21. NOVEMBER 2018

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Viel Platz auf wenig Fläche


Technik

Systemlösung - Eine Verschieberegalanlage mit 12.000 Palettenplätzen ist Kern des neuen Logistikzentrums von Glaswarenhersteller Ritzenhoff. Auf vergleichsweise geringer Fläche sorgt das System für hohe Effizienz.

Von der Produktentwicklung über die Produktion bis zu den Value Added Services und der Auslieferung hält die Ritzenhoff AG mit Sitz im sauerländischen Marsberg die gesamte Wertschöpfungstiefe im eigenen Haus. 35 Millionen Trinkgläser produziert das Unternehmen pro Jahr für nahezu alle namhaften Brauereien und Mineralbrunnen. Für die Belieferung des Fachhandels kommen Sonderprodukte und Porzellanwaren der australischen Marke Maxwell & Williams hinzu, für die Ritzenhoff exklusiver Vertriebspartner in Deutschland, Benelux und Österreich ist. »Daher sind unsere Lageranforderungen weniger auf hohe Umschlaggeschwindigkeit als auf Masse und eine hohe Stellplatzkapazität ausgelegt«, erklärt Ritzenhoff-Prokurist Bernd Giesler, technischer Leiter in Marsberg. »Als wir aufgrund der steigenden Nachfrage ein neues Logistikzentrum planten, wollten wir darin folglich nicht nur vier Lagerstandorte konzentrieren, sondern zugleich die Lagerkapazität sowie die logistischen Abläufe optimieren und Bereiche für Mehrwertdienste einrichten.« Die entsprechende Lösung realisierte die Ritzenhoff AG mit SSI Schäfer, Neunkirchen. Resultat ist ein effizientes Logistikzentrum mit einer Gesamtnutzfläche von 11.735 Quadratmetern und mit einem intelligenten Materialflusskonzept, das exakt auf die Anforderungen des Glaswarenproduzenten ausgerichtet ist.

15.000 Palettenstellplätze

Insgesamt 15.000 Palettenstellplätze sind für die 3.500 verschiedenen Artikel im Ritzenhoff-Logistikzentrum verfügbar. Dabei verfügt das Kernstück der Anlage über knapp 12.000 Stellplätze: Auf einer Fläche von nur 5.000 Quadratmetern sind vier Lagerblöcke mit jeweils einer Verschieberegalanlage (42 x 25 x 13 Meter) installiert. »Unsere Kunden fordern oft die Auslieferung kompletter Produktionsaufkommen«, erklärt Bernd Giesler. »Für deren Pufferung und Bereitstellung sind wir häufig kurzfristig mit einer hohen Stellplatzbindung konfrontiert. Daher war die Einrichtung von Verschieberegalanlagen, die Platz sparen und ein Maximum an Stellplätzen vorhalten, die optimale Lösung.«

Effizientes System für alle Branchen

»Verschieberegale haben sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen System entwickelt«, weiß Roland Fischer, Gruppenleiter Vertrieb Verschieberegale bei SSI Schäfer und zuständiger Projektleiter. »Bei gleicher Lagerkapazität lässt sich mit ihnen ein um 50 bis 60 Prozent verringerter Flächenbedarf erzielen.« Einsatzmöglichkeiten für verfahrbare Regalsysteme gibt es daher mittlerweile in allen Branchen. Wichtige Qualitätsmerkmale solcher Systeme sind Steuerungstechnik, Motoren, Lichtschranken und Fahrwerksteile sowie Beratung und Service. So auch bei Ritzenhoff. Besonderheit hier: Der Glaswarenproduzent plante das gesamte Projekt zunächst in eigener Regie. Nach Erstellung eines Grobkonzepts inklusive Materialfluss, Einlagerungsdaten und statistischen Merkmalen sowie einer anschließenden Planzeichnung begannen die Marsberger mit der Systemauswahl für ihr flexibles, halbautomatisches Lager. Den Zuschlag für die mächtige Verschieberegalanlage sowie für den Regalbau mit zwei Nachschubregalanlagen im Kommissionierbereich, einer Palettendurchlauf-Regalanlage und Kolli-Durchlaufregalen erhielt SSI Schäfer. »Für so komplexe Anlagen wie Verschieberegale gibt es im Markt nur wenige wirklich kompetente Anbieter«, begründet Bernd Giesler die Entscheidung zugunsten der Spezialisten aus Neunkirchen.

Umfangreiche Warenbewegungen

Fünf Tore stehen in dem neuen Lagerkomplex für Warenein- bzw. Warenausgang zur Verfügung. Pro Jahr bis zu 250 Container und ein gutes Dutzend Lkw-Ladungen pro Tag liefern dort das Lagergut an, das nicht aus der eigenen Produktion kommt. Mit Unterstützung durch Stapler und ein Teleskopförderband erfolgt die Entladung. Direkt an die Ladetore grenzt eine rund 30 x 50 Meter große Freifläche in der Halle, die je nach Bedarf als Bereitstellungs- oder Bearbeitungsfläche genutzt wird. Als Puffer für auftragsfertig vorkommissionierte Paletten ist nahe der Hallenwand im Wareneingangsbereich zudem ein Palettendurchlaufregal mit zwei übereinander gelagerten Schächten installiert. 64 Paletten können darin für den Versand vorgehalten werden. In einem Festregalsystem über drei Ebenen können weitere 100 Paletten gepuffert werden.

Kommissionierung auf zwei Ebenen

Nach der Wareneingangs- und Qualitätskontrolle werden die Paletten zur Einlagerung an eine Förderstrecke übergeben – bis zu 150 Paletten pro Tag. Während des Transportes erfolgt die Erfassung von Gewicht und Größe der Paletten. Zudem werden Einlagerungspaletten gegebenenfalls automatisch umwickelt. Anschließend übernimmt ein Verschiebewagen die Paletten und stellt sie auf separaten Stichen zur Einlagerung im Kommissionierbereich oder im Nachschubpuffer der Verschieberegalanlage bereit. An den jeweiligen Übergabepunkten nehmen Schubmaststapler die Paletten ab und lagern sie nach Vorgabe des Lagerverwaltungssystems ein. Ein Teil der Artikel kommt direkt in die Kommissionierbereiche.

Auf zwei Etagen wird bei Ritzenhoff kommissioniert. Auf der unteren Ebene ist eine siebengassige Palettenregalanlage (PR 600) mit rund 1.500 Palettenstellplätzen über drei Palettenhöhen eingerichtet. Aus ihnen werden kartonierte Porzellanwaren kommissioniert. Die zweite Ebene wird zunächst von einem Vertikalförderer versorgt. Dort stehen in sechs Gassen weitere 1.500 Palettenstellplätze für die Kommissionierung von Glaswaren zur Verfügung. Die Einlagerung erfolgt mit Schubmaststaplern. Eine Besonderheit bildet die erste Gasse mit Kolli-Durchlaufregalen für die Einzelstückkommissionierung mit jeweils vier Ebenen pro Feld. Daraus erfolgt bei Ritzenhoff die Kommissionierung kleinvolumiger Schnelldreher. Alle Auftragsartikel werden auf Paletten oder in Kunststoff-Transportbehälter (Schäfer-Boxen) kommissioniert und an Übergabeplätzen für die Verpackung bereitgestellt.

Der Transport erfolgt automatisch über sensorgesteuerte Fördertechniken. Als Nachschubregal für die Kommissionierbereiche sowie als Pufferregal für Aufträge bzw. Abrufe von ganzpalettigen Großbestellungen dient die Verschieberegalanlage. Knapp 12.000 Stellplätze für Europaletten mit Einzelgewichten bis 1.000 kg sind in den 42 verfahrbaren und acht festen Regalzeilen der vier Anlagenblöcke verfügbar. »Ein Vorschlag von SSI Schäfer«, wie Bernd Giesler berichtet. »Die Gliederung in vier Blöcke bietet die Möglichkeit, schnell und gleichzeitig mehrere Gassen zu öffnen und zu bearbeiten, was in nur einem Block nicht möglich wäre.« Die Basis der mobilen Konstruktion bildet das Palettenregal PR 600 von SSI Schäfer. Jedes Regalfach ist auf Europaletten mit Überstand ausgerichtet und bietet eine Stellplatzhöhe von 2,13 Metern (pro Regalzeile sechs Regalfächer über- und elffach nebeneinander).

Bei den verfahrbaren Doppelregalzeilen, die jeweils von zwei Zeilenseiten Palettenstellplätze bieten, kommen auf diese Weise insgesamt 516 Stellplätze pro Doppelzeile zusammen, was für die zehn bis zwölf Fahrwagen pro Regalzeile eine Maximallast von bis zu 516.000 kg je Regalzeile bedeutet. Gleichwohl bewegen sich die 13 Meter hohen und 40 Meter langen Zeilen beim Öffnen der Gassen nahezu flüsternd und absolut gleichmäßig. »Wenn das statische Optimum zwischen Belastung und Feldweite errechnet ist«, weiß SSI Schäfer-Experte Roland Fischer, »sind der Konzeption von Verschieberegalen kaum Grenzen gesetzt.« Mit frequenzumrichter-geregelter Beschleunigung bei einer Fahrgeschwindigkeit von vier Metern pro Minute hat auch die Antriebstechnik der Verschieberegale modernsten Standard. Gleiches gilt für die Steuerung, die programmierbare Kommissionierstellungen für die Regalzeilen bietet.

Die Lichtanlage, die stets nur die geöffneten Gänge beleuchtet, sowie Warnblinklichter zeigen an, welche Gasse geöffnet wird. Als weitere Sicherheitskomponenten sind Gangfreigabe-Kontrollen und Lichtschranken installiert. Werden sie während der Regalbewegung unterbrochen, wird der entsprechende Prozess sofort gestoppt. Für die zuverlässige Laufleistung der Fahrwagen sorgt eine automatische Schieflaufkorrektur. Nach jeder Fahrt der drei Meter tiefen Wagen wird auf diese Weise die Ausrichtung der Regalzeilen geprüft und gegebenenfalls korrigiert.

Die Ein- und Auslagerprozesse in der Verschieberegalanlage erfolgen mit Schubmaststaplern. Auf der Bereitstellungsfläche werden alle kommissionierten Auftragsposten zusammengeführt und gegebenenfalls im Palettendurchlaufregal gepuffert. Vorkommissionierte Paletten können zudem in der Verschieberegalanlage zwischengelagert werden. »Kurze Zugriffszeiten, bedarfsgerechte Verfügbarkeit und hohe Kapazitäten – mit den neuen Strukturen und durch die Effizienz der Verschieberegalanlage haben wir nicht nur unsere Logistik optimiert, sondern auch eine solide Basis für das künftige Wachstum und geänderte Geschäftsprozesse gelegt«, freut sich Ritzenhoff-Prokurist Bernd Giesler.
»Wirtschaftlichkeitsberechnungen haben ergeben, dass wir durch die gesteigerte Flexibilität, die Synergien der Zentralisierung und die Optionen für weitere Value Added Services einen schnellen Return of Invest verzeichnen können.«

www.ssi-schaefer.de

Ausgabe:
lj 04/2010
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