18. JUNI 2018

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Unternehmen Zukunft


Titelstory

Jubiläum Aus bescheidenen Anfängen heraus zum international anerkannten Player der Intralogistik-Branche. Die Stöcklin Logistik AG wird 75 und ist dabei so jung wie nie.

Cargo Cycle TNT Swiss Post tritt in die Pedale. Als erster Expressdienstleister setzt das Unternehmen in Genf sogenannte Cargo Cycles ein. Die dreirädrigen Elektro-Bikes sind mit einer Box ausgestattet, in der Sendungen bis zum Gesamtgewicht von 180 Kilo zugestellt werden können. Das umweltfreundliche Vehikel, Cargo Cycles sind komplett emissionsfrei, stößt in der schönen Stadt am See auf viel Sympathie. Depot General Manager Régis Cholat (am Lenker): »Wir werden oft herzlich empfangen, gerade weil wir dieses außergewöhnliche und umweltfreundliche Transportmittel nutzen.« Darüber freut sich auch Depot Operations Manager Alain Philippe (gibt Zusatzschub).


Nicht viele Unternehmen können von sich behaupten, seit 75 Jahren erfolgreich am Markt aktiv zu sein. Die Stöcklin Logistik AG mit Hauptsitz im schweizerischen Dornach kann stolz von ihrer erfolgreichen Geschichte erzählen und darf sich heute zu den innovativsten Unternehmen in der internen Logistik zählen. Doch wie eigentlich nahm die Erfolgsgeschichte ihren Anfang?

Alles beginnt 1934, als Firmengründer Walter Stöcklin das Baugeschäft seiner Eltern in Dornach in der Nähe von Basel übernimmt und es in eine Fabrik für Transportgeräte umwandelt. Als erste Produkte verlassen bodenschonende Räder aus Holz für Geräte des täglichen Gebrauchs die Werkstatt. Wenig später folgen der sogenannte Sackkarren und Plattformwagen aus dem gleichen Material. Der kleine Handwerksbetrieb kann schon in frühen Jahren Erfolge mit der Fertigung dieser Produkte verbuchen und weiß, dass Innovationskraft und die Anpassung an die Anforderungen des Marktes das Unternehmen voranbringen werden.

Der Zweite Weltkrieg bremst den Aufstieg des jungen Unternehmens. Mit der Rohstoffknappheit ist oft auch die Ausführung der Aufträge in Frage gestellt. Erst nach Kriegsende kommt die Firma wieder in Schwung. Walter Stöcklin wagt den Bau einer neuen Fabrikhalle, ergänzt sein Sortiment im Bereich »Handgeführte Geräte« und entwickelt 1947 eine erste Transportanlage (Schräg-kettenförderer) für das Fördern von Getränkekisten. Bereits Anfang der 50er-Jahre ist Stöcklin in Fachkreisen bestens bekannt und zeigt entsprechende Präsenz am Markt.

Ermutigende Ergebnisse

Eine weitere Profilierungschance ergibt sich, als die Schweizerischen Bundesbahnen für den Stückgüterumschlag die Einführung eines Palettensystems erwägen. Stöcklin übernimmt die Entwicklung der Palettierungsgeräte und stellt Prototypen her. Der offenkundige Rationalisierungseffekt der Palettierung überzeugt rasch und weckt auch im Ausland großes Interesse. Dies ermutigt Walter Stöcklin, im nahen Ausland seine erste Tochterfirma zu gründen.

Mit Ralph Stöcklin stößt 1960 ein Vertreter der zweiten Generation zur Firma. Neue Fabrikationshallen werden errichtet, Um-sätze und die Belegschaft wachsen kontinuierlich, und das Einzelunternehmen Walter Stöcklin wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Um den europäischen Markt besser erschließen zu können, werden 1962 weitere Tochterfirmen im Ausland gegründet. Durch die damaligen Personalengpässe bei den Kunden und die daraus resultierenden Investitionen in Rationalisierungsmaßnahmen erlebt Stöcklin in allen Geschäftsbereichen einen beträchtlichen Aufschwung. 1964 kommt es zu einem Höhepunkt in der Unternehmensgeschichte, als Stöcklin von einem chemischen Unternehmen beauftragt wird, ein Paletten-Fördersystem für das erste online-computergesteuerte Paletten-Hochregal-lager zu entwickeln.

Auch in den Siebzigerjahren steht Stöcklin nicht still. Weiteres Know-how wird erarbeitet. Zudem investiert das Unternehmen in die Entwicklung von Lagersystemtechnik. 1978 beginnt die Produktion von Regal-bediengeräten, womit Stöcklin in die Lage versetzt wird, den gesamten physischen Materialfluss für komplexe Förder- und Lagersysteme zu beherrschen.

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Aus marktstrategischen Gründen wird 1991 aus der Walter Stöcklin AG die Stöcklin Logistik AG, und das Unternehmen macht einen zusätzlichen Schritt in Richtung »Internationale Marktpräsenz und Produkterweiterung«. Auch die Entwicklung im Bereich »Flurförderzeuge« steht nicht still. Mit der Weiterentwicklung des bewährten Stöcklin-Hubwagens und einer modernen Baureihe von Elektrostaplern wird dieser Bereich permanent ausgebaut.

Mit der Gründung von weiteren Tochterunternehmen im In- und Ausland sowie der innovativen Weiterentwicklung ihrer qualitativ hochwertigen Produkte wird die Stöcklin-Gruppe international als bedeutendes Unternehmen und kompetenter Hersteller von Gesamtsystemen wahrgenommen.

Starke Innovationsoffensive

Als im Jahr 1995 Urs Grütter, Firmenbesitzer und CEO der Stöcklin Logistik AG, das Unternehmen übernimmt, wird in allen Geschäftsbereichen eine starke Innovations-offensive gestartet. Das Ergebnis ist technischer Vorsprung in allen Bereichen. Zudem legt Grütter den Grundstein für den Wandel vom Komponentenlieferanten zum intralogistischen Komplettanbieter.

Die verschiedenen Gerätetypen werden am Markt erfolgreich platziert. Besonders zu erwähnen in diesem Zusammenhang: die Kleinteilegerätereihe (AKL) BOXer. Mit der Produktion dieses Gerätetyps unterstreicht Stöcklin seine Innovationskraft und verstärkt in der Folge erneut seine Präsenz am Markt. War Stöcklin vorher »nur« als ein-facher Lieferant von Gewerken bekannt, hat die Branche spätestens jetzt registriert, dass der Mittelständler aus der Schweiz mit den Großen am Markt mithalten kann.

Im Bereich Flurfördermittel hat Stöcklin konsequent die Standardisierung vorangetrieben, um eine Fertigung zu ermöglichen, die sowohl dem Kunden als auch der Gerätetechnologie Vorteile verschafft. Damit wurden die Ziele für einen Anbieter wie Stöcklin, der nicht in Großserien fertigt, klar definiert und schlussendlich auch erreicht. Zudem konnte Stöcklin den Vorsatz realisieren, einer der flexibelsten Anbieter von Flurförderzeugen im Markt zu werden. Dank Bau-kastenprinzip dauert es heute von der Bestellung bis zur Auslieferung eines individuell, also nach den Vorstellungen des Kunden gefertigten Geräts maximal acht bis zwölf Wochen. Überhaupt hat Stöcklin sich im Geschäftsfeld Flurförderzeuge zum Anbieter von Spezialstaplern entwickelt, die exakt auf die Bedürfnisse des Auftraggebers zugeschnitten sind. Heute wirbt Stöcklin stolz damit, alles bauen zu können, was die Physik erlaubt.
Mit der Entwicklung von Stöcklin vom Gewerkelieferant zum Komplettanbieter war schnell klar, dass die intralogistische Produktpalette erweitert werden musste. Diese Erkenntnis führte zur Aufnahme der Retis Software AG und heutigen Stöcklin Software AG in die Stöcklin-Gruppe.

Der Neuzugang war und ist immer dann mit seiner Kernkompetenz zur Stelle, wenn es im Anlagenbau um Lagerverwaltungssoftware und Materialflussrechner geht. Den Vorteil vom Komplettangebot der Stöcklin-Gruppe hat der Kunde. Denn nun steht ihm nach dem Motto »Alles aus einer Hand« von der Planung eines Projekts über dessen Realisierung bis hin zur Anbindung an das übergeordnete ERP-System nur noch ein Ansprechpartner zur Seite. Vor diesem Hintergrund tritt man in Dornach durchaus selbstbewusst auf: »Dass Stöcklin heute zu den wichtigen Playern in der Intralogistik gehört, steht außer Frage.«

Gigantisches Referenzprojekt

Immerhin: Zu den realisierten Projekten der Schweizer zählt ein gigantisches, automatisch betriebenes Hochregallager für mehr als eine Viertelmillion Paletten. Zudem hat Stöcklin nicht nur sein Portfolio, sondern auch sein Absatzgebiet stetig erweitert. Erst vor wenigen Wochen beispielsweise wurde eine weitere Repräsentanz, diesmal in Kroatien, eröffnet. Auch bei dieser Entscheidung stand der Kundennutzen im Vordergrund. Stöcklin will – wo auch immer – vor Ort sein, um den Kunden den optimalen Service bieten zu können. Und zwar mit Personal, dem die regionalen Gegebenheiten durch-aus vertraut sind.

Vertraut sind Stöcklin auch die großen Aufgaben der Zukunft. Das Thema »Green Logis-tics« spielt daher auch für die Intralogistiker aus der Schweiz eine wichtige Rolle. Hochqualifizierte Fachkräften haben sich des Themas angenommen und intelligente Lösungen entwickelt, die zum einen die Stromkosten des Kunden minimieren und zum anderen dazu beitragen, die Umwelt zu entlasten. Mit Blick auf die Nutzung von Regalbediengeräten verspricht man sich beim Einsatz der neuen Technologie Energieeinsparungen von über 20 Prozent.

Der Blick geht in die Zukunft

Mit dem Erreichten zufrieden ist man bei Stöcklin aber nie. Deshalb geht der Blick stets in die Zukunft. So ist Stöcklin beim Forschungsprojekt »Internet der Dinge« von Anfang an dabei. Zusammen mit anderen Intralogistikern will man auf diese Weise neue Lösungen fördern, um auch künftig dem Markt bzw. Kunden das bestmögliche Produkt anbieten zu können. O-Ton Stöcklin:

»Selbstverständlich ist Forschung allein nicht Garant für die Praxistauglichkeit eines Projekts, aber durch die enge Zusammenarbeit und das große Know-how können wir davon ausgehen, dass diese Fachgruppe (›Internet der Dinge‹: Anmerkung der Redaktion) die Zukunft der Intralogistik maßgeblich mitentscheidet.«

www.stoecklin.com



Daten & Fakten

- 1934 übernimmt Walter Stöcklin das Baugeschäft seiner Eltern und wandelt es in eine Fabrik für Transportgeräte um.

- 1960 stößt mit Ralph Stöcklin ein Vertreter der zweiten Generation zur Firma. Neue Fabrikationshallen werden errichtet, Umsatz und Belegschaft wachsen.

- 1995 übernimmt Urs Grütter, Firmenbesitzer und CEO der Stöcklin Logistik AG, das Unternehmen. In der Folgezeit kommt es zu einer wahren Innovationsoffensive.

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