20. JULI 2018

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Am Bosporus ist die Welt jetzt weiter


Transportlogistik

Ballungsräume - Die Türkei investiert großzügig in die Infrastruktur, hat aber ihre Besonderheiten. Bergauf gehts trotzdem. Drei Erfolgsmodelle der Transportlogistik zeigen, was in türkischen Industriezentren für Dienstleister derzeit bereits möglich ist. von Kathrin Warncke

Von Hektik ist im Express-Zentrum in Istanbul nichts zu sehen. Dennoch werden hier am Bosporus von DHL täglich bis zu 35.000 weltweite Sendungen und Pakete für das Luft-Expressgeschäft umgeschlagen. Die letzte Lieferung verlässt das Laufband um 22 Uhr und erreicht bereits morgens per Flugzeug um acht Uhr das Drehkreuz Flughafen Leipzig/Halle in Deutschland an sechs Tagen in der Woche. DHL ist eines von zahlreichen deutschen Unternehmen, die in die Logistikbranche der Türkei investieren. Als ehemaliges Gastarbeiterland verbindet Deutschland seit vielen Jahren eine enge Handelspartnerschaft mit der Türkei.

Die Messe München widmet ihr daher vom 12. bis zum 15. Mai im Rahmen der »transport logistic« ein Länder-Themenspecial, wie Messe-Geschäftsführer Eugen Egetenmeir vorab verkündete. Die Logistik stellt als Branche eine wichtige Einnahmequelle für das Land dar. Als Standortvorteil nennen Unternehmer wie Kostas Sandalcidis, Geschäftsführer der Balnak Logistics Group und Präsident des türkischen Speditions- und Logistikverbandes, die geografische Lage der Türkei. Deshalb soll die Türkei als Drehkreuz für Transporte zu den Absatzmärkten Europa und Asien genutzt werden. »In den letzten Jahren hat sich das Land aufgrund seiner Lage zu einem Logistikdienstleister entwickelt. Wir als Spediteure müssen das vermarkten«, so Sandalcidis auf einer internationalen Fachpressekonferenz in Istanbul. Zu den wichtigsten Industriezentren der Türkei gehören nach wie vor unter anderem Izmir, Buska oder auch Istanbul. Zu den bedeutenden Wirtschaftszweigen zählen die Textilindustrie, Automobilindustrie, der Tourismus sowie die Elektronikbranche. Dennoch leidet die Türkei derzeit auch unter der weltweiten Wirtschaftskrise und vermeldete vor allem in der Automobilbranche starke Umsatzeinbußen.

Investitionen trotz Finanzkrise

Seit den Neunzigerjahren investiert die Türkei verstärkt in die Logistik und die Infrastruktur des Landes. So wurde vor etwa acht Jahren das größte Abfertigungsunternehmen am Bosporus, der Hafen Marport, gegründet. Das Seehafenterminal ist bislang das einzige in der Türkei, welches in der Lage ist, Schiffe mit einem Tiefgang von rund 14,5 Metern abzufertigen. Auch die DHL tätigt vor Ort Investitionen, als eine von 3.000 deutschen Firmen. Im November 2008 eröffnete die Post-Tochter DHL das neue Gateway in Istanbul nahe des Atatürk-Flughafens. Auf dem Gelände mit 6.000 Quadratmetern Fläche können gleichzeitig bis zu zehn Luftfrachtcontainer be- und entladen werden. Im Lager bestücken Mitarbeiter die Container über ein 55 Meter langes Laufband.

Europäisches Niveau als Ziel

Allein vier Millionen Euro wurden in die Errichtung des Umschlagplatzes investiert, rund 750 Mitarbeiter arbeiten derzeit in der Türkei für DHL. Beispiele wie diese zeigen, dass die Türkei für ausländische Investoren durchaus attraktiv ist. Allerdings haben Logistikdienstleister nach wie vor Probleme, insbesondere was Speditionsunternehmen betrifft. So betont Kostas Sandalcidis: »Unser Speditionsverband hat nach wie vor Probleme mit den Zulassungsgenehmigungen und versucht, die Abwicklung auf ein europäisches Niveau zu heben.« Bis vor Kurzem war es noch üblich, dass Spediteure verpflichtet waren, nur über eigene Fuhrparks zu liefern, so Sandalcidis. Diese Vorgabe sei mittlerweile abgeschafft, doch seien Spediteure noch heute zum Lizenzerwerb verpflichtet. Bis zu 200.000 Euro könne eine solche Lizenz kosten und verwehre manchem Unternehmer die Gründung einer Spedition. Außerdem ist teilweise die Vergabe von Visa und Transit-Genehmigungen für Geschäftsleute eingeschränkt. Ein erster Schritt zu einer einfacheren Geschäftsabwicklung für türkische Geschäftsleute bedeutet das aktuelle Urteil des EU-Gerichtshofs (C-228/06). Dieses erlaubt es ihnen, ohne Visum für Firmen nach Deutschland einzureisen.

Speditionsverband für Ausbau

Auch die Balnak Logistics Group ist mit ihrem weltweiten Dienstleistungs-Geschäft von den Gesetzesvorgaben betroffen. Als Anbieter von Transport- und Logistikdienstleistungen umfasst ihr Leistungsspektrum Landverkehr, Luft- und Seefracht sowie Warehousing-Logistics. Geschäftsführer Kostas Sandalcidis setzt sich als Präsident des türkischen Speditions-und Logistikverbandes für den Ausbau der Infrastruktur in der Türkei ein. Bisher lohnt sich beispielsweise der Transport häufig nur auf der Straße per LKW, da die Eisenbahn-Transitzeiten im Inland ungeeignet sind.

Zehn Tage nach Kasachstan

Ein Transport nach Kasachstan brauche so 35 Tage mit dem Zug, mit dem LKW hingegen zehn Tage, so Emre Yenal, bei Balnak verantwortlich für Marketing und Sales. Ein Großteil der Lieferungen wird daher über die Straße abgewickelt. Auch das hohe Verkehrsaufkommen im europäischen Teil Istanbuls hat Balnak Logistics eingeplant: »Die Balnak-Lager sind alle auf der asiatischen Seite Istanbuls angesiedelt, da das Überqueren der Brücken zu viel Zeit und somit Geld kostet.« Balnak-Chef Kostas Sandalcidis zeigt sich allerdings optimistisch: »Wir sind dankbar, dass wir Logistikdienstleister das derzeitige Niveau erreicht haben und ich bin überzeugt, dass sich die Situation in der Türkei noch weiter bessern wird.«

www.dhl.de
www.balnak.com.tr
www.marport.com.tr

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