24. JUNI 2018

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Hohe Dynamik


Projekte Gedore hat in die Reorganisation und Zentralisierung seiner Logistik investiert. In Kooperation mit der BSS-Materialflussgruppe hat der Werkzeughersteller eine hochmoderne Anlage für die Lagerung und Distribution eines 12.000 Artikel starken Sortiments installiert.

Der gute Ruf der Gedore-Gruppe kommt nicht von ungefähr: Seit seiner Gründung im Jahr 1919 setzt das Traditionsunternehmen aus Remscheid auf eine gelungene Verbindung von handwerklicher Tradition und innovativer Technik. Das Resultat sind Premiumprodukte, die in Industrie und Handwerk auf größte Wertschätzung stoßen.
Alles aus einer Hand – dieses Ziel hatten sich die Werkzeugspezialisten für 2007 vorgenommen. Unter dem Dach der Gedore Tool Center KG sollte das umfangreiche, über 12.000 Artikel umfassende Produktsortiment der Gedore-Gruppe zentralgesteuert an die Kunden versandt werden. Ziel war auch, die Bestellprozesse und den administrativen Aufwand zu minimieren. Dafür allerdings waren grundlegende Umstrukturierungen der Logistik und Investitionen in die Prozessautomatisierung erforderlich. Über einen langen Zeitraum hinweg hatten die Werkzeughersteller auf manuelle Abläufe mit Stapler-Unterstützung gesetzt.
Das neue Logistikkonzept wurde im laufenden Betrieb realisiert. Dabei konnten weder Kapazitäten ausgelagert werden, noch durfte die Lieferfähigkeit Schaden nehmen. Keine leichte Aufgabe, aber die BSS-Materialflussgruppe nahm die Herausforderung an. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten und der Integration der neuen Förder- und Lagertechnik in das vorhandene Flächenraster konnte im Oktober 2006 mit der Belieferung des Tool Centers begonnen werden. Parallel dazu wurden erste Testläufe absolviert. Seit 2007 ist das runderneuerte, 10.000 qm umfassende Zentrallager im Vollbetrieb. Integriert in das Lager- und Distributionszentrum sind die Funktionsbereiche »Automatisches Kleinteilelager« (AKL), »Palettenregallager« (PRL) sowie »Sonder- und Versandlager«.
Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Integration der Markenwelt von Gedore in die IT-Landschaft war ein umfangreiches Pflichtenheft, in dem die erforderlichen Funktionalitäten und Prozesse durch BSS detailliert beschrieben und als Prämissen für die Realisierung festgelegt wurden. Gedore nutzt seit mehreren Jahren die ERP-Software Infor-AS auf Basis einer IBM AS-400. Hier wurde ein Lagerverwaltungssystem von BSS hierarchisch unter dem Hostsystem angesiedelt. Das Schnittstellenmanagement wurde via TCP/IP-Protokoll realisiert.
Die gesamte Auftragsabwicklung unter Berücksichtigung von Lieferzeiten, Auftragszusammenführungen und Exportsplitting obliegt dem übergeordneten ERP-System. Aufträge, die an das von BSS implementierte Lagerverwaltungssystem (LVS) gesendet werden, sind entsprechend einer Prioritätenliste auszuführen. Kommissionieraufträge für AKL, Palettenregallager und Sonderlager werden parallel generiert und gestartet.
Eine Besonderheit der Anlage bei Gedore ist die Möglichkeit, unter Berücksichtigung individueller Kundenanforderungen just in time darüber zu entscheiden, ob die Zusammenführung der Liefer¬einheiten zu einem Auftrag automatisch oder manuell unterstützt erfolgen soll. Integrierte Sonderprozesse im LVS sind unter anderem Verdichtungsfunktionen im AKL, die Erstellung von Bestandsabgleichdateien, manuelle Auslagerungen aus dem AKL sowie Umlagerungen.

AKL mit 20.000 Stellplätzen
Leistungsträger und damit Herz der Anlage ist das viergassige AKL mit rund 20.000 Stellplätzen für Behälter verschiedener Abmessungen. Ver- und entsorgt wird das AKL durch vier schienengebundene Regal-bediengeräte. Mit einer Fahrgeschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde bewältigt jedes RBG 140 Ein- und Auslagerbewegungen (Doppelspiele) pro Stunde. Für nicht behälterfähige Artikel sind ein Sonderlager und ein Palettenregallager mit insgesamt 5.280 Stellplätzen eingerichtet worden, die jeweils mit einer Tragkraft von einer Tonne ausgestattet sind. Auf 5.600 qm Fläche wird hier mit Funkterminals wegeoptimiert und beleglos kommissioniert. Das PRL ist als Verschieberegal mit zwölf Fahrwagen ausgelegt und erlaubt die parallele Kommissionierung von bis zu 72 Aufträgen.
Ein Highlight der Anlage ist auch die Hochleistungskommissionierung über fünf Multi-Picking-Arbeitsplätze. Unter Berücksichtigung aller im Umlauf befindlicher Artikel können hier parallel bis zu 20 Aufträge abgearbeitet werden. Die Konsolidierung der kommissionierten Behälter aus den verschiedenen Zonen des Palettenregallagers und der Sonderlager zusammen mit den Artikeln aus dem AKL erfolgt durch das intelligente BSS-Lagerverwaltungssystem.
Sobald an den Pufferplätzen zur Verpackung hinreichend Platz zur Ausgabe der zwischengelagerten Behälter vorhanden ist, werden diese aus dem AKL ausgegeben. Über zentrale Rollenbahnen gelangen die erzeugten Liefereinheiten in das Versandgeschoss. Hier stehen 18 Pufferbahnen mit integrierten Packstationen für den Versand per Paketdienst oder Spedition bereit: acht Großpackplätze für die Palettenbearbeitung und zehn Standardpackplätze für den Kartonversand.
Nach Abschluss einer Lieferung aus dem BSS-verwalteten Bereich erfolgt über das ERP-System die Erstellung einer Liste mit weiteren Packstücken, die aus dem ERP-verwalteten Versandlager heraus der Lieferung noch beizustellen sind.

Umstellung in einer Hochphase
»Erfahrung und Kompetenz waren gefragt, damit das Logistikzentrum in einer konjunkturellen Hochphase in Betrieb genommen werden konnte«, erinnert sich Gedore-Vertriebsleiter Rolf Beckmann. Sowohl die Kapazitäten der Produktion als auch die der Logistik waren bei der Realisierung der Maßnahmen aufgrund der vielen Auftragseingänge nahezu erschöpft. Dennoch erfolgte die Umstellung nahezu reibungslos. »Mit BSS als Generalunternehmer hatten wir jederzeit einen kompetenten Partner an der Seite«, würdigt Einkaufsleiter Kai Müller die Verdienste des Projektpartners.

Klar erkennbare Vorteile
Ein hochsensibles Thema war auch die Anbindung des Systems an die Gedore-eigene EDV-Software. Dabei kam erschwerend hinzu, dass die Datenkonsolidierung mehrerer Mandanten durchgeführt werden musste. »Aber auch den erheblichen Mehraufwand haben wir gemeistert«, freut sich Gedore-EDV-Leiter Manfred Dolezych, »alle Anwendungen laufen von Beginn an äußerst stabil.»
Für Gedore hat die neue Lösung klar erkennbare Vorteile mit sich gebracht. Als da wären: eine deutliche Produktivitätssteigerung, hohe Anlagenverfügbarkeit, gesteigerte Termintreue, Volumenoptimierung sowie Raum- und Zeitersparnis. Vor diesem Hintergrund wird sich die Investition innerhalb weniger Jahre amortisiert haben. Heute verlassen bis zu 1.000 Sendungen pro Tag die Logistikplattform in Remscheid.

www.bss-bohnenberg.de

Ausgabe:
lj 02/2008
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