16. JULI 2018

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Gelb macht auf Grün


Unternehmen

Programme - DHL wie auch der ganze Postkonzern setzen sich mit einem ambitionierten Klimaschutzprogramm aktiv für die Umwelt ein. Schon zwei Jahre nach seinem Start kann GoGreen beachtliche Erfolge vorweisen. Derweil halten die Bemühungen der Initiatoren unvermindert an. von Kathrin Warncke

Die Transportbranche verursacht rund 14 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Das entspricht etwas mehr als dem CO2-Gesamtausstoß des Landes Kroatien im Jahr 2007. Eine große Verantwortung, die auf den Logistikdienstleistern lastet. »Wir sind dazu bereit, im globalen Kampf gegen den Klimawandel eine Vorreiterrolle einzunehmen« – das verkündet DHL auf der Webseite zum Klimaschutz-Programm »GoGreen«. Einen Teilerfolg konnte DHL mit dem weltweit ersten klimaneutralen Lagerhaus im britischen Wakefield erzielen. Das Distributionszentrum wurde individuell für den Telekommunikationsanbieter O2 klimaneutral umgerüstet.

Interner Beratungs-Service für mehr Umweltbewusstsein

Das Projekt auf dem knapp 2.000 Quadratmeter großen Gelände in Wakefield wurde vom internen Beratungsservice DHL Neutral Services geplant und realisiert. Dieser Service ist Teil des GoGreen-Programms, mit dem sich die Deutsche Post DHL als führendes Unternehmen der Branche im Bereich des Klimaschutzes etabliert hat. Der Konzern verpflichtet sich dazu, seine CO2-Effizienz bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent zu verbessern. Zur Umwandlung des O2-Lagerhauses wurde unter anderem eine Erdwärmepumpe für das Heizungs- und Kühlungssystem eingebaut, welche die Erdwärme in das Gebäude leitet. Lichtsysteme mit Bewegungssensoren helfen zusätzlich, Energie zu sparen. Außerdem wurde die Stromversorgung auf Ökostrom umgestellt. Die Projektumsetzung folgte dem Vier-Phasen-Modell von DHL Neutral Services: Durch die Phasen »Messung«, »Reduzierung«, »Einsparung« und »Neutralisierung« der CO2-Emissionen am Lagerstandort konnte der Treibhausgasausstoß um 98 Prozent reduziert werden. Lediglich zwei Prozent erforderten eine Neutralisierung durch CO2-Zertifikate. Insgesamt können so 760 Tonnen an CO2-Emissionen pro Jahr reduziert und neutralisiert werden. Das entspricht dem Ausstoß von mehr als 150 Hin- und Rückflügen von London nach Sydney.
Karl W. Feilder, CEO DHL Neutral Services, kommentierte das Projekt so: »Unser Ziel ist es, unseren Kunden dabei zu helfen, ihre Energieeffizienz genauso wirtschaftlich zu betrachten wie jeden anderen Aspekt ihrer Geschäftstätigkeit – mit Blick auf die betriebliche Effizienz genauso wie mit Blick auf die Kostensenkung. Dabei fragen Kunden häufig nach der Möglichkeit, den Kohlendioxidausstoß zu senken, ohne sich allzu sehr von Ausgleichsprojekten abhängig zu machen. Das haben wir bei O2 erreicht.«
Neue Konzepte zum Klimaschutz testete DHL auch mit dem Projekt »Fideus« in Großstädten. Das Ziel: den Stadtverkehr entlasten und bestimmte Prozesse mit neuen Strategien für City-Logistik verbessern. Denn Innenstädten sind in der Regel zwei Dinge gemein: Es gibt streng geregelte Zeiten für die Anlieferung von Waren, und Parkplätze sind rar. Nicht selten bleibt Logistikern nichts anderes übrig, als in zweiter Reihe zu halten, um ihre Waren und Sendungen zu entladen. Außerdem bereitet es zuweilen Probleme, die vorgeschriebenen Lieferzeiten einzuhalten. Das sorgt für Staus und dicke Luft. Deshalb wurde das Projekt »Fideus« ins Leben gerufen. Von der Generaldirektion Forschung der Europäischen Kommission gefördert, steht es für »Freight Innovative Delivery of Goods in European Urban Spaces«. Übersetzt bedeutet das soviel wie »innovative Lieferung von Gütern in europäischen Innenstädten«. »Es war das erste Mal, dass sich auf der Suche nach neuen Konzepten Wissenschaftler, Automobilhersteller, Vertreter der Kommunen und Logistiker an einen Tisch gesetzt haben«, erklärt Peter Sonnabend, zu Beginn der Studie Senior Expert bei DHL Express, inzwischen im Bereich Umweltstrategie und Politik bei Deutsche Post DHL tätig. Sonnabend hat für DHL den Praxistest organisiert. Neben DHL beteiligten sich an der Studie auch der Logistiker TNT sowie auf der Fahrzeugherstellerseite unter anderem Iveco und Renault. Für die wissenschaftliche Seite war das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik in Berlin zuständig. Die Studie begann 2005 und endete 2008. In Hannover, Barcelona und Lyon testeten die Beteiligten die neuen Strategien zur City-Logistik. Dazu gehörten der Einsatz von elektrischen Micro-Carriern, Flüster-LKWs und der Test neuer Konzepte bei der Auslieferung. Im Visier des Projektes: die »letzte Meile«, also der letzte Abschnitt in der Lieferkette, sprich: die Auslieferung an den Kunden. »Eines unserer Ziele war die Verkehrsvermeidung«, sagt der Experte Peter Sonnabend. In der Fußgängerzone von Hannover beispielsweise wurde das Konzept »City-Hub« getestet: In einer zentral gelegenen Tiefgarage wurde eine Art Mini-Depot eingerichtet. Ein normaler Transporter lieferte die kleinen Sendungen für einen bestimmten Umkreis dort ab. Mit einem Micro-Carrier, der Kleinversion eines Schleppfahrzeugs, wurden sie in den verschiedenen Städten verteilt.

Effiziente City-Logistik

Ein Vorteil des Gerätes: der elektrische Antrieb. »Die Fahrzeuge haben eine Reichweite von acht bis zehn Kilometern, was für unsere Zwecke völlig ausreicht«, erklärt Sonnabend. Der Mini-Schlepper kann bis zu drei kleine Anhänger mit Sendungen ziehen, und er ist schmal genug, um auch in Fußgängerzonen problemlos voranzukommen. Zudem gilt er nicht als normales Lieferfahrzeug – die vorgeschriebenen Lieferzeiten gelten somit für ihn nicht.
In Lyon wie auch in Barcelona ging es bei Feldversuchen mit erdgasbetriebenen Transportern darum, Lärm und Emissionen bei der Auslieferung mit schwereren Nutzfahrzeugen innerhalb von Städten zu verringern. Dazu wurde ein Zwölftonner von Renault eingesetzt, der über einen Flüstermodus verfügt. Ein mithilfe des Global-Positioning-Systems (GPS) ausgelöstes Tonsignal macht den Fahrer darauf aufmerksam, wenn er etwa in ein Wohngebiet kommt und der leise Modus eingeschaltet werden soll. Zusätzlich zu Testprojekten wie »Fideus« setzt die Deutsche Post DHL auf flächendeckende Energiereduktion in der Infrastruktur. Der Immobilienbereich ist einer der Bereiche im Konzern, der bedeutendes Potenzial bietet, um Energie einzusparen und so dem Klimawandel effektiv entgegenzuwirken. So bezieht der Konzern in Deutschland seit dem Jahr 2009 nahezu 100 Prozent seines Bedarfs an elektrischem Strom aus regenerativen Quellen. Die neuen Stromlieferverträge gelten für alle 115 Brief- und Paketzentren sowie auch für alle anderen Immobilien, zum Beispiel für jene an Logistik- oder Verwaltungsstandorten. Die Unternehmenszentrale, der Post Tower in Bonn, wird bereits seit 2008 zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgt.

Deutliche CO2 -Ersparnis

Durch die flächendeckende Umstellung auf Ökostrom spart die Deutsche Post jährlich 400.000 Tonnen CO2 ein. Diese Zahl entspricht dem jährlichen Pro-Kopf-Ausstoß einer Stadt mit mehr als 30.000 Einwohnern. Zusätzlich zur Umstellung auf Ökostrom werden in bestehenden Gebäuden effizientere Beleuchtungssysteme eingesetzt und die Nutzung von Heizungs- und Klimaanlagen optimiert. Auch seinen Kunden bietet der Konzern mit der Tochter DHL Neutral Services an, ihre Immobilien nach Klimaschutzkriterien zu bewerten und zu optimieren. Zu den Neuerungen zählen auch die aerodynamischen LKW-Anhänger von DHL Exel Supply Chain und Don-Bur, ein auf Fahrzeugdesign spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in England. Die »Teardrop«-Anhänger sind mit seitlichen Schiebeplanen versehen und verbinden so die aerodynamischen Vorteile der Tropfenform mit einer erhöhten Transportkapazität. Damit konnten im Vergleich zu herkömmlichen Anhängern durchschnittlich über zwölf Prozent Treibstoff eingespart werden.

Großes Spektrum an Möglichkeiten

David Potter, UK Director of Fleet Engineering Services bei DHL Exel Supply Chain: »Die Entwicklung von ›Teardrop‹-Anhängern mit seitlichen Schiebeplanen lag auch deshalb nahe, weil sie uns ermöglichen, eine größere Bandbreite von Kunden mit ganz unterschiedlichen betrieblichen Bedürfnissen zu bedienen.«
Das GoGreen-Konzept von Deutsche Post DHL, so viel steht fest, geht auf. Und Anerkennung gibt’s für den Konzern obendrein. So wurde GoGreen unlängst von der Standortinitiative »Deutschland – Land der Ideen« ausgezeichnet. Mit Blick auf die Umweltbemühungen des Konzerns Deutsche Post DHL lobte Laudator Hans-Peter Stefer von der Deutschen Bank die besondere Vorreiterrolle des Konzerns innerhalb der Logistikbranche.



GoGreen
Ein Großkonzern bemüht sich um den Klimaschutz
DHL bzw. Deutsche Post DHL haben sich beim Klimaschutz ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2020 soll der CO2-Ausstoß des Konzerns um 30 % gesenkt werden. Das heißt, dass die Emissionen pro transportiertem Brief, pro beförderter Tonne Gewicht oder pro genutztem Quadratmeter Fläche um fast ein Drittel reduziert werden. Neben der Flottenoptimierung nutzt der Konzern regenerative Energien und neue Technologien aus dem DHL Innovation Center, um das Programm umzusetzen. Inzwischen stößt das ambitionierte Vorhaben auf große Anerkennung: Vor kurzem wurde das DHL-Umweltprogramm von der Standortinitiative »Deutschland – Land der Ideen« ausgezeichnet.

www.dpwn-gogreen.de

Ausgabe:
lj 03/2009
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