16. JULI 2018

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Hoher Nutzen in neuer Höhe


Markt

Systemlösung - Eine kundenspezifische Systemlösung von SSI Schäfer beschert Baur Fulfillment Solutions am Standort Weismain eine Produktivitätssteigerung von 15 Prozent. Dabei spielt die optimale Nutzung der bei Baur vorhandenen Raumhöhe eine herausragende Rolle.

Auch bei hohen Durchsätzen muss es in der Intralogistik nicht immer die große Automationslösung sein. Beispiel: das Logistikzentrum von Baur Fulfillment Solutions (BFS) im fränkischen Weismain. Für das Tochterunternehmen der Otto-Gruppe haben die Unternehmen der SSI-Schäfer-Gruppe mit einem gemeinsamen Anlagenkonzept für Regal- und Fördertechnik in einem vorhandenen Gebäudekörper eine effiziente Lagerlösung realisiert. »Das Komplettangebot aus einer Hand und die Umsetzung mit lediglich einem Ansprechpartner entspricht der Philosophie von Baur Fulfillment Solutions«, erläutert Danilo Georg, Sprecher der BFS-Geschäftsführung. »Bei derartigen Projekten steckt der Teufel oft im Detail. Durch die Zusammenarbeit mit SSI Schäfer gab es zwischen uns und den Herstellern von Regal- und Technikanlagen kurze Abstimmungswege. Probleme konnten so von vornherein ausgeschlossen und eine termingetreue Umsetzung gesichert werden.«

Überzeugen konnten die Neunkirchener Intralogistikspezialisten bereits mit ihrer Reaktion auf die Ausschreibungsvorgaben des Kontraktlogistikers. »SSI Schäfer hat die Grundidee unseres Vorhabens mit der vorgelegten Konzeption in unserem Sinne proaktiv weiterentwickelt«, so Danilo Georg. »Dadurch ist eine Lösung entstanden, die einerseits unsere Erwartungen deutlich übertrifft und die andererseits Potenziale für künftige, wachstumsbedingte Erweiterungen bietet.«
Im Fulfillment-Dienstleistungsbereich mit vergleichbarer Prozesskette zählt BFS mit 15 Millionen Kundenkontakten pro Jahr, 40 Millionen Versandsendungen und 100 Millionen Warenbewegungen auf 250.000 qm Lagerfläche zu den Top 5 im Markt. Am Standort Weismain lagern durchschnittlich sieben Millionen Einzelteile für Distanzhändler, Retailer und Markenhersteller, die gegebenenfalls veredelt, kommissioniert und in den Versand gebracht werden. 18 Millionen Artikel und acht Millionen Retourenwaren bearbeiten die 300 Mitarbeiter dieses Standortes pro Jahr. »Innerhalb von 27 Stunden sind die Waren im Retailgeschäft vor Kassenschluss wieder im Shop«, sagt der für die Logistik zuständige BFS-Geschäftsführer Jürgen Lehmann.

Kluge Konzeptänderung
Für diesen Anspruch und die kontinuierlich wachsende Zahl an Auftragszuwächsen boten die seinerzeit vorhandenen Logistikstrukturen kaum noch ausreichende Kapazitäten. Das zwölf Meter hohe Hallengebäude in Weismain wurde lediglich ebenerdig als Palettenumschlaglager genutzt. Value Added Services waren an andere Standorte ausgelagert worden. »Daher entschlossen wir uns, den Raum der Lagerhalle in seiner gesamten Höhe zu erschließen, die Halle abwicklungsfähig zu machen und uns am Standort Weismain auf die Lagerung, Veredelung und Retourenaufbereitung der Artikel zu konzen-trieren«, erklärt Jürgen Lehmann.

Effiziente und wirtschaftliche Lösung
Grundlage der Entscheidung, sagt Lehmann, seien mehrere Aspekte gewesen: Zunächst das Bekenntnis zum Standort – Weismain biete Grundstücksbedingungen, die weiteren Ausbau zulassen. Zudem sei eine schnelle Lösung erforderlich gewesen, weil der Dienstleister bereits Auftragszusagen von Mandanten vorliegen hatte. Der Neubau eines Lagers hätte ein längeres Genehmigungs- und Realisierungsverfahren bedeutet, »und er wäre deutlich teurer geworden als die jetzige Lösung«, betont Jürgen Lehmann.

Schnell und zuverlässig sollte folglich eine effiziente Lösung entwickelt und in dem vorhandenen Gebäudekörper umgesetzt werden. Dabei gab es eine Besonderheit zu berücksichtigen. Jürgen Lehmann: »Wir bieten allen Mandanten mehrfache Fakturierung pro Tag. Das führt in der Kommissionierung zu unterschiedlichen, wenig vorhersehbaren Spitzen. Ein hoher Automationsgrad mit dynamischen Komponenten würde uns kaum Vorteile bieten. Wir benötigten lediglich intelligent konzipierte, automatisierte Transporthilfen. Deshalb suchten wir eine Lösung für eine mehrgeschossige Regalanlage mit verbindender, schlanker Fördertechnik, die sich kaum zulasten der Regalplätze auswirken sollte.« Den Zuschlag für das Projekt erhielt SSI Schäfer. »Wir entwickelten eine Lösung mit einer freistehenden, selbsttragenden Bühnenkonstruktion. Ihre drei sowie in Teilbereichen vier Geschossebenen werden über eine platzsparende und an die Bühnenkonstruktion angepasste Fördertechnik bedient«, erklärt Rainer Lautz, der für die Regalanlage zuständige Projektleiter von SSI Schäfer. Innerhalb von vier Monaten nach Auftragsvergabe entstand in Weismain aus 67.000 Meter Regalständern und mehr als 65.000 Fachböden eine in ihren Dimensionen bislang einmalige Regalanlage.

Basis ist die Bühnenkonstruktion. Ihre Stahlträger wurden nach umfassenden statischen Berechnungen auf eine Belastung von 500 Kilogramm pro Quadratmeter ausgelegt. Mit den drei Bühnenebenen und den Regalanlagen wurden 19.500 Quadratmeter Fläche generiert, die Lagerplätze für knapp 350.000 Standardkartons und -behälter bieten. Rund 2,5 Kilometer Fördertechnik, Rollen- und Gurtförderer nebst Übergabetischen verbinden die Geschossebenen und die neu eingerichteten Pack-, Retouren- und Aufbereitungsstationen.

Durchdachter Workflow
Für den Wechsel der Mitarbeiter zwischen den einzelnen Geschossebenen wurde zusätzlich zu den installierten Treppenaufgängen ein Lastenaufzug installiert. Das Fahrkorbvolumen von 2 x 3 x 2 Metern bietet Platz für bis zu 26 Personen. Mit einer Tragkraft von 2.000 Kilogramm kann der Aufzug zudem für Materialtransporte eingesetzt werden. Die Wareneingänge werden über neu installierte Scherenförderer vereinnahmt, die zur Lkw-Entladung wie eine Ziehharmonika bis an die Ladetore herangezogen werden können »eine Komponente, die uns platztechnisch hohe Flexibilität und den Mitarbeitern eine erhebliche Entlastung bietet«, freut sich BFS-Logistiker Lehmann. An nachgelagerten Arbeitsplätzen erfolgen die manuelle Vereinzelung und die Übergabe an die Fördertechnik. Gesteuert vom neuen Materialflussrechner werden die Kartons und Behälter vom Wareneingang aus auf die jeweiligen Ebenen gefördert. Pro Ebene sind 21 Wareneingangsstationen eingerichtet, an denen die Waren übernommen und an den vorgegebenen Regalplätzen eingelagert werden. Dazu sind alle Lagerplätze mit individuellen Lagerplatz-Etiketten gekennzeichnet – 350.000 an der Zahl. Zudem hat SSI Schäfer gut 1.700 Regalzeilenschilder gefertigt und montiert.

Vom Anlagenlayout her sind die Ebenen operativ so zugeordnet, dass die Kommissionierung in allen Geschossen erfolgt. Als Regalsystem für die Mehrgeschossanlage verwendeten die Intralogistikspezialisten aus Neunkirchen die bewährten R-3000-Regalständer, verzinkt, mit den Kantmaßen 31 x 60 Millimeter. Allein die Regalrahmen des installierten Systems bieten je Regalanlage eine Maximalbelastung von 5.000 Kilogramm. Die bis zu zwölf Meter hohen Regalständer sind mit doppeltem, senkrecht nebeneinander gelochtem Schlitzraster versehen. Ähnlich wie in Haushaltsregalen werden darin Hacken eingehängt, die über eine Art Nut- und Federsystem die Fachböden und Bodenplatten tragen – jeweils vier Hacken für einen Fachboden, mehr als 260.000 in Summe. Überdies wurden von SSI Schäfer neben den beiden aufliegenden Standardbreiten für Regalfachböden – 1.281 x 600 x 30 Millimeter für eine Flächenbelastung bis 80 Kilogramm und 994 x 600 x 30 Millimeter für eine Flächenbelastung bis 60 Kilogramm – mehr als 58.700 Fachböden mit den Sondermaßen 1.599 x 600 x 30 Millimeter gefertigt und installiert. Diese Flächen können mit 100 Kilogramm belastet werden und bilden den Großteil der Regallagerfläche.

Spezielle Vorgaben der Otto-Gruppe
Bei den Gangabdeckungen und Bodenplatten wurden spezielle Vorgaben der Otto-Gruppe berücksichtigt. So galt es, in allen Gängen jeweils links und rechts Lüftungsspalte einzubringen. Dies wurde von SSI Schäfer durch eine außerordentliche Kantung und Lochung des Bühnenrandprofils umgesetzt. Dadurch konnte zwischen den installierten Bodenplatten mit Antislip-Belag und den Regalseiten ein Abstand von 80 Millimeter für ausreichende Luftzirkulation eingehalten werden. Die anforderungsgerechte Ausleuchtung der Gänge und Regalzeilen übernehmen Beleuchtungseinrichtungen unter der Decke der jeweiligen Bühnenebene. Dort sind auch die Versorgungsleitungen und Spendeköpfe der Sprinkleranlage sowie, mit einer Abhängekonstruktion, Rauchstaubleche montiert. Als weitere Maßnahme in einem umfangreichen Brandschutzkonzept unterteilen alle sieben Meter vertikale Vollblech-Seitenwände die Regalzeilen.

Als eine der größten Herausforderungen des Projektes in Weismain betrachtet der für die Fördertechnik zuständige Projektleiter von SSI Schäfer Graz, Thomas Kronberger, die seinerzeit vorgefundenen Gegebenheiten im Kellergeschoss des Logistikzentrums. Anders als in der unverbauten Halle mussten die Spezialisten von SSI Schäfer bei der Konstruktion der erforderlichen Fördertechnik rund 100 tragende Säulen berücksichtigen und den Materialfluss optimal anpassen.

Deutlich höhere Produktivität
In dem Untergeschoss des Gebäudes ist die Packerei der Versandfertigung untergebracht. Dort gelangen die in Erdgeschoss und drittem Obergeschoss kommissionierten Artikel über die Fördertechnik an 32 Packplätze, in denen die Artikel für mehre Mandanten parallel bearbeitet und in Versandkartons umgepackt werden können. »Dabei fungiert die Fördertechnik bei Bedarf auch als Warenzwischenpuffer, in dem bis zu 400 Kartons oder Behälter vorgehalten werden können«, erläutert der SSI-Experte Thomas Kornberger. Die versandfertigen Kartons gelangen über die Fördertechnik an zehn sogenannte Bahnhöfe. Sie sind im Warenausgangsbereich im Erdgeschoss eingerichtet und insgesamt auf einen Durchsatz von durchschnittlich 4.000 Versandkartons pro Stunde ausgerichtet.

»Die von SSI Schäfer konkretisierte und umgesetzte Lösung hat unsere Produktivität um 15 Prozent gesteigert«, freut sich BFS-Geschäftsführungssprecher Danilo Georg. »Die schlanke Fördertechnik sorgte dabei für 15 bis 20 Prozent weniger Lagerplatzverlust als vergleichbare Lösungen anderer Anbieter. Bühnenkonstruktion und Regalanlage haben unsere Lagerplatzkapazität deutlicher erhöht, als wir es vorher geplant hatten. Auch die Realisierung seitens SSI Schäfer erfolgte schneller als vorgesehen. Alles in allem: ein Vorzeigeprojekt.«

www.ssi-schaefer.de

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