19. JULI 2018

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Alles auf dem Schirm


Produkte

Intralogistik 80.000 Quadratmeter Lagerfläche, 25.000 verschiedene Artikel, 60.000 Packstücke pro Tag: Das Straubinger Lager des IT-Großhändlers Ingram Micro erfordert ein intelligentes und leistungsstarkes Warehouse-Management-System. Viastore Systems aus Stuttgart hat es.

Viadat steuert die Lagerprozesse von Ingram Micro in Straubing ebenso effizient wie zuverlässig und passt sich zudem den wechselnden Anforderungen des Logistikzentrums an ein Warehouse-Management-System flexibel an. Auch dies eine unabdingbare Voraussetzung für perfekte Prozesse, denn als einer der führenden IT-Großhändler in Europa bietet Ingram Micro seinen Kunden ein umfassendes Produktspektrum an. Mehr als 350 namhafte Lieferanten versorgen das Unternehmen mit Produkten. Aber auch Dienstleistungen für mehr als 30.000 Fachhandelskunden gehören zum Portfolio von Ingram Micro. »Die IT-Distribution ist ein echter 24-Stunden-Job. 80 bis 90 Prozent des Tagesgeschäfts sind von Bestellungen geprägt, die heute eingehen und morgen beim Kunden sein müssen«, erklärt Axel Markus Koch, Managing Director im Bereich Operations & Service bei Ingram Micro. Die Auswirkungen des E-Commerce greifen auch hier: Die Bestellmengen gehen zurück, die Bestellhäufigkeit dagegen wächst. »Der Fachhändler hat heute kein Lager mehr, er platziert seine Aufträge über unsere Shop-Lösung so, wie sie bei ihm reinkommen. Manche Händler bestellen 20 Mal am Tag bei uns«, weiß Ingram Micro-Mann Koch.

Kluge Konzentration

Zusammen mit dem Zentrallager in Straubing waren in der Vergangenheit sieben Außenlager zu bewirtschaften – ein Zustand, der die Prozesse ineffizient, langsam und störanfällig machte. Deshalb entschied Ingram Micro, durch den Neubau in Straubing alles zu konzentrieren. Mitte Dezember 2007 legte man den Grundstein des Regional Distribution Center II, kurz RDC II, direkt neben dem bereits 1999 gebauten Zentrallager RDC I. Die Zentraldistribution beliefert den deutschen Markt, Österreich und die Schweiz. Auch Polen, Tschechien, Griechenland und die Türkei zählen zu den Empfängern. »Straubing hat mit Abstand das größte Warenportfolio innerhalb des Ingram-Micro-Konzerns vorrätig, mehr als jedes andere Lager in Europa«, hebt Axel Markus Koch hervor. Damit ist Straubing auch Vorratslager für Ingram-Micro-Lager in anderen Ländern.
Mit dem neuen Lagerkomplex verdoppelte sich die Lagerfläche in Straubing auf 80.000 Quadratmeter. Insgesamt bieten RDC I und RDC II Platz für mehr als 60.000 Paletten. Rund 100 Lkw pro Tag entladen ihre Fracht an 98 Toren, was ungefähr 2.700 Wareneingangspositionen mit sich bringt.

Beeindruckende Zahlen

Etwa 25.000 Kundenaufträge, also bis zu 60.000 Packstücke, verlassen täglich das Distributionszentrum. Dafür sind unter anderem 130 Flurförderfahrzeuge im Einsatz. 6,5 Kilometer Förderstrecke transportieren die Ware zu sieben Kommissionier-Loops mit je vier Kommissionier-Bahnhöfen sowie zu zwei Kommissioniermodulen mit 1.600 Durchlaufkanälen. In der Versandabwicklung durchlaufen die Produkte Pack-, Versand- und Konsolidierungssorter.
Mit seinen 40.000 Palettenstellplätzen fungiert das RDC II vor allem als Versorgungslager für die Kommissionierung im RDC I. Die Lager sind durch eine Brücke verbunden. In diese sind eine Förderstrecke für Paletten, eine Paketförderanlage und ein Fahrweg für Staplertransporte integriert. Darüber laufen alle Produkte zur Versorgung der Stammfächer an den Kommissionierstationen im RDC I, vor allem B- und C-Produkte. Große und schwere Waren werden nur dann direkt im RDC II kommissioniert, wenn sie für die Fördertechnik zu voluminös sind.

Leistungsstarkes WMS

A-Produkte werden in einem eigenen Lagerteil im RDC I bevorratet. Dort ist auch ein 7.000 Quadratmeter großer Lagerteil mit Fachbodenregalen für Kleinteile untergebracht. Viadat, das Warehouse-Management-System von Viastore, steuert alle Prozesse zwischen Wareneingang und Versandrampe. »Wir hatten eine Software gesucht, die uns auch bei einem infrastrukturellen Ausbau des Logistikzentrums unterstützt«, erläutert Axel Markus Koch und meint die mögliche Teilautomatisierung einiger Prozesse in der Kommissionierung.
»Viadat bietet alle Voraussetzungen, um sämtliche Lager effizient zu steuern«, sagt Dr. Wilfried Kugler, Ressortleiter Operations bei Viastore in Stuttgart. Schon seit 2006 managt Viadat auch die Prozesse der Außenlager. Nach dem Bau von RDC II und der Konzentration der Lager in Straubing wurde Viadat einfach an die neue Situation angepasst. Seit Mitte vergangenen Jahres steuert und managt das Viastore-System alle Prozesse in beiden Lagerteilen. Und das mit beträchtlichem Erfolg, wie Walter Reiter, Senior Manager und Projektleiter Viadat bei Ingram Micro, unterstreicht: »Durch Viadat ist die Produktivität des Lagers um rund 20 Prozent gestiegen.« Wichtig auch: Bei einem Lagerbestand mit einem Warenwert von mehr als 200 Millionen Euro darf es keine Bestandsunsicherheiten geben. Als Realtime-System kann Viadat Abläufe integrieren, die den Benutzer genauestens über Warenbestände informieren.
Das ERP-System, über das die Bestellungen eingehen, ist keine Standard-Software, sondern eine individuell für Ingram Micro entwickelte Lösung. Ebenso individuell musste auch die Schnittstelle zu Viadat ausfallen. Zudem wurde die Supply-Chain-Software i-LogX von Euro-Log für die Anwendung in Straubing in Viadat integriert – »eine problemlose Angelegenheit«, wie der Experte Dr. Kugler betont. Schon bei der Anlieferung der Ware werden die Lkw so gesteuert, dass ein Produkt gleich vor dem richtigen Lagerbereich ankommt. Die dafür erforderlichen Daten liefert i-LogX. Darüber werden sämtliche mit der Lieferung in Zusammenhang stehende Daten vom Hersteller, dem Speditionsunternehmen und dem Logistikcenter in Straubing ausgetauscht.

Durchdachte Abläufe

Die Bearbeitung eines Kundenauftrags beginnt damit, dass Viadat einer bestimmten Ladung einen Frachtführer zuordnet. Dazu greift es auf ein Frachtmodul von Euro-Log zu. Der Frachtführer wird dann auf Basis einer Frachtkostenoptimierung ermittelt. Jeder Frachtführer hat feste Abfahrtszeiten. Danach terminiert das WMS alle Kommissionier-Vorgänge. Entsprechend werden die Aufträge auch priorisiert. Liegt der Abfahrtszeitpunkt dicht beim Auftragseingang, erhält der Auftrag eine hohe Priorität.
Die Produkte im Ingram Micro-Logistikzentrum sind in Repack- und Fullcase-Waren unterteilt. Repacks erhalten eine Versandverpackung, Fullcase-Waren, zum Beispiel Fernseher oder Drucker, werden in Originalkartons verschickt. Die entsprechende Information ist im Artikelstamm hinterlegt und entscheidet über den weiteren Weg der Ware durch das Logistikzentrum. Fullcase-Produkte werden im Pick-to-Belt-Bereich mit einem kombinierten Versand- und Kommissionier-Label versehen. Die Waren sind in einem Durchlaufregal gepuffert. Anhand der Versandlabel entnimmt der Kommissionierer die Waren dem Regal, versieht sie mit dem Label und setzt sie auf die Fördertechnik. Es folgt der Transport in den Versand.

Perfekte Ausstattung

Für Repacks beginnt die Kommissionierung am Kartonaufrichter. Viadat berechnet die passende Kartongröße und ermittelt den Kundenauftrag, der die höchste Priorität hat. Nachdem ein Transportlabel aufgeklebt ist, läuft der Karton über die Fördertechnik zur Kommissionierung. Mit einem am Finger befestigten Scanner lesen die dort eingesetzten Mitarbeiter den Auftrag ein. Das am Arm befestigte Funkterminal zeigt die Pickaufträge an. Insgesamt verfügen die Mitarbeiter über rund 250 Handheld-PCs.

Hohe Dynamik

In den Stammfächern der Kommissionierzone lagert der erwartete Bedarf für die nächsten zehn Tage. Sinkt der Bestand unter diese Grenze, löst Viadat einen Auftrag zur Nachschub-Steuerung aus. Die Stammfachversorgung und die Ermittlung der A-,?B-,?C-Sortierung innerhalb der Fächer waren eine besondere Herausforderung bei der Anpassung von Viadat an die Bedürfnisse des Kunden. Ingram Micro nimmt pro Tag rund 200 neue Produkte in sein Sortiment auf – eine Zahl, die hohe Dynamik in der Lagerorganisation erfordert. Überhaupt ist das Distributionszentrum in Straubing auf maximalen Durchsatz programmiert. Um die gewünschte Leistung zu erreichen, hat Viastore (auf der Logimat in Halle 1, Stand 323) u.a. die Bedieneroberfläche der Terminals in Viadat angepasst. Heute managt das WMS über 70.000 Picks pro Tag. Ist die Kommissionierung abgeschlossen, wird das letzte Paket einer Lieferung zum Packsorter befördert. Die anderen Pakete gehen direkt auf den Lkw. Qualitätskontrollen erfolgen dabei gleich an mehreren Stellen. Beim Kommissionieren der Repacks sorgt Viadat mit Hilfe eines Barcodes dafür, dass die richtigen Waren in die Pakete gelangen. Am Ende jedes Repack-Loops wird mittels Gewichtsprüfung kontrolliert, ob der Inhalt auch wirklich stimmt. Beim Beladen der Lkw werden alle Pakete gefilmt. Auf diese Weise kann nachgewiesen werden, dass das Paket das Lager tatsächlich verlassen hat. Bevor die Sendungen an den Carrier gehen, werden sie zudem automatisch gescannt. Die so generierten Daten erhält der Frachtführer, der sie mit denen des Eingangs-Scans vergleichen kann. So können an vielen verschiedenen Stationen Abweichungen erkannt und behoben werden.
www.viastore.com

Ausgabe:
lj 01/2009
Unternehmen:
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