18. JUNI 2018

zurück

kommentieren drucken  

Schlaue Lösung, doppelte Leistung


Technik

Projekte - Um im neuen Zentrallager die höheren Bestände transparent verwalten und den verdoppelten Lagerdurchsatz bewältigen zu können, investierte der Abfallsack- und Müllbeutel-Spezialist Deiss in ein Lagerverwaltungssystem mit integrierter Staplersteuerung und beleglosem Materialfluss. Ergebnis: Statt 40.000 Lieferscheinpositionen werden jetzt 85.000 kommissioniert.

Die Deiss KG wurde 1931 als Sackfabrik in Hamburg gegründet. Die wichtigsten Produkte waren damals Jutesäcke zur Verpackung und Absackung von Rohkaffee, Kakaobohnen oder Gewürzen. Anfang der 70er Jahre erfolgte die Spezialisierung auf Abfallsäcke und Müllbeutel aus Polyethylen und hochwertigen Recyclingmaterialien. Heute bietet Deiss, Deutschlands Marktführer in seinem Segment mit Vertriebsniederlassungen in vielen europäischen Ländern, seinen Kunden ein Sortiment von 4.500 verschiedenen Produkten an, darunter Sonderanfertigungen nach Kundenspezifikation. Die stetig steigende Produktvielfalt und das starke Umsatzwachstum zeigten dem Deiss- Management vor einiger Zeit, dass die gewachsenen Geschäftsprozesse den Anforderungen des Marktes bald nicht mehr genügen würden. Die logistischen Prozesse im Blick beschloss man, die fünf Lager in Deutschland aufzulösen und die Bestände in ein um zwei Hallen erweitertes Zentrallager am Unternehmenssitz Hamburg zu überführen.

Neues Lagerkonzept
EDV-Leiter Michael Holthausen über das neue Lagerkonzept: »Uns war klar, dass wir die Bestandsführung unseres Lagers von Grund auf neu organisieren und durch ein modernes, leistungsfähiges Lagerverwaltungssystem mit belegloser Kommissionierung unterstützen mussten.«

Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Lagerflächen nach Bedarf belegt und im Kopf des Lagermeisters verwaltet worden. Aufträge von Kunden wurden im Warenwirtschaftssystem erfasst und die Ware später im Lager anhand von Lieferscheinen zusammengesucht und bereitgestellt. Dabei passierte es recht häufig, dass bestimmte Artikel nicht sofort kommissioniert werden konnten, weil sie zunächst unauffindbar waren und erst nach langem Suchen – oft durch mehrere Mitarbeiter – wieder auftauchten. Auch die Reihenfolge der Bearbeitung war nicht klar geregelt, sodass leichte Aufträge gerne sofort erledigt wurden und umfangreiche Jobs oft bis zum nächsten Tag liegen blieben.

Die manuelle Lagerführung wurde auch durch die hohen Bestände bestimmter Produkte erschwert. Diese basieren auf Mengenkontrakten mit Großkunden, die spezielle Abfallsäcke in großen Mengen produzieren lassen, ihre Ware aber erst nach und nach abrufen. Michael Holthausen: »In der Zwischenzeit füllten diese Produkte weite Bereiche der Lager und beeinträchtigten die Transparenz.“

Investitionsbedarf war also gegeben, und so wurde ein Projektteam aus Fachleuten von EDV und Logistik gebildet, dessen Zielsetzung unter anderem war, ohne nennenswerte Personalaufstockung den wachstumsbedingten Lagerdurchsatz zu bewältigen und die Fehlerminimierung aller lagerrelevanten Vorgänge zu erreichen. Die tatsächlichen Bestände sollten den Buchbeständen bzw. den Bestandsauskünften über EDV hundertprozentig entsprechen. Vom Wareneingang bis zum Warenausgang sollten alle bestandsrelevanten Vorgänge exakt dokumentiert und nachvollziehbar sein. Von den Neuerungen versprach Deiss sich die Möglichkeit, das Warenangebot bedarfsgerecht und zeitnah bereitzustellen, ein Höchstmaß an Transparenz, niedrigere Kosten durch optimierte Abläufe, mehr Flexibilität bei der Bearbeitung der Aufträge und last, but not least besseren Service für den Kunden.

Da das vorhandene Warenwirtschaftssystem nicht um eine fortschrittliche Lagerführung zu erweitern war, schaute sich das Projektteam nach Anbietern von Lagerverwaltungssystemen um. Schnell kristallisierten sich zwei Favoriten heraus, einer davon ein Logistik-Systemhaus aus Dortmund. »Bei proLogistik hat uns überzeugt, dass neben der Lagerverwaltungssoftware auch die Fahrzeugcomputer für die beleglose Kommissionierung aus eigener Entwicklung und Fertigung stammten«, erinnert sich Michael Holthausen. »So haben wir bei technischen Problemen immer denselben Ansprechpartner. Das gibt uns zusätzliche Sicherheit.« Seit Einführung des Lagerverwaltungssystems pL-Store mit Online-Datenerfassung, Staplersteuerung und belegloser Kommissionierung sind die Abläufe im Hamburger Zen-trallager von Deiss deutlich besser strukturiert. Sobald neue Ware aus den Produktionsstätten im Zentrallager eintrifft, wird sie im Wareneingang mit Hilfe eines fahrbaren Pults mit Mobilcomputer und Barcodescanner kontrolliert. Dabei wird jede Palette mit einer individuellen PID (Etikett mit Paletten-Identnummer) gekennzeichnet und vom Lagerverwaltungssystem gespeichert. Das LVS weist dem Staplerfahrer über sein Fahrzeugterminal den anzusteuernden Lagerplatz zu. Sobald die Ware an ihrem endgültigen Platz angekommen ist, scannt der Mitarbeiter den Barcode des Regalplatzes, sodass das LVS sicher weiß, dass die Ware am für sie vorgesehenen Ort eingelagert wurde. Damit ist der Wareneingang abgeschlossen.

Ordnung nach Priorität
Werden bei Deiss Kundenaufträge bearbeitet, überträgt das WWS virtuelle Lieferscheine an das LVS. Diese werden nach Priorität geordnet, als Pick-Touren für die Staplerfahrer angelegt und von der Staplersteuerung wegeoptimiert via WLAN an die Staplerterminals übertragen. Dabei hat der Mitarbeiter im Gegensatz zur früher keine Möglichkeit mehr, Aufträge zu überspringen oder nach Gutdünken abzuändern. Stattdessen gibt das LVS die Pick-Positionen ablaufoptimiert vor und berücksichtigt gleichzeitig, ob es sich beim Fahrzeug um einen sogenannten Schnellläufer oder um einen Gabelstapler handelt, da nur letzterer die höher gelegenen Paletten erreichen kann.

Detaillierte Informationen
Sind alle Positionen eines Auftrags abgearbeitet, fährt der Kommissionierer die Waren zu Bereitstellungsplätzen im Warenausgang, wo sie zu Liefertouren zusammengestellt und verladen werden. Auch eine Tourenplanung ist in pL-Store integriert. Über dieses Modul werden den Spediteuren Angaben über Mengen, Abmessungen und Gewicht der zu transportierenden Ware avisiert.

Eine Besonderheit ist die Parallelkommissionierung von Kleinstmengen. Hier werden Pick-Positionen mehrerer Aufträge in einer Tour bearbeitet und erst am Packplatz den einzelnen Kundenaufträgen zugeordnet. Michael Holthausen: »Durch das Scannen von ID-Labels bei bestimmten Zwischenschritten konnten Kommissionierfehler deutlich reduziert werden. Unsere Fehlerrate liegt heute bei 0,01 Prozent bezogen auf Falschlieferungen.« Lediglich Abweichungen in der Menge der kommissionierten Ware können vorkommen. Durch das sogenannte Nullscannen, einen Mengenabgleich mit dem Sollbestand, sobald ein Regalplatz oder eine Palette vollständig geleert ist, fallen aber auch Mengenabweichungen schnell auf und können untersucht und behoben werden. Diese Vorgehensweise unterstützt die permanente Inventur des Lagers und führt zu höchster Transparenz der Bestände.

Modularer Aufbau
Die Deiss KG nutzt seit vielen Jahren ein bewährtes Warenwirtschaftssystem, an welches das neue Lagerverwaltungssystem von proLogistik über eine individuell angepasste Schnittstelle angebunden ist. Die mandantenfähige Lagerverwaltungssoftware pL-Store ist modular aufgebaut, erweiterungsfähig und konnte optimal an die vielfältigen Anforderungen des neuen Zentrallagers von Deiss angepasst werden. Die Online-Dialoge zwischen dem LVS und den mobilen Terminals im Lager sind lange erprobt und bestens bewährt. Grund: Die komplette DatenfunkHardware, die Barcodescanner und auch die Belegdrucker wurden von proLogistik, also aus einer Hand geliefert.

Platzsparend und robust
Im Wareneingang werden auf fahrbaren WE-Pulten drei Multifunktionsterminals vom Typ pL-MFT Touch 1210 mit 12,1-Displays eingesetzt, auf den Fahrzeugen 27 pL-MFT 840-Terminals mit 8,4-Display. Die ebenso platzsparend aufgebauten wie robusten Terminals der Schutzklasse IP65 besitzen große, kontrastreiche Farbdisplays mit Touch-Technologie. Alle Terminals sind mit handlichen Barcodescannern ausgestattet. Für Inventurzwecke und Kontrollen im Warenausgang werden vier Handterminals mit integriertem Scanner von Motorola genutzt. Die mobilen Terminals kommunizieren via WLAN mit dem Lagerverwaltungssystem. Um eine gewisse Redundanz auf den rund 12.000 Quadratmeter großen Lagerflächen zu erreichen, wurden 25 Access Points installiert. Durch die hohe Dichte wird erreicht, dass auch bei Ausfall oder Störung einzelner Funkstationen ein flächendeckendes Funknetz zur Verfügung steht.

Schnelle Amortisation
Die Investition von Deiss in die Lösung von proLogistik wird sich in deutlich weniger als zwei Jahren amortisiert haben, unter anderem durch Rationalisierungseffekte wie diesen: Die integrierte Spediteursabrechnung von pL-Store erspart dem Unternehmen die aufwendige Kontrolle tausender externer Abrechnungen von Speditionskosten, Fracht- und Mautgebühren. Arbeiten, mit denen zuvor ein Mitarbeiter gut ausgelastet war. Heute stellt das LVS dem Spediteur eine Gutschrift anhand der automatisch erfassten Versanddaten zur Verfügung. Mit pL-Store und der beleglosen Kommissionierung werden heute bei Deiss ohne zusätzliches Lagerpersonal 85.000 Lieferscheinpositionen kommissioniert – gegenüber 40.000 im Jahr 2006. Ein weiterer Effekt: Durch die permanente Inventur lässt sich die lästige Pflicht am Jahresende heute auf zwei Mitarbeiter und wenige Stunden Aufwand beschränken. Vor Einführung des LVS haben alle Mitarbeiter etwa eine Woche gebraucht, um alle Bestandspositionen zu erfassen. Kein Wunder, dass man bei Deiss mit der Prozessoptimierung sehr zufrieden ist. Auf die Projekt-rentabilität angesprochen, winkt Deiss- Marketingleiter Sören Dede ab: »Die Einführung des neuen Systems war eigentlich kein Rationalisierungsprojekt. Das neue Lagerverwaltungssystem ist für uns lebensnotwendig. Deshalb standen für uns nicht Kosten und Einsparpotenzial im Vordergrund, sondern die optimale und vor allem schnelle und sichere Umsetzung der neu festgelegten Abläufe zum Nutzen unserer Kunden.«

www.proLogistik.com

Ausgabe:
lj 06/2010
Unternehmen:
Bilder:

kommentieren drucken  


ANZEIGE

 

 
» Finden Sie weitere Fachartikel in unserem Artikelarchiv

  Jetzt Newsletter
abonnieren!


Aktuelle Ausgaben

Weltmarkt Flurförderzeuge

logistik journal: Weltmarkt Flurförderzeuge 2016

Video der Woche

 

ANZEIGE