18. JUNI 2018

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Die Richtung stimmt wieder


Stapler Special

Markt & Meinung - Die drei in der Weltrangliste der Staplerbauer führenden Hersteller stimmen bei der Einschätzung der Lage weitgehend überein: Es geht wieder aufwärts. Die anderen Anbieter sehen es ähnlich. Von Michael Weilacher

Ken Dufford, verantwortlich für das Europa-Geschäft des US-Herstellers Crown, sieht unter anderem in dem sich auflösenden Investitionsstau Chancen für die Flurförderzeug-Branche: »In diesem Jahr werden viele Projekte realisiert, die wegen der Krise zurückgestellt worden waren. Entscheidend ist jedoch, in welchem Maß Liquidität am Markt vorhanden sein wird. Wenn Unternehmen für Projekte wieder Finanzierungsmöglichkeiten finden, wird sich die Wirtschaft erholen. Auch wenn das Geschäftsjahr 2010/11 kein leichtes Jahr wird, sind wir doch zuversichtlich, dass es bergauf geht. Trotzdem wird es noch geraume Zeit dauern, bis unsere Branche wieder das Niveau von vor zwei Jahren erreicht haben wird.«

Auch in diesem Punkt hat der Europa-Chef von Crown sicher Recht. Wobei sein Haus einen besonderen Level bereits erreicht hat: Platz 4 im Staplerbauer-World-Ranking von logistik journal. Damit stehen Dufford und sein Haus vor dem Langzeitvierten Nacco, genau wie Crown ebenfalls in den USA beheimatet. Apropos Nacco, die Amerikaner sind mit zwei Staplermarken, Hyster und Yale, am Wettbewerb um möglichst hohe Marktanteile beteiligt, speziell im zurückliegenden Krisenjahr aber mit besonders wenig Fortune. Nacco verlor nicht nur Platz 4 in der Weltrangliste der Staplerbauer, sondern auch eine Menge Umsatz. Zwar hatte auch die Konkurrenz schwer unter dem Abschwung zu leiden, die Nacco Materials Handling Group (NMHG) aber traf es besonders hart. Von 1,920 Milliarden Euro Jahresumsatz in 2008 sackte das Mutterhaus von Hyster und Yale im Jahr 2009 auf 1,058 Milliarden ab. Wie auch Naccos Wettbewerber reagierte das US-Unternehmen mit striktem Kostenmanagement, Effizienzprogrammen und strukturellen Anpassungsmaßnahmen (einschließlich einer Werksschließung in Italien) auf die Krise.

Das enttäuschende Geschäftsergebnis aber ließ sich dadurch nur abmildern. Seit einiger Zeit aber spürt Nacco-Sprecherin Christina Kmetko wieder Aufwind: »Ende 2009 trat eine Stabilisierung des Staplermarktes ein, allerdings auf sehr niedrigen Levels in unseren größten Märkten.« Dennoch glaubt Christina Kmetko an eine Erholung der Märkte »in moderatem Tempo« und eine insgesamt bessere Situation. China und Brasilien hebt die Nacco-Sprecherin hervor. Beide Märkte höben sich positiv von anderen Regionen ab. Bedauerlich nur, dass NMHG laut Mrs. Kmetko ausgerechnet im Boom-Land China »kein signifikanter Markteilnehmer« ist. Naccos Heimatmarkt, die Region Nordamerika, wächst zwar wieder, allerdings von niedrigem Niveau aus und längst nicht in dem Tempo, das die Ökonomen sich wünschen. Dennoch, mit attraktiven Neuentwicklungen, darunter auch elektrisch angetriebenen Trucks, zeigt Nacco sich optimistisch. In wieder anziehenden Märkten, davon jedenfalls gehen die US-Staplerbauer aus, werden die neuen Produkte dazu beitragen, Umsatz und Ergebnis von NMHG wieder besser aussehen zu lassen. Bessere Zahlen sagt auch Michel de Weert von Hyundai Heavy Industries Europe mit Sitz in Belgien voraus: »Nachdem in diesem Jahr ein Austausch von Staplerflotten beginnt, wird 2010 in Europa bei Absatzvolumen und Umsatz eine leichte Aufwärtsbewegung zeigen. Durch den Wechsel der Flotten in Zyklen zwischen drei und fünf Jahren wird sich diese Entwicklung in 2011 noch verstärken. Hinzu kommt die positive Haltung unter den Kunden gegenüber der wirtschaftlichen Entwicklung.« Das für alle Wettbewerber auf dem Staplermarkt ähnlich übel verlaufene Jahr 2009 handelt Michel de Weert in aller Kürze ab: »Nicht gut, aber angesichts der wirtschaftlichen Situation zufriedenstellend.«

Trend zu Strom und Gas

Was Trends betrifft, sieht de Weert eine Bewegung der Staplerkäufer hin zu batterie- und gasbetriebenen Trucks. Daran habe auch der Druck von Regierungen seinen Anteil. »Einsatzmöglichkeiten und Bedienbarkeit der Geräte sowie ihr Unterhalt«, so de Weert, »werden auf Seiten der Einkäufer Schlüsselfaktoren beim Erwerb von Gabelstaplern sein.«

Den Wunsch seiner Kunden, mit Hilfe von Gabelstaplern auf unkomplizierte Weise möglichst gute Arbeitsergebnisse zu erzielen, spürt auch Martin McVicar, Geschäftsführer des irischen Staplerbauers Combilift. Außerdem, so McVicar, würden die Käufer verstärkt darauf achten, ihre Flotten »rationaler« zu gestalten, und zwar mit Geräten, die für die Bewältigung unterschiedlicher Aufgaben ausgelegt seien. Alles natürlich vor dem Hintergrund möglichst geringer Kosten, sowohl was Anschaffung als auch Unterhalt der Stapler betreffe.

Nun, nachdem es mit der Wirtschaft wieder bergauf geht, stellen auch die Anbieter von Gabelstaplern fest, dass die Märkte mit unterschiedlichem Tempo wachsen. Combilift-Chef Martin McVicar hebt diesbezüglich die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) hervor: »Das Wachstum dort dauert an. Brasilien und Russland sind jetzt wichtige Märkte für Combilift.«

Dass sein Haus von der Krise weniger hart getroffen wurde als andere Staplerbauer, führt Martin McVicar weitgehend auf das Geschäftsmodell von Combilift zurück, seine Stapler lösungs- und anwendungsbezogen, also nach den speziellen Wünschen der Kunden zu montieren. Vor diesem Hintergrund blickt der irische Hersteller optimistisch in die Zukunft: »Im kommenden Jahr werden wir uns wieder auf dem Produktionslevel von 2008 befinden.« Neben Zuwächsen in anderen Märkten erwartet Martin McVicar ein deutliches Ansteigen seiner Verkäufe in Deutschland. Überhaupt, so der Combilift-Chef, sei man in seinem Hause sehr optimistisch: »Auch deshalb, weil wir kontinuierlich neue Produkte entwickeln und rund um die Welt in zusätzliche Märkte eintreten.«

Zuversichtlich zeigt sich auch Egon Strehl, Geschäftsführer von Clark Europe: »Schon jetzt können wir im Weltmarkt eine deutlich stabilere Wachstumskurve erwarten, als wir das vor einiger Zeit noch angenommen hatten. Es bleibt sicher abzuwarten, wie sich die Märkte nun weiter entwickeln. Insgesamt stellen wir bei unserer Kundschaft aber eine Belebung des Geschäfts fest. Für das laufende Geschäftsjahr wie auch für die Folgejahre rechnen wir bei Clark mit einer deutlichen Umsatzsteigerung und einer erheblichen Steigerung unseres Marktanteils.«

Blick auf die Märkte

Bei der Steigerung kräftig helfen soll der weitere Auf- und Ausbau der Organisation. Egon Strehl: »Trotz Krise haben wir unser Händlernetzwerk um 15 neue Partner verstärken können.« Große Erwartungen ruhen bei Clark auch auf den Märkten Osteuropa, Afrika und Mittlerer Osten, »die sich schneller erholen als angenommen – gerade in diesen Märkten werden wir unsere Präsenz weiter verstärken«.
In seinen Anstrengungen nicht nachlassen wird auch der Schwerlastspezialist Kalmar. Product Sales Manager Hans Götz: »Der von uns vorausgesagte Anstieg der Produktionsleistung und der damit verbundene Bedarf ist eingetreten. Der Auftragseingang für das Jahr 2010 wird eindeutig über 2009 liegen.

Im Bereich der Stapler über zehn Tonnen verfügen wir über die vom Markt am besten angenommene Maschinen und partizipieren unmittelbar von der Wiederbelebung des Marktes. Das Containerbusiness hat weltweit wieder zugelegt. Hier ist Kalmar als Technologieführer mit den größten Anteilen am Weltmarkt vertreten. Die letztes Jahr reduzierte Produktionskapazität musste bereits wieder nach oben korrigiert werden. Wir schauen sehr optimistisch nach vorn.« Unter anderem wohl auch deshalb: »Der Trend, auch über fünf Tonnen Tragkraft Elektrostapler zu verwenden, ist ungebrochen. Mit unserer neuen Drehstrom-Generation sind wir bestens gerüstet. Permanente Zuwächse in den Verkaufszahlen bestätigen das.« Nicht ganz so optimistisch, aber durchaus zuversichtlich ist Holger Schmitz, Manager von Doosan Infracore Forklifts Germany: »Ein Aufwärtstrend ist eindeutig zu erkennen. Ob er anhält oder nur ein kurzfristiges Zwischenhoch ist, bleibt abzuwarten. Mittelfristig gehen wir aber von einer Erholung des deutschen Marktes aus.« Den Blick auf die Welt gerichtet sagt der Deutschland-Manager des koreanischen Herstellers: »Global betrachtet, boomt für Doosan das Asien-Geschäft, wobei wir in Korea bereits Marktführer sind. Afrika ist ein wichtiger Wachstumsmarkt für Doosan geworden, und die Märkte in den USA und in Osteuropa kommen auch langsam wieder in Fahrt. Diese Entwicklungen stimmen uns sehr zuversichtlich. Was den deutschen Markt betrifft«, freut sich Holger Schmitz, »konnten wir unser Händlernetzwerk enorm verstärken.« Und zu den erkennbaren Trends sagt der Doosan-Manager: »Im Markt ist ein klarer Wandel zu erkennen. Die Nachfrage nach Dieselstaplern stagniert, LPG- und Elektrostapler boomen. Wir haben uns auf diese Entwicklung eingestellt und konzentrieren uns künftig verstärkt auf diese beiden Bereiche, obwohl wir mit unserer breiten Produktpalette schon jetzt hervorragend aufgestellt sind.«

Auch deswegen rechnet Holger Schmitz von Doosan Deutschland in diesem Jahr damit, »die Zahlen unseres Rekordjahres 2008 nur knapp zu verfehlen«. Norbert Hendricks, Marketingleiter bei Hubtex, ist diesbezüglich etwas zurückhaltender: »Die Erholung wird sich immer stärker gegen die Krisenstimmungen durchsetzen, aber das Rekordniveau von 2008 wird in den nächsten drei Jahren wahrscheinlich nicht erreicht.«

Position behauptet

Zum Einbruch der Märkte, den Folgen für sein Haus und die Reaktion darauf sagt Hendricks: »In dem durch schwierige Rahmenbedingungen und teilweisen Markteinbrüchen gekennzeichneten Jahr 2009 hat Hubtex seine Position im Markt mindestens behaupten können. Als traditionell solide und konservativ wirtschaftendes Unternehmen konnte Hubtex den Blick schon auf die Zeit nach der Krise lenken und in neue Produkte investieren. So wurde 2009 eine neue Universalstapler-Serie geplant, entwickelt und 2010 auf der Bauma vorgestellt.«

»Für uns als Heli-Importeur«, sagt Heinrich Erren mit Blick auf den chinesischen Staplerbauer Anhui Heli, »war das Jahr 2009 enttäuschend. Im Vergleich zu 2008 mussten wir bei Neugeräten einen Umsatzrückgang von 40 Prozent hinnehmen. Als Hersteller aber konnte Anhui Heli den Umsatzrückgang in Europa und Amerika durch höhere Marktanteile auf dem chinesischen und südostasiatischen Markt in etwa ausgleichen.« Die Weltrangliste von logistik journal belegt’s: Der Umsatz von Anhui Heli blieb im Krisenjahr stabil, ja stieg sogar leicht an. Eine Entwicklung gegen den allgemeinen Trend im Krisenjahr 2009. Jetzt, in einer Zeit wieder anziehender Märkte, werden sich auch die chinesischen Stapler ohnehin wieder besser verkaufen lassen. Heinrich Erren: »Wenn der Aufschwung sich weiter verfestigt und selbsttragend wird, sind sowohl wir als auch der Hersteller für die kommenden drei Jahre optimistisch.«

Grund zur Zuversicht sieht man auch bei Dambach Lagersysteme. Für die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens zuständig, sagt Jutta Weiler: »Insbesondere im Export stellen wir gegenwärtig ein Anziehen des Marktes fest. Das betrifft speziell Länder außerhalb Europas.« Die Krise, glaubt Jutta Weiler, habe man besser überstanden als andere: »Im Bereich Stapler hatten wir einen Umsatzrückgang. Da wir auf Lagertechnikgeräte spezialisiert sind, fiel dieser Rückgang im Vergleich zur generellen Staplerbranche moderat aus.«

Durchweg positiv äußert sich Tanja Vasquez vom Marketing des Hauses Manitou. So sieht Frau Vasquez ein »steigendes Wachstum des Gesamtmarktes, prozentual im zweistelligen Bereich«.

Viele Prognosen falsch

Positiv gestimmt ist auch Peter Wolf, der das Deutschland-Geschäft mit Mitsubishi-Gabelstaplern verantwortet: »Mit einem Aufwärtstrend von 20 bis 25 Prozent entwickelt sich das Jahr 2010 entgegen vieler Prognosen sehr positiv.« Allerdings, sagt Wolf, würden die Steigerungsraten in den nächsten Jahren flacher: »Erst 2013/2014 werden wir möglicherweise Marktzahlen wie in 2006/2007 erreichen.« Wie viele seiner Wettbewerber sieht auch Peter Wolf eine »stärkere Konzentration auf Elektrogeräte«, denn: »Umweltauflagen und Energiekosten haben einen immer höheren Stellenwert.« Mit Blick auf das für die Branche schlechte Jahr 2009 (»auch wir wurden empfindlich getroffen«) freut Geschäftsführer Peter Wolf sich zumindest über eins: »In Deutschland haben wir uns gegenüber der stark rückläufigen Marktentwicklung gut behauptet und konnten unseren Marktanteil sogar erheblich ausbauen.«

Hans-Jörg Fleiner, Verkaufsleiter Deutschland von Pramac Lifter, sieht sein Haus für das wieder wachsende Geschäft mit Gabelstaplern und Lagertechnikgeräten gut gerüstet: »Da Pramac seit 2009 auch Gegengewichtsstapler anbietet, sind wir unserem Ziel, Vollsortimenter zu werden, wieder ein Stück näher gekommen.« Auch was bestimmte Entwicklungen angeht, ist Fleiner optimistisch: »Generell ist immer noch ein starker Trend hin zu Nischenprodukten und Sonderlösungen erkennbar. Weil Pramac hier auf viel Erfahrung zurückgreifen kann, sind wir auch in diesem Bereich gut aufgestellt.« Stabilen Bedarf an »kundenspezifischen Spezialstaplern« erkennt auch Bruno Haller, Geschäftsbereichsleiter Flurfördermittel bei Stöcklin Logistik: »Solche Geräte«, so Haller, »sind nicht vom Umsatz, sondern von Notwendigkeiten innerhalb der Arbeitsprozesse abhängig.« Immer notwendig ist eine positive Einstellung. Wolfgang Tietz von Svetruck hat sie: »Svetruck wird weiter positiv nach vorn schauen und an der Qualität seiner Produkte festhalten.«

www.logistik-journal.de

Ausgabe:
lj 05/2010
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