zufrieden oder zufrieden. Im Jahr 2017 waren es 62 Prozent. Allerdings ist die Erfolgsquote gesunken. In der letzten Studie konnten lediglich 5 Prozent der befragten Unternehmen keinen Mehrwert für höhere Produktivität oder niedrigere Kosten feststellen. Dieses Jahr sind es 15 Prozent. Zudem stellt sich der Mehrwert im Vergleich zum Vorjahr etwas später ein. Die IoT-Initiativen werden komplexer und viele Unternehmen gehen vom Proof-of-Concept zum Roll-out über.

Was steht den IoT-Projekten im Weg?

Die größte Barriere sind Mindset und Kultur: Erfolgreiche IoT-Projekte werden kundenzentriert und agil mit Methoden wie Design Thinking und Rapid Prototyping entwickelt, das stellt klassische Denkmodelle und Arbeitsweisen in der Industrie häufig komplett auf den Kopf. Darüber hinaus hat gut jedes dritte Unternehmen Probleme, für seine IoT-Initiativen entsprechend qualifizierte IT-Fachkräfte zu gewinnen – hier kommen wir als spezialisierter Dienstleister ins Spiel und können von der Ideation und Geschäftmodellentwicklung über die IoT-Plattformauswahl und Softwareentwicklung bis hin zum Betrieb kompetent unterstützen. Technologische Herausforderungen wie Datensicherheit und Desaster Recovery oder Datenintegrität werden weniger hoch bewertet. Auch die Komplexität des Themas wird laut unserer Studie nur von 24 Prozent als Problem gesehen.

Wer trägt die Verantwortung für die IoT- Projekte?

Das Zepter bei IoT-Projekten trägt in den Unternehmen immer häufiger der CIO oder der IT-Leiter. 2017 lag die Verantwortung noch in 40 Prozent der befragten Unternehmen bei der IT-Abteilung, in der aktuellen Studie sind es bereits 69 Prozent. Der Geschäftsführer ist fast nur noch bei kleinen und mittleren Unternehmen der IoT-Chef. In Großunternehmen ist es nach dem CIO oft der Technikvorstand bei 13 Prozent oder der Leiter der Forschung und Entwicklung, ebenfalls bei 13 Prozent.

Wie ist in Deutschland die Prognose?

59 Prozent der Unternehmen wollen in den nächsten Jahren verstärkt in IoT-Initiativen investieren. Für 39 Prozent steht die Investition in Cloud Services im Vordergrund, für 30 Prozent die in KI-Technologien. Doch auch Security mit 36 Prozent und Connectivity mit 30 Prozent sind nach wie vor wichtige Felder für Investitionen. Das Internet der Dinge ist in der deutschen Wirtschaft also auf dem Vormarsch. Von Zurückhaltung oder gar Ablehnung kann keine Rede sein. Die übergroße Mehrheit der Unternehmen sieht das IoT als Chance und das ist sehr gut so. Dabei sind sie durchaus langfristig orientiert und planen über Jahre hinweg steigende Investitionen.

Vielen Dank für das Gespräch!