17. JANUAR 2019

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Blockchain-Pilotprojekt
zum Palettentausch beendet


Kampf der Zettelwirtschaft: Das Blockchain-Pilotprojekt zum Palettentauschprozess ist abgeschlossen. Die Teilnehmer vermelden Effizienzgewinne an Laderampen, im Lager und in der Belegabwicklung.

Blockchain bedeutet mehr als nur die Anwendung einer Technologie – Blockchain heißt auch: kultureller Wandel. So lautet ein wesentliches Fazit des bundesweit größten unternehmensübergreifenden Blockchain-Pilotprojekts. Stellvertretend für die insgesamt 36 Projekt-Teilnehmer präsentierten Dr. Oetker, Lekkerland, Nagel-Group, PwC, SAP und GS1 Germany der Öffentlichkeit im Dezember der Öffentlichkeit die wichtigsten Erkenntnisse aus der nun abgeschlossenen Initiative.

Seit März erarbeiteten die Teilnehmer aus Handel, Industrie, Logistik, Wissenschaft, Gründer-Szene und Verbänden unter dem Dach von GS1 Germany eine Blockchain-basierte Lösung für den offenen Palettentauschprozess. Im Oktober führten sie einen Praxistest im realen Tagesgeschäft durch.

Kann die Technologie die Zettelwirtschaft im Palettentausch digitalisieren?
„Die Antwort lautet zunächst einmal ja“, sagt Christian Grotowsky, Managing Director der Lekkerland IT-Tochter Lekkerland information systems. „Der Palettenschein lässt sich mit Blockchain digitalisieren und in einer App abbilden. Der Tauschprozess wird an mehreren Stellen effizienter. Sowohl an den Laderampen als auch in der Belegabwicklung ist der Effekt spürbar geworden.“ Ein weiterer Nachweis für den qualitativen Nutzen der Technologie: Die meisten Mitarbeiter, die den Palettentauschprozess mit Blockchain in ihrem realen Tagesgeschäft getestet hätten, würden die mobile Anwendung gern weiterhin nutzen, statt Palettenscheine händisch auf Papier auszufüllen und abzuheften.

„Uns war es wichtig, den Test so realitätsnah wie möglich umzusetzen, um belastbare Erkenntnisse über Blockchain zu gewinnen“, sagt Simon Papies, Hauptabteilungsleiter Logistik bei Dr. Oetker. 17 Unternehmen haben daher im Oktober nach monatelanger Planung und Vorbereitung an bundesweit 20 Lagerstandorten innerhalb von zwei Wochen rund 600 Palettentauschvorgänge mit Blockchain realisiert. Dafür wurden auch 13 Knoten bei unterschiedlichen Projekt-Teilnehmern installiert. „Wir haben als Logistikunternehmen den Test mit unserem echten Supply-Chain-Partner Dr. Oetker durchgeführt – mit echten Paletten, echten LKW und echten Daten“, erklärt Tobias Siekmann, Head of Corporate Loading Equipment Management bei der Nagel-Group.

Was ist nun der wirkliche Mehrwert von Blockchain?
Denn, so ein weiteres Fazit aus dem Test: Der Palettentausch ließe sich auf technischer Ebene auch ohne Blockchain und stattdessen mit einer anderen Lösung digitalisieren und umsetzen. „Der große Mehrwert von Blockchain lag in unserem Projekt auf politisch-organisatorischer Ebene verborgen“, sagt Eric Stettiner, Director und Experte für Enterprise Architecture bei PwC Deutschland. „Die zugrundeliegende Distributed-Ledger-Technologie besitzt den Vorteil, dass Unternehmen ihre Daten in dezentrale Transaktionsdatenbanken geben und sie nicht einer einzigen zentralen Instanz anvertrauen müssen. Das hilft, Vorbehalte ab- und Vertrauen aufzubauen.“

Der Digitalisierung und dem Blockchain vertrauen
Vertrauen ist laut den Projektteilnehmern also ein wichtiges Stichwort, das im Zusammenhang mit Digitalisierung und Blockchain oftmals noch unterschätzt werde. Regina Haas-Hamannt, Head of Innovation bei GS1 Germany: „Wir haben im Projekt am eigenen Leib erfahren, dass Vertrauen nicht automatisch durch Blockchain entsteht. Im Gegenteil – erst einmal herrscht Misstrauen gegenüber solch einer neuen, digitalen Technologie: Betriebsräte bangen um Arbeitsplätze, Manager um Datenhoheit, Anwender vertrauen Papier mehr als einer digitalen Anwendung. Maßnahmen wie Mitarbeiterschulungen sind daher unabdingbar.“ Und auch der Mut zur Transparenz wachse erst mit dem Vertrauen in die Technologie und in die Netzwerkpartner.

Alles in allem haben die Teilnehmer nach eigenen Angaben auf allen Ebenen dazu gelernt  – über Blockchain, ihre eigenen unternehmensinternen Prozesse, ihre Supply Chain-Partner und neue Formen der Kollaboration. „Im Rahmen des Projekts ist ein echtes Partnernetzwerk entstanden, das sogar Wettbewerber einander nähergebracht hat“, so Haas-Hamannt. Einige Projekt-Teilnehmer werden die Initiative darum im kommenden Jahr zusammen mit GS1 Germany fortführen und weitere Themenfelder rund um Blockchain beleuchten und erproben.

Datum:
02.01.2019
Unternehmen:
Bilder:
© GS1 Germany/Reinhard Rosendahl

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