19. DEZEMBER 2018

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Ketten statt Girlanden


Hersteller Igus bietet Alternativen zum Schleppkabel für den Kranbau

Dass Kranbauer auf Nummer sicher gehen, hat seinen guten Grund; dass statt der bekannten Schleppkabel an Portalkranen seit jüngerer Zeit auch Energieketten wie im Hochregallager eingesetzt werden, auch. Denn im Gegensatz zu den „Girlanden“ und Kabeltrommeln sind Energieketten-Systeme weniger aufwändig.

Den Kranmarkt hat Igus schon länger im Visier. Doch: "Jetzt kommt Bewegung in die Sache", stellt Frank Blase, geschäftsführender Gesellschafter des Kölner Herstellers von Energieketten, fest. Was mit der Ausrüstung von Hallenkranen begann, soll nun im Outdoor-Bereich zu einem profitablen Geschäftszweig werden. Entwickelt sich das Branchensegment wie vorgesehen, ist die Organisation in einer eigenen Division gut möglich. Blase: "Dabei hilft uns die Internationalisierung, die wir in den vergangenen Jahren enorm vorangetrieben haben." Mit der weltweiten Präsenz ging eine gesunde Entwicklung des Unternehmens einher. In 2000 rechnet Frank Blase mit einer Umsatzsteigerung von über 20 Prozent.

Das Geschäft mit den Energiekettensystemen im Kranbau kommt langsam ins Rollen, obwohl von langsam rollen eigentlich nicht die Rede sein kann. Verfahrgeschwindigkeiten von zwei Meter pro Sekunde sind längst realisiert. 360 Meter pro Minute sind durchaus möglich. Die Grenzen setzt weniger die Technik als vielmehr das Beschleunigen und Bremsen bzw. deren Auswirkungen auf den Fahrer.

Den wichtigsten Schritt, im Kranbau Fuß zu fassen, hat Igus bereits getan. Die konservative, weil sicherheitsorientierte Branche will Referenzen sehen. Und die sollen möglichst aussagekräftig hinsichtlich Lebensdauer und Wartungskosten sein. Damit kann das Unternehmen aufwarten.

Retrofitting ist im Kommen

Containerkrane, RTG-Anlagen oder Krane zum Be- und Entladen von Schiffen in unterschiedlichen Ausführungen hat Igus schon bestückt. Doch nicht nur für neue Krane und Krananlagen können Energieketten eine sinnvolle und wirtschaftliche Alternative zu bisher üblichen Leitungslösungen sein. Theo Diehl, als Branchenmanager für das weltweite Krangeschäft verantwortlich, setzt noch auf eine zweite Schiene: "Der Markt für Retrofitting wächst." Die neue Technik solle allerdings genau so zuverlässig sein wie die konventionelle Schleppkabeltechnik - ein Beweis, der sich für 30 Jahre alte Anlagen nicht einfach führen lässt.

Enorme Laufleistung

Angaben zur Lebensdauer untermauert Igus mit beispielhaften Verschleißtests. Von vier Millimetern Verschleißzugabe einer Kette war nach 30.000 Testkilometern erst ein Millimeter aufgearbeitet. Rechnerisch läge damit die potenzielle Laufleistung bei 120.000 Kilometern, was je nach Einsatz einer Lebensdauer von zehn bis fünfzehn Jahren entspricht.

Zusätzlich gibt es für den Kranbereich unterschiedliche Einhausungen der Energieführung, so dass zumindest die Einflüsse von außen auf den Verschleiß auf ein Minimum reduziert werden. Dazu kommt kettenschonendes Zubehör wie beispielsweise "schwimmende Mitnehmer" zum Ausgleich von Parallelitätsfehlern bei Laufkatzen. Im übrigen bietet Igus komplett konfektionierte Energieführungssysteme an. Je nach Gesamtaufwand lassen sich dadurch drei oder vier Montagetage gegenüber einer konventionellen Installation einsparen; teilweise -- wie schon in der Praxis erprobt - lässt sich das Igus-System in weiten Teilen im laufenden Betrieb montieren.

Natürlich wird die Technik ergänzt durch alle Leistungen, die Kranbetreiber oder Kranbauer sonst noch erwarten können: Beratung in der Engineeringphase, Lieferung vom Einzelteil bis zum Komplettsystem inklusive Garantie. Und weil Standzeiten gerade bei Containerkranen in einem Hafen extrem ins Geld gehen können, hat Igus sein Vertretungsnetz weltweit so ausgebaut, dass - wie Theo Diehl sagt - "wir binnen zwölf Stunden in jedem Hafen der Welt sind".

"Konstruktiv", meint Kranmanager Diehl, "bietet die Energieführungskette eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen Systemen, etwa Festoon-Anlagen." So muss beispielsweise kein Kabelbahnhof vorgesehen werden, bei 100 Meter Verfahrlänge ein nicht zu unterschätzendes Kostenargument. Denn für die Kabelgirlanden sind erfahrungsgemäß etwa 15 m Bahnhof erforderlich und damit auch entsprechende Investitionen beim Stahlbau. Prinzipieller Vorteil der Energieführungskette: Nicht nur die Stromversorgung, sondern auch sämtliche Medienleitungen lassen sich im Inneren der Kette unterbringen.

Entwicklungsschwerpunkt ist die leise Kette. Dieses Thema kann durchaus kostenträchtig für einen Betrieb sein. Denn bei einem Lärmpegel über 70 dB(A) muss der Kranfahrer einen Gehörschutz tragen. Außerdem sind dann normalerweise auch Zulagen fällig. Bei der leisen Energiekette (Serie E4/101) werden gerade mal noch 66 dB(A) gemessen.

Wirtschaftliche Lösung

Zurückhaltend gibt man sich bei Igus, wenn es um das Thema "berührungslose Energieübertragung" geht. Carsten Kunert, Konstruktions- und Entwicklungsleiter Energieketten: "In der Kosten/Nutzen-Relation sehen wir die Energiekette noch als das Produkt der Zeit." Das heiße allerdings nicht, dass man bei Igus die neue Technik nicht beobachte.

Ausgabe:
lj 06/2000
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