18. JUNI 2018

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Alles fest im Griff


Technik

MDE Kundenzufriedenheit ist alles. Vor diesem Hintergrund investiert Schäfer-Oesterle in innovative Technik. Eine aktuelle Verbesserung im Bereich der Informationslogistik ist die Einführung eines mo-bilen Datenerfassungssystems. Mit dabei: Handterminals von Casio.

Die Ausstattung hochwertiger Fahrzeuge mit edlem Interieur und die Veredlung von Oberflächen mit feinstem Leder zählen zu den Spezialitäten der Sellner Group. Mit 1.450 Mitarbeitern an neun Standorten und einem Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro gehört die Unternehmensgruppe weltweit zu den führenden Automobilzulieferern für Interieur-Komponenten. In der Sellner Group sind verschiedene, jeweils spezialisierte Unternehmen zusammengefasst. Im Würzburger Werk der Gruppe, der Schäfer-Oesterle GmbH, zählt die Belederung von Oberflächen zu den Kernkompetenzen. Das Unternehmen fertigt die exklusiven Komponenten weitgehend auftragsbezogen und muss die bestellten Interieur-Teile pünktlich zum Produktionstermin des jeweiligen Fahrzeugs liefern.

Große Produktvielfalt

Jährlich erhält die Automobilindustrie rund 430.000 Komponenten von Schäfer-Oesterle, wobei die Aufträge meistens aus mehreren Einzelteilen bestehen, die exakt aufeinander abgestimmt sein müssen. Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Produkte, 5.000 davon bietet Schäfer-Oesterle seinen Kunden an, oft nur im Detail. In der Vergangenheit führte die große Dichte an ähnlichen Produkten hin und wieder zu Falschlieferungen. Von den Autobauern erhalten die Zulieferer strenge Vorgaben, wie hoch Fehlerquoten maximal sein dürfen. Auf herkömmliche Weise lassen sich diese Vorgaben nur durch Kontrollen mit vergleichsweise hohem personellen Aufwand einhalten. Doch zum Glück führen ja meist mehrere Wege zum Ziel. Vor diesem Hintergrund wurde bei Schäfer-Oesterle ein Projektteam gebildet. Seine Aufgabe: die gezielte Suche nach einer technischen Lösung zur Verbesserung der Informationslogistik, um die Lieferqualität weiter zu verbessern und Falschlieferungen zu vermeiden.
Vor der Einführung des MDE-Systems wurden alle Buchungen belegorientiert durchgeführt. Kam es etwa zu einem Fehler im Wareneingang, setzte er sich über die gesamte Prozesskette fort – von der Fertigung bis hin zur Auslieferung des Produkts. Hinzu kamen die Fehler, die ihre Ursache in der hohen Dichte sehr ähnlicher Produkte hatten. Eine moderne Online-Datenerfassung sollte Abhilfe schaffen.

Das Projektteam stellte hohe Anforderungen an das neue MDE-System und sprach mit verschiedenen Anbietern über mögliche Lösungsansätze. Schnell zeigte sich, dass große Systemhäuser und SAP-Spezialisten lediglich Standardlösungen anboten und nicht speziell auf die Wünsche von Schäfer-Oesterle eingingen. Mit der Identass GmbH & Co. KG aus Gießen aber fand man einen Partner, der für die individuellen Anforderungen eine Lösung anbieten konnte. Nach der Entscheidung für die Software MultiLink von Identass mussten noch passende Handterminals für die Datenerfassung ausgewählt werden. Dabei legte das Projektteam gesteigerten Wert auf robuste und zugleich handliche Geräte. Zudem mussten die Terminals mit Barcodescanner und Fotokamera ausgerüstet sein (die Kamera wurde zur Dokumentation von beschädigten Verpackungen im Wareneingang und zur Qualitätsdokumentation im Warenausgang benötigt).
Bei der Begutachtung mehrerer mobiler Terminals zeigte sich, dass Geräte des Typs IT-600 von Casio alle Anforderungen von Schäfer-Oesterle erfüllten. Das IT-600 ist ein robuster Pocket PC mit Windows CE, kontrastreichem Farbdisplay und hoher VGA-Auflösung. Das Gerät hat Schutzklasse IP54 und besitzt neben der hoch auflösenden Digitalkamera auch einen High-Speed-Barcodescanner.

Hochwertige Ausstattung

Bei der Erweiterung des MDE-Systems von Schäfer-Oesterle fiel die Wahl auf das dann verfügbare Casio DT-X30, dessen Kamera sogar über Autofokus verfügt. Das DT-X30 macht blitzschnell scharfe Zwei-Megapixel-Bilder – etwa von beschädigt eintreffenden Sendungen oder fehlerhafter Ware – und kann die Aufnahmen via WLAN ans SAP-System übertragen. Steht WLAN mal nicht zur Verfügung, können die Bilder per GPRS/EDGE übertragen werden. Auch ein GPS-Modul ist in das Gerät integriert.
Während der Inbetriebnahme des MDE-Systems legte Schäfer-Oesterle Wert auf eine schrittweise Einführung der neuen Applikation, um die Mitarbeiter an die neuen Prozessschritte zu gewöhnen. Zunächst wurde das Projekt im Wareneingang realisiert. Inzwischen funktioniert das Procedere so: Der Mitarbeiter meldet sich über sein Terminal mit dem ihm zugewiesenen Namen und Pincode im System an. Sobald die Anmeldung abgeschlossen ist, kann er mit der Entgegennahme der bestellten Artikel im Wareneingang beginnen. Über einen an der Verpackung angebrachten Barcode wird die Ware gescannt und sofort online im System gebucht. Handelt es sich um den richtigen Artikel, kann der Mitarbeiter mit dem nächsten Prozessschritt beginnen. Ist jedoch die falsche Ware bzw. die falsche Menge geliefert worden, wird auf dem Display des Casio eine Fehlermeldung angezeigt und die Ware nicht im System gebucht. Auf diese Weise kann es nicht – wie früher – zur Einlagerung von falscher Ware kommen.

Ist die Buchung vorgenommen, werden die relevanten Daten an einen Etikettendrucker geschickt, der ein Label für den weiteren Ablauf im Unternehmen erstellt. Anschließend gibt das System dem Bediener vor, welche weiteren Arbeitsschritte vorzunehmen sind. Sind weitere Waren im Eingang vorhanden, werden diese zunächst abgearbeitet. Liegen keine weiteren offenen Positionen vor, kann mit der Einlagerung begonnen werden.
Über das Datenterminal wird angezeigt, auf welchen Lagerplatz die jeweilige Ware zu legen ist. Zur Bestätigung der richtigen Einlagerung kann der Mitarbeiter den Barcode des Lagerplatzes scannen. »Der Einsatz der Terminals reduziert die möglichen Fehlerquellen gegen null«, verdeutlicht Identass-Geschäftsführer Mark Schäfer die Vorteile der mobilen Datenerfassung. »Bei einer falschen Warenbewegung wird der Mitarbeiter auf den Fehler hingewiesen.« Ein weiterer Vorteil, so Schäfer, sei die sofortige Onlinebuchung. »So können die Waren bei Bedarf direkt in die Produktion weitergeleitet werden, ohne zuvor eingelagert worden zu sein. Das war wegen der zeitversetzten Buchung früher nicht möglich.«

Vereinfachte Prozesse

Auch der Bereitstellungsprozess der Rohfabrikate für die Fertigung von Schäfer-Oesterle wurde erheblich vereinfacht. Zunächst erstellt die Produktionsabteilung einen mit Barcodelabel versehenen Anforderungsschein. Nach dem Scannen des Barcodes werden die angeforderte Ware und ihr Lagerplatz auf dem Display angezeigt. Ein Mitarbeiter entnimmt die Ware und bucht diesen Vorgang. Sind alle Bestellungen eines Scheins abgearbeitet, wird die Ware an die Produktion geliefert. Die fertiggestellten Teile werden etikettiert und an den Versand weitergegeben. Dort packt ein Mitarbeiter alle Teile eines Auftrags in spezielle Versandbehälter und scannt die Label der Einzelteile. Das Terminal zeigt an, ob die Bestellung komplett ist, oder ob noch Teile fehlen.

Hilfreiche Kontrolle

Während des Verpackens werden die fertigen Produkte einer Qualitätskontrolle unterzogen. Mit seinem Casio kann der Mitarbeiter im System hinterlegte Fotos abrufen und sie mit den vorliegenden, gefertigten Teilen vergleichen. So kann er sicherstellen, dass ausschließlich bestellte Ware versandt wird. Der Einsatz der Casio-Terminals bei Schäfer-Oesterle beschränkt sich aber nicht nur auf Wareneingang, Umlagerung und Warenausgang. Auch eine kürzlich in Betrieb genommene Lagerliftanlage mit 1.000 Lagerplätzen wird über die Funkterminals angesteuert. Dabei scannt der Bediener nur noch den Barcode eines Artikels an, um das entsprechende Lagerfach anzufordern.

Auch für Inventurarbeiten wird das System eingesetzt. Über das SAP-System werden an bestimmten Tagen Inventuraufträge initiiert, die die Mitarbeiter auf ihren Terminals angezeigt bekommen und dann abarbeiten ein sinnvoller Einsatz von Personal in weniger lagerintensiven Zeiten.

Aufgrund der erfolgreichen Einführung der Casio-Terminals bei Schäfer-Oesterle ist eine Ausweitung des MDE-Systems auf drei weitere Standorte der Sellner Group erfolgt. Es ist seine Flexibilität, die das System so attraktiv macht für die anderen Firmen der Gruppe. Aber auch die Akzeptanz durch die Mitarbeiter spricht für den erweiterten Einsatz. Zweifelsfrei ist nämlich: Das neue System erleichtert die Arbeit des Personals erheblich. Zum einen wird es automatisch auf Fehler aufmerksam gemacht, zum anderen gehen die Aufgaben durch belegloses Arbeiten schneller von der Hand. Diese Vorteile bewirken auch, dass sich die Investition in weniger als einem Jahr amortisiert. Besonders erfreulich findet Schäfer-Oesterle-Geschäftsführer Michael Fahrenbach aber, »dass wir unsere Lieferqualität noch weiter verbessern konnten und gegenüber früher eine deutliche Fehlerreduzierung erreicht haben«. Dadurch, so Fahrenbach, könne die Zufriedenheit der Kunden sichergestellt werden.

www.casio-b2b.com/de

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