16. JULI 2018

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Das Wachstum macht Pause


Verkäufe Rund 950.000 weltweit verkaufte Einheiten, gute Zuwachsraten. Die Hersteller von Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten waren 2007 in der Breite mehr als zufrieden. Auch 2008 war über weite Strecken ein gutes Jahr. Inzwischen aber trüben sich die Geschäftsaussichten der Staplerbauer in traditionell verkaufsstarken Regionen erkennbar ein. Die Folge: Stagnation auf hohem Niveau. von Michael Weilacher

Am strahlend blauen Himmel der Staplerwelt braut sich was zusammen. Wo bis vor Kurzem noch eitel Sonnenschein herrschte, bilden sich langsam aber sicher ein paar dunkle Wolken. Vorbei die Zeiten, in denen die Flurförderzeug-Branche einen Umsatzrekord nach dem anderen einfahren konnte. Das Verkaufsbarometer fällt. Dort jedenfalls, wo traditionell besonders viele Gabelstapler und Flurförderzeuge verkauft werden konnten – in Westeuropa und in Nordamerika. Nur Berufsoptimisten leugnen, dass sich die wirtschaftliche Großwetterlage in einer für die FFZ-Branche so wichtigen Region wie Westeuropa spürbar eintrübt. In Amerika regnet es, das Staplergeschäft betreffend, schon lange. Gut nur, dass der Verkauf in anderen Teilen der Welt ebenso spürbar anzieht – in Asien etwa und in Osteuropa. Wurde das Geschäft in den sogenannten Emerging Markets noch vor einiger Zeit als Sahnehäubchen auf den Abverkauf in den immer schon starken Regionen betrachtet, gilt es heute als Hoffnungsträger in einem schwieriger werdenden Weltmarkt. Keine Frage, mit rund 400.000 verkauften Geräten im zurückliegenden Geschäftsjahr ist Europa für die Staplerbauer noch immer eine sichere Bank. Die Frage ist nur, wie lange noch. Erheblich unsicherer noch als in der alten, traditionell aber verkaufsstarken Welt ist die Lage in Nordamerika. Jenseits des Atlantiks stagniert der Markt für Flurförderzeuge nicht nur, er ist sogar rückläufig. Kein Wunder also, dass vor allem die Volumenhersteller, also jene, die aufgrund ihrer Größe besonders viele Stapler verkaufen müssen, voller Hoffnung etwa nach Russland oder nach China blicken. Dort brummt die Wirtschaft und damit auch das FFZ-Geschäft. Allerdings: Nicht alles, was gut ist, lässt sich dort auch ebenso gut verkaufen. Längst sind die großen Hersteller dazu übergegangen, unterschiedlichen Märkten unterschiedliche Fahrzeuge anzubieten. In den pragmatischen USA beispielsweise betrachtet man den Gabelstapler als Arbeitstier, das die anfallenden Arbeiten schnell und zuverlässig, aber ohne großen Fahrerkomfort erledigen soll. Ziemlich vermessen also, in einem solchen Markt zu erwarten, der Kunde würde nur deswegen einen höheren Preis für einen Gabelstapler bezahlen, weil er mit europäischen Ergonomie-Features aufwarten kann. Klar, auch der Amerikaner freut sich über Komfort auf seinem Arbeitsgerät. Mehr bezahlen wird er dafür nicht. Ähnliches gilt für China. Das boomende Riesenreich pustet ohne mit der Wimper zu zucken Tag für Tag Abermillionen von Schadstoffen in die Atmosphäre. Vor diesem Hintergrund mit dem Argument, der angebotene Stapler sei besonders emissionsarm, mehr Geld verdienen zu wollen, dürfte wenig aussichtsreich sein. Beispiel Russland, auch hier brummt die Wirtschaft. Auch hier werden Gabelstapler gebraucht. Aber auch hier spielen Umweltaspekte eine untergeordnete Rolle. Der Bedarf an Dieselstaplern, gern auch gebraucht und älteren Datums, ist enorm. Nur: Derlei Gerät hat nicht jeder Hersteller in ausreichender Stückzahl im Angebot – eine willkommene Gelegenheit für jene Anbieter, die entweder bewusst oder mangels Know-how für vergleichsweise wenig Geld eher einfache Fahrzeuge offerieren. Um diesen Anbietern Paroli bieten zu können, bringen die Premiumhersteller abgespeckte Versionen ihrer hochwertigen Standardmodelle auf den Markt – immer alles neu zu entwickeln, wäre einfach zu teuer.

Service wird immer wichtiger
Zu teuer sind aber auch manchen Kunden in Westeuropa die Gabelstapler aus den Premiumschmieden. Sie greifen gern auf einfache aber weniger kostspielige Geräte aus Asien zurück. Diesem Trend begegnen die namhaften Marken mit wiederaufgearbeiteten Gabelstaplern – das Geschäft mit Gebrauchtgeräten ist auch bei den Premiumherstellern zu einem wichtigen Teil ihres Geschäftsmodells geworden. Und auf diesem Feld können sie nicht nur mit günstigen Preisen punkten. Auch ihre Serviceleistungen sind ein wichtiges Verkaufsargument. Apropos Service: Auch der will bezahlt sein, klar. Aber guter Service rechnet sich für den Kunden. Denn wenn der Stapler einmal steht und nicht mehr in Gang gesetzt werden kann, wird’s richtig teuer. Und genau dieses Risiko wollen viele Kunden nicht eingehen. Resultat: Im Wettbewerb kann es der Gebrauchtstapler des Markenherstellers mit dem Neugerät aus Asien durchaus aufnehmen. Auch generell genießt guter Service beim Kunden einen immer höheren Stellenwert. Wer mit Staplern logistische Aufgaben bewältigt, betrachtet heutzutage nicht die Kosten, die sein Gerät an einem Tag oder in einem Monat verursacht, sondern jene, die das Fahrzeug über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg verursachen wird.

Nur die Gesamtkosten zählen
Neudeutsch werden die Gesamtkosten auch gern Total Costs of Ownership genannt. Und genau die, sagen Hersteller mit starkem Fokus auf guten Service, seien bei ihren Geräten besonders niedrig. Gut gewartet, so die Begründung, seien die Stapler stets verfügbar und könnten ihre volle Produktivität entfalten.

Energieeffizienz als Topthema
Weil sich beim Staplereinsatz alles um Wirtschaftlichkeit dreht, ist auch die Energieeffizienz der Geräte zu einem beherrschenden Thema geworden. Die immer gleiche Frage lautet: Mit welchem Treibstoff kann ich meinen Stapler am günstigsten betreiben? Doch obwohl viele Entwicklungen bereits in der Praxis getestet werden – Stichwort Brennstoffzelle – ist derzeit noch unklar, welche Technologie sich am Ende durchsetzen wird. Klar dagegen ist: Wer die günstigste Variante anbieten kann, hat auch im Verkauf die Nase vorn. Momentan aber ruhen viele Hoffnungen eher auf den Schwellenländern. Die Meinungen darüber, ob diese Länder niedrigere Verkäufe in den traditionell starken Staplermärkten kompensieren können, gehen aber auseinander. Kenneth Dufford, Geschäftsführer European Operations bei Crown, sagt: »In den ›neuen Märkten‹ wird ein Wachstum zu verzeichnen sein, das die Schwäche der traditionellen Märkte in Nordamerika und Westeuropa ausgleichen wird.« Håkan Dahllöf, President Toyota Material Handling Europe, sieht die Sache anders: »Selbst wenn bestimmte Märkte ein enormes Wachstum aufweisen, kann das derzeitige Volumen dieser Regionen den Rückgang in den Vereinigten Staaten oder in Europa nicht ausgleichen – falls Europa stärker zurückgehen sollte. Die Schwellenländer würden eine solche Entwicklung nie vollständig ausgleichen. « Mal sehen, wer am Ende Recht behält. Für eine Stagnation auf hohem Niveau spricht jedoch vieles.
www.logistik-journal.de

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lj 05/2008
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