18. JUNI 2018

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Roboter in der Logistik


Kollegen aus Stahl

Während in der industriellen Fertigung Roboter bereits zu unverzichtbaren „Mitarbeitern“ avanciert sind, halten diese hochkomplexen Geräte in der Logistik bislang nur zögerlich Einzug. Zu Unrecht, meint Rolf Peters, Geschäftsführer der K-Robotix, Bremen. Das Unternehmen veranstaltete in der Weser-Metropole erstmals eine Fachtagung über die Verwendungsmöglichkeiten der Robotertechnik, da im Bereich der Logistik ein erhöhter Informationsbedarf besteht.

Seit mehr als 30 Jahren gibt es Roboter. Die Idee dazu wurde in den USA entwickelt, wo auch die ersten Geräte entstanden. Inzwischen haben die Japaner auf dem Gebiet der Roboter-Technik jedoch den Amerikanern den Rang als global führende Nation abgelaufen. Rund 402.000 Roboter werden im Land der aufgehenden Sonne inzwischen eingesetzt, Tendenz steigend. In den USA dagegen sind „nur“ knapp 93.000 Roboter im Einsatz. „Daraus zu schließen, die USA seien ein roboterfeindliches Land, ist allerdings nicht richtig“, betont Peters, der sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dieser Technologie beschäftigt.

Die Industrienation Deutschland bringt es heute auf rund 109.000 Einheiten. „Die Japaner sind Deutschland auf dem Gebiet des Robotereinsatzes etwa fünf Jahre voraus“, berichtet Peters. Immerhin gab es 1996 deutschlandweit gerade 66.600 Roboter-Einheiten. Vor allem in der deutschen Automobilindustrie gehören die Stahl- und Elektronik-Gefährten inzwischen zum Stammkollegium. Dabei gibt es inzwischen eine Vielzahl von weiteren Verwendungsmöglichkeiten. Dank der weiteren Verfeinerung dieser Geräte nimmt das potentielle Einsatzspektrum zu, insbesondere dann, wenn es um für den Menschen gefährliche Tätigkeiten geht. So prognostiziert Peters, daß beispielsweise der Abbau von abgeschalteten Kernkraftwerken eine besondere Nachfrage nach Spezial-Robotern auslösen wird.

Grundsätzlich gibt es gerade bei klein- und mittelständischen Unternehmen noch einen sehr großen Informationsbedarf. Von Bremen aus will Peters mit seinem Unternehmen vor allem den norddeutschen Raum bearbeiten, betont Gerald Dießelberg, der sich mit Peters die Geschäftsführung des Unternehmens teilt. „Hier gibt es noch zahlreiche weiße Flecken.“ Hingegen sei die Roboterdichte in Süddeutschland aufgrund der dort vorherrschenden Industriestruktur bereits sehr weit gediehen. In Bremen hat das Unternehmen, seit dem 1. Juli 2001 Exklusiv-Vertreter des japanischen Herstellers Kawasaki, ein sogenanntes Kompetenz-Zentrum eingerichtet. Unterstützung erfährt das Unternehmen dabei durch viele Partnerfirmen, von denen jede eine bestimmte Spezialisierung aufweisen kann.

Eine ganz wichtige Aufgabe sieht Peters darin, daß ausreichendes, im Umgang mit Robotern vertrautes und entsprechend qualifiziertes Personal verfügbar ist. Bislang gibt es noch kein eigenes Berufsbild für die Wartung und Steuerung von Robotern. Vielmehr rekrutieren sich die entsprechenden Fachkräfte derzeit aus verschiedenen technischen Professionen. Immerhin ist man inzwischen mit dem Bundesforschungsministerium in Berlin bezüglich der Schaffung eines eigenen Berufsbildes im Gespräch. „Da Ziel unserer Bemühung ist die Schaffung des Berufsbildes Robotiker“, führt der Experte weiter aus.

Daß für einen erfolgreichen Roboter- Einsatz sehr umfangreiche Vorarbeiten zu leisten sind, stellt Ralph Ehmann, Managing Director des Werks- und Logistikplaners IWL, Ulm, heraus. Ehmann bestätigt, daß Roboter für Einsätze in der Logistik nur sehr schleppend zum Einsatz kommen. Deutschlandweit werden gerade einmal 7.000 Roboter für Logistik-Aufgaben verwendet, da in modernen Logistik-Zentren der Personaleinsatz bereits grundsätzlich reduziert ist. Eine Faustformel lautet, daß das Arbeitsaufkommen für vier bis zehn Mitarbeiter vorhanden sein muß, bevor der Einsatz eines Roboters in Erwägung gezogen werden kann. In der Logistik ist diese Personalanzahl schon hoch, doch immer dann, wenn Leistungssteigerungen erzielt werden sollen, ist der Einsatz von Robotern ideal. Die wichtigste Voraussetzung sieht Ehmann in einer gründlichen Vorplanung, die wiederum eine intensive Zusammenarbeit der Unternehmen nach sich zieht. „Grundsätzlich stellen wir an den Anfang einer Zusammenarbeit eine Machbarkeitsstudie“, erläutert Ehmann sein Prinzip, denn die Praxis lehrt, daß zwischen Grundüberlegungen bis hin zur Inbetriebnahme von Robotern gut und gerne bis zu anderthalb Jahren vergehen. Dabei beträgt die Lieferzeit für ein solches High-Tech-Gerät gerade einmal vier bis sechs Monate. Ehmann sieht über die Autoindustrie hinaus vor allem in der Lebensmittelindustrie Verwendungsmöglichkeiten für den Roboter, da diese Branche als roboterfreundlich gilt.

Mit Nutzerbeispielen wartet Johannes Rolf, Geschäftsführer von HD Automations, Westerkappeln, auf. Bei HD wurde bereits im Oktober 1999 das erste deutsche Kawasaki-Robotic-Center eingerichtet. Rolf hält den Roboter vor allem für Palettierungsaufgaben geeignet. „Nicht weniger als 800 Zentner-Säcke von der Abfüllung zur Palette, und das leicht und locker in einer Stunde, für den Menschen am Ende einer Produktionskette wäre das die reinste Fronarbeit.“ Doch ein Roboter klagt nicht. So hat sein Unternehmen für die Humana Milchunion, Georgsmarienhütte, erfolgreich Palettier-Roboter-Lösungen für die gesamte Förder- und Transportlogistik implantiert. Die vollständige Palettiertechnik konnte darauf in die Produktionslinie verlegt werden, um die Platzprobleme im Kühlraum zu entschärfen.

Während der Roboter in der Logistik für Palettieraufgaben grundsätzlich geeignet ist, erkennen die verschiedenen Experten bei der Kommissionierung schnell das Ende der Möglichkeiten, denn „ein Kommissionier- Roboter arbeitet nicht schneller als ein Mensch“, stellt Ehmann klar.


Kurzinterview

Kurze Vertragslaufzeiten sind ein Handicap für Roboter-Einsatz in der Logistik-Branche. FJ sprach mit Ralph Ehmann, Managing Director IWL.

Herr Ehmann, auch in der Logistik-Branche gilt das Prinzip immer kürzerer Vertragslaufzeiten. Damit besteht der Druck, die Investitionen, in diesem Zeitraum auf jeden Fall zurückverdienen zu müssen. Liegt darin eine Erklärung, daß der Einsatz von Robotern in der Logistik-Branche nach wie vor in einem relativ bescheidenen Rahmen stattfindet?
Ehmann: Ganz genau. Wir müssen uns vor Augen führen, daß der Hintergrund für jede Roboteranwendung ein Rationalisierungsprojekt ist. Nur für wenige Anwendungen gibt es auch andere Gründe. Unternehmen verlangen heute von Investitionen, daß diese in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren Rentabilität erzeugen. An die Logistik wird generell die Anforderung gestellt, immer extrem flexibel zu sein. Das Outsourcing von Logistik-Dienstleistungen an Service-Provider führt dazu, daß wir bei einem Dienstleister niemals einen homogenen Betriebsablauf vorfinden. Dieser Dienstleister betreut in der Regel mehrere Kunden. Das heißt: Für diese Vielzahl einen Roboter einzusetzen, wird damit noch schwieriger. Aber: Ein Logistik-Dienstleister bekommt heute keinen Auftrag über zehn Jahre. Vielmeh haben solche Verträge deutlich kürzere Laufzeiten, womit die Neigung, in solche Technik zu investieren, eher gering sind.

Ist der Roboter als solcher zu teuer?
Ehmann: Nein. Der Roboter selbst ist nicht das Problem. Die Kosten liegen heute, abhängig von der Leistungsfähigkeit, bei 30.000 bis 70.000 DM. Was aber zu Buche schlägt, ist die gesamte Peripherie. Sie bewegt sich heute für einen Palettierroboter in der Größenordnung von bis zu 200.000 DM. Damit ist aber nur der Robotereinsatz abgedeckt. Hinzu kommt dann noch die gesamte Fördertechnik.

Ist die deutsche Logistik-Branche roboterfeindlich?
Ehmann: Nein. Ich denke, daß Deutschland sogar eines der Länder ist, in denen man sehr Roboterfreundlich ist. Derzeit sind rund 7.000 Stück in dieser Branche im Einsatz. Längerfristig könnten es 20.000 Einheiten werden.

Kurzinterview

Drei Fragen an Rolf Peters, Mitglied der Geschäftsführung der Firma K-Robotix GmbH, Bremen: Es besteht ein großer Bedarf an Roboter-Fachkräften.

Herr Peters, Sie beklagen den Mangel an Fachleuten, die den Umgang mit Roboter-Technik beherrschen. Brauchen wir in Deutschland ein eigenständiges Berufsbild?
Peters: Ja. Wir stellen seit vielen Jahren fest, daß wir im Robotik-Bereich einen Mangel an Fachkräften haben. Wenn jemand in einem einwöchigen Lehrgang ausgebildet wird, und das ist heute in der Branche so üblich, dann ist damit noch nicht gewährleistet, daß dieser Mitarbeiter den Roboter auch perfekt bedienen, programmieren oder mit ihm umgehen kann. Leider ist in der Praxis nicht mehr Zeit dafür gegeben. Wir fordern, daß es eine weiterführende Aus- und Weiterbildung gibt. Ein Ansatz dafür wäre die Mechatronik-Ausbildung. Die roboterspezifischen Lerninhalte sind dort vorhanden, wenngleich in einem viel zu bescheidenen Rahmen. Ein anderer Ansatz ist die Schaffung eines eigenen Berufsbildes, das des „Robotikers“. Hierzu haben wir eine entsprechende Initiative gestartet und sind mit unserem Ansatz schon bis zum Bundesministerium für Forschung und Bildung durchgedrungen.

Ist Deutschland ein roboterfeindliches Land ?
Peters: Ich will nicht sagen „feindlich“. Aber viele sind in Deutschland bezüglich der Möglichkeiten eher unzureichend informiert. Es bedarf möglicherweise mehr Fachveranstaltungen, einer noch intensiveren Beschäftigung in den Medien und einer speziellen Fachmesse. Meine Idee ist, eine eigne Robotik-Messe zu schaffen, wo konzentriert über die Möglichkeiten des Roboter-Einsatzes informiert wird.

Was tut Ihr Unternehmen, um mehr zu informieren?
Peters: Wir konzentrieren uns auf Klein- und Mittelstandsbetriebe. Denn gerade diese benötigen noch mehr Informationen. Hier setzen wir mit unserem neu eingerichteten Kompetenzzentrum an. Wir können dort Roboter im Echtbetrieb mit all ihren Möglichkeiten vorführen. Das ist ein Beitrag für die Region und unsere Zielgruppe die Unternehmen aus dem Mittelstand. Sie sollen darin ermutigt werden, auch in ihren Betrieben für bestimmte Aufgaben Roboter einzusetzen. Mein persönliches großes Vorbild ist Japan, wo der Roboter-Einsatz alle Unternehmensgrößen abdeckt.

Ausgabe:
lj 03/2002
Bilder:

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