Deutlicher Gegenwind für die Industrie

Auch im letzten Monat des Jahres hat sich das Wachstum der deutschen Industrie weiter abgeschwächt. Das signalisiert der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der im Dezember 2018 leicht auf 51,5 Punkte von vormals 51,8 gesunken ist. Dieser Wert ist der niedrigste seit März 2016; gleichzeitig gab der deutsche Industrie-PMI nun schon den fünften Monat in Folge nach.

09. Januar 2019
Das Blocklager des HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB) aus der Vogelperspektive. © HHLA / Thies Rätzke
Bild 1: Deutlicher Gegenwind für die Industrie (Das Blocklager des HHLA Container Terminal Burchardkai (CTB) aus der Vogelperspektive. © HHLA / Thies Rätzke)

Die fallende Zahl der Neuaufträge macht dem Verarbeitenden Gewerbe der größten Volkswirtschaft Europas weiter zu schaffen, teilte der englische Finanzdienstleister IHS Markit mit. Zahlreiche Umfrageteilnehmer berichteten in diesem Zusammenhang von der wachsenden Zurückhaltung bei vielen Unternehmen und Kunden sowie von der nach wie vor nur verhaltenen Nachfrage in der Automobilindustrie.

„Die deutsche Industrie muss sich 2019 auf deutlich stärkeren Gegenwind einstellen“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), in Eschborn. Der Kostendruck dürfte seiner Einschätzung nach „auch in den kommenden Wochen weiter hoch bleiben. Allerdings könnten die Einkäufer von den relativ niedrigen Rohstoffpreisen profitieren.“

„Die vor rund einem Jahr begonnene konjunkturelle Abkühlung setzt sich laut EMI derzeit noch fort. Die Chancen stehen aber gut, dass es im Laufe dieses Jahres zu einer Trendwende kommt“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Wachstumsfördernd seien insbesondere zwei Faktoren: zum einem eine expansivere Fiskalpolitik in Deutschland, Europa, aber auch voraussichtlich in China, und zum anderen der stark gefallene Ölpreis. „Somit erwarten wir, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2019 mit rund 1,5 Prozent weiterhin oberhalb der Beschäftigungsschwelle wachsen wird“, teilte die Helaba-Bankdirektorin dem BME abschließend mit.

„Die Anspannung in der Industrie nimmt zu“, bewertete DIHK-Konjunkturexpertin Sophia Krietenbrink die aktuellen EMI-Daten. Die handelspolitischen Verwerfungen und die Herausforderungen in der Automobilindustrie seien 2018 deutlich zu spüren gewesen. Im neuen Jahr schaffe der Brexit zusätzliche Unsicherheit. Die Sorgen um die schwächere Nachfrage im In- und Ausland nehmen laut DIHK-Konjunkturumfrage insgesamt spürbar zu. Angesichts dieser Unwägbarkeiten gingen auch die Investitionsabsichten der Industrieunternehmen merklich zurück.

„Die globale Nachrichtenlage beschert uns Stimmungsschwankungen zwischen Erleichterung und Sorgen“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, dem BME. So hätten zuletzt Meldungen von den Verhandlungen zwischen den USA und China oder einem leichten „Einlenken“ der italienischen Regierung im Haushaltsstreit es geschafft, einige Sorgenfalten zu glätten. Doch gleichzeitig fänden öffentlichkeitswirksame Abwärtsrevisionen von Konjunkturprognosen statt, und der Brexit-Prozess nehme immer chaotischere Züge an. Zudem sei der Dezember noch durch die Proteste in Frankreich – immerhin Deutschlands zweitwichtigstem Handelspartner – verhagelt worden. Kater: „Diese Probleme sollten auch 2019 auf der Tagesordnung bleiben.“

Mit Blick auf die jüngste Entwicklung des EMI-Teilindex „Einkaufspreise“ sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director der IKB Deutsche Industriebank AG, dem BME: „Der stärker als erwartet gesunkene Rohölpreis hat schon auf große Teile der Wertschöpfungskette in der Kunststoffproduktion durchgeschlagen. Hier sehen wir noch weiteres Potenzial für Preissenkungen. Der aktuelle Rohölpreis macht zudem erste Frackingprojekte unrentabel. Die beschlossenen Kürzungen der OPEC-Fördermenge könnten allerdings bald für eine Trendumkehr sorgen.“