18. JUNI 2018

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Positives Signal


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Messe - Gesunkener Auftragseingang, dürftige Umsätze – keine Frage: der Transportbranche ging’s schon mal besser. Dennoch glauben die Akteure fest an den Aufschwung. Ihre Leitmesse jedenfalls setzt ein positives Signal. von Kathrin Warncke

Vom 12. bis zum 15. Mai trifft sich die Welt der Transportlogistik auf dem Gelände der Messe München zu ihrer internationalen Leitmesse. Die »transport logistic 2009« wurde auch deshalb mit Spannung erwartet, weil die weltweite Wirtschaftskrise auch in der Frachtbranche negative Auswirkungen zeitigt. Eine genaue Bestandsaufnahme der aktuellen Situation werden Logistiker und Verlader, Politiker und Verbände im Rahmen des umfangreichen Konferenzprogramms vornehmen. Schon jetzt steht aber fest: Obwohl die wirtschaftliche Großwetterlage alles andere als rosig ist, wird die »transport logistic 2009« mit Blick auf die Zukunft ein positives Signal aussenden. Etwa wenn es darum geht, in schwieriger Zeit positive Entwicklungen darzulegen, so zum Beispiel die Fortschritte auf dem Gebiet der Kontraktlogistik und die Möglichkeiten, die sich durch Outsourcing eröffnen. Generell aber geht es in München darum aufzuzeigen, mit welchen Dienstleistungen, Produkten und Lösungsansätzen die Branche in die Zukunft geht.

Neuer Ausstellerrekord

Wie die Aussteller geht auch die Messe München mit einer positiven Grundhaltung in die Großveranstaltung. Sie hat allen Grund dazu. Auf dem Messegelände werden 1.700 Aussteller aus 55 Ländern vertreten sein – ein neuer Rekord. Die Unternehmen präsentieren die komplette Bandbreite ihrer Dienstleistungen und Produkte. Zu den Ausstellern gehören Straßentransportunternehmen, Eisenbahngesellschaften, Unternehmen des kombinierten Verkehrs ebenso wie Reedereien, Luftverkehrsgesellschaften und Flughäfen. Wesentlicher Bestandteil von Workshops und Foren sind Themen wie »Green Logistics«, »Kostensenkung«, »Risikomanagement« und »Transportnetzwerke«. Zusätzlich werden sich auf der diesjährigen »transport logistic« Länder wie die Türkei oder Russland und Brasilien als Logistikstandorte präsentieren. Reinhard Klein, Projektleiter der Messe München, erklärte vorab im Interview mit dem logistik journal: »Gerade in Zeiten der Krise muss man in die Zukunft schauen. Und wo sonst als auf der ›transport logistic‹ werden Weichen für die Zukunft gestellt. Sei es, dass man neue Netzwerke knüpft, neue Partner oder Kunden sucht. Ich denke, das richtige Signal der Firmen in der Krise ist: Wir sind noch da, wir marschieren Richtung Zukunft, und wir suchen neue Geschäfte.« Diese Botschaft ist bei den Ausstellern angekommen. Die »transport logistic« ist auf über 100.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche angewachsen.

Positive Signale setzen

»Dieses Ergebnis sollte der Branche Mut machen. Es ist ein positives Signal, dass trotz konjunkturellen Abschwungs Unternehmen Flagge zeigen und ihre Geschäftstätigkeit auf der weltweit größten Messe für Transport und Logistik ankurbeln wollen«, sagt Eugen Egetenmeir, Mitglied der Geschäftsführung der Messe München. Flagge zeigen – das wollen in diesem Jahr auch ganze Länder und Regionen auf der »transport logistic«. »Das ist eindeutig ein Trend, der sich in den letzten Jahren angezeigt, inzwischen aber noch verstärkt hat. Gerade in Krisenzeiten sind es die Staaten und kommunale Behörden, die Geld in die Hand nehmen, um ihre Region im Logistik- und Industriebereich auf der Messe vorzustellen,« unterstrich Messe-München-Projektleiter Reinhard Klein im Gespräch mit logistik journal im Vorfeld der »transport logistic«.

Spannender Austausch

Der globalisierte Markt fordert logistische Netzwerke. Denn internationale Just-in-time-Lieferungen sind nur für Unternehmen möglich, die sich weltweit auf ihre Partner verlassen können. Mit den Risiken der globalisierten Netzwerke beschäftigt sich auch eine von zahlreichen Veranstaltungen im umfangreichen Konferenzprogramm der ›transport logistic 2009‹. Dabei diskutieren Branchenexperten das Thema »Unternehmensnetzwerke im Wandel – Trends und Strategien in der Logistik«. Moderator Prof. Dr.-Ing. Frank Straube, Leiter des Bereichs Logistik an der Technischen Universität Berlin und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik (BVL), im Interview mit dem logistik journal: »Wir werden zwei verschiedene Risiken diskutieren. Zum einen die Risiken in der Lieferfähigkeit gegenüber dem Endkunden, die sich durch globalisierte Netzwerke ergeben. Die Distanzen werden größer, die Anzahl der Partner steigt, die Kompetenzen der Lieferanten werden unterschiedlicher. Wir werden diskutieren: Wie kann man dem Risiko begegnen, dass durch heterogene Logistikfähigkeiten und ungleiche Netzwerkreifen Lieferfähigkeits- und Zuverlässigkeitsprobleme entstehen? Das Risiko ist heute stark durch Bestände kompensiert. Ich schätze, dass wir weltweit etwa 30 Prozent zu viele Bestände in Industrien haben, um diese Unzuverlässigkeit auszugleichen. Eine zweite Gruppe von Risiken werden wir diskutieren, die durch Insolvenzen oder Liquiditätsprobleme in Netzwerken entstehen.«

Vielfältige Diskussionen

Zu den Diskussionsschwerpunkten auf der »transport logistic 2009« zählen auch Themen wie »Globalisierung«, »RFID« und »Wirtschaftskrise«. Aber auch der Klimaschutz wird eine wichtige Rolle spielen. Mehr als ein Fünftel der klimaschädigenden Kohlendioxid-Emissionen stammt aus dem Verkehr, wovon 90 Prozent auf den Straßen- und Luftverkehr entfallen. Zwar gibt es einen ganzheitlichen Ansatz zur Messung von CO2-Emissionen, den sogenannten »Carbon Footprint Check« der Unternehmen. Allerdings spielt diese Messung auf Produkt- oder Prozessebene nach Aussage von Professor Straube erst bei weniger als 15 Prozent der Industrie- und Handelsunternehmen eine Rolle.

Handlungsbedarf erkannt

Die Notwendigkeit aber, so der Experte Straube, sich mit diesem Thema zu befassen, sei erkannt. »Zumindest zeigen das unsere Untersuchungen.« Professor Straube weiter: »Wir sind heute schon vom Klimawandel betroffen. 2015 werden wir es noch viel stärker sein. Der Druck, etwas dagegen zu tun, kommt zusätzlich von den Kunden und den Mitarbeitern der Unternehmen. Und natürlich auch vom Gesetzgeber über finanzielle Belastungen, die etwa durch Kosten für Zertifikate entstehen.« Klar also: Das Thema »Green Logistics« wird bei Diskussionsforen und anderen Veranstaltungen auf der »transport logistic« breiten Raum einnehmen. Darüber hinaus zeigen Best-Practice-Beispiele, wie grüne Logistik helfen kann, Kunden zu binden und gleichzeitig Kosten zu senken.

Märkte unter der Lupe

Das Programm der »transport logistic 2009« wird durch die Air Cargo Europe (für den Bereich der Luftfracht) und die Marilog (für den Bereich der maritimen Logistik) zusätzlich bereichert. Ebenfalls von besonderem Interesse: die Eurasia-Konferenz. Bei Letzterer geht es unter anderem um die Handelsroute Europa – Asien. Im Begleitprogramm stellen Experten die Potenziale für die Transport- und Logistikwirtschaft in der geographischen Großregion Eurasien vor.
Die Air Cargo Europe findet bereits zum vierten Mal innerhalb der »transport logistic« statt. An der Eröffnungsdiskussion zum Thema »Ökonomischer Ausblick – wie man mit der wirtschaftlichen Situation fertig werden kann« wird auch die Expertin Monika Ribar, CEO von Panalpina Welttransport, teilnehmen.

Die Krise als Topthema

Im Vorfeld der »transport logistic« sagte Monika Ribar gegenüber dem logistik journal: »Das derzeit dominierende Thema für Dienstleister, Kunden und Behörden ist die weltweite Wirtschaftskrise. Der Rückgang der Nachfrage führt zu einem Kapazitätsüberhang, der wiederum zu erhöhtem Ad-hoc-Einkaufsverhalten führt. Das läuft natürlich der Strategie eines Konsolidierungsnetzwerkes entgegen.«
Eine echte Gefahr, so Monika Ribar, werde dann für den Luftfrachtverkehr entstehen, wenn die Nachfrage längere Zeit auf dem aktuell tiefen Niveau verharre. »Dieser Möglichkeit sehen wir mit einer gewissen Sorge entgegen, da die Airlines eine wichtige Schlagader der globalisierten Wirtschaft sind.« Keine Frage also: Die »transport logistic« wird reichlich Gelegenheit bieten, all jene Themen zu diskutieren, die der Branche derzeit auf den Nägeln brennen.

Messepräsenz ist wichtig

Auch wenn sich die schlechten Nachrichten häufen: Immer mehr Unternehmen zeigen, dass sie sich den Herausforderungen stellen, die der Abschwung mit sich bringt. Viele Firmen reagieren flexibel auf die Krise, nutzen die Zeit für Forschung, Fortbildung oder Modernisierung. Messepräsenz ist trotzdem nötig: Reinhard Klein von der Messe München: »Wenn der Wettbewerb härter wird, wird auch der Kampf um die Kunden härter. Das bedeutet natürlich auch, dass man sich nicht unsichtbar machen darf.«

www.transportlogistic.de

Ausgabe:
lj 03/2009
Unternehmen:
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