23. JULI 2018

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Automatisierter Materialfluss in XXL


Special

Krane & Hebezeuge - Mit einer neuen Papiermaschine hat Schoellershammer auch ein neues Automatiklager in Betrieb genommen. Dort setzt die Papierfabrik auf Demag-Prozesskrantechnik. Zudem nutzt Schoellershammer die Kompetenz von Demag bei der Optimierung der innerbetrieb-lichen Logistik. Und zwar bis hin zur Organisation des LKW-Verkehrs auf dem Firmengelände.
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Voll automatisierter Kranbetrieb

Die Lagerkapazität von 8.000 Tonnen entspricht dem Ausstoß von rund zehn Tagesproduktionen der PM 5. Das bedeutet: Die Umschlagshäufigkeit ist hoch und der (voll automatisierte) Kranbetrieb intensiv, zumal die Anlagen rund um die Uhr arbeiten und die Auslagerungen ebenfalls in einem vergleichsweise großen Zeitfenster von 12 bis 16 Stunden pro Tag erfolgen.

Für die neue Papiermaschine PM 6 hat Schoellershammer ein Versandlager mit 12.270 Tonnen Kapazität errichten lassen, in dem ebenfalls zwei Demag-Prozesskrane vom Typ ZKKW 4,2 t x 30,42 m für den vollautomatisierten Umschlag der Papierrollen sorgen. Die Rollen mit einem maximalen Durchmesser von 1.500 mm und einem Höchstgewicht von 4,2 Tonnen werden automatisch zu dem Lagerort gebracht, den das übergeordnete LVS ihnen zugewiesen hat. Das Lager hat eine Grundfläche von ca. 66 x 30 m. Auch hier beträgt die maximale Stapelhöhe der Rollen 15 Meter.

Um die notwendigen Transportzyklen zu erreichen, kommen frequenzgeregelte Fahr-antriebe zum Einsatz, die bei Kran- und Katzfahrt für Geschwindigkeiten bis zu 100 m/min sorgen. Bei Hub- und Senkbewegungen erzielen die Demag-Windwerke vom Typ MPW ohne Last eine Geschwindigkeit von 120 m/min.

Die Systemumschlagsleistung des AL 6 wurde mit 54 Rollen pro Stunde bei reiner Ein- und Auslagerung berechnet. Bei kombinierten Ein- und Auslagerungsspielen liegt die Leistung bei 58 Rollen. Diese theoretisch ermittelten Werte wurden nach der Installation in einem Leistungstest verifiziert und erwiesen sich als zutreffend.

Mit dem zweiten Lager ist der innerbetriebliche Materialfluss auf der Fertigwaren-Seite deutlich komplexer geworden. Es gibt nun zwei Lager für unterschiedliche Produktgruppen: für Wellpappenrohpapier mit niedrigem und höherem Flächengewicht. Da viele Kunden beide Qualitäten ordern, stellte sich für die Logistiker von Schoellershammer schnell die Frage, wie man den Materialfluss respektive den LKW-Verkehr auf dem Betriebshof am besten organisiert. Und diese Frage ist keineswegs trivial. Andreas Penner, Versandleiter bei Schoellershammer: »In einem Commodity-Markt wie dem unseren entscheidet der Service über die Kundenzufriedenheit. Deshalb legen wir großen Wert auf optimale Abläufe bis hin zur Anlieferung der Ware bei unseren Kunden und verbessern den Servicegrad kontinuierlich durch den Einsatz moderner Hilfsmittel.«

Yard Management System

Zu den von Versandleiter Andreas Penner erwähnten Hilfsmitteln gehört seit Neuestem ein sogenanntes Yard Management System. Sobald die Spedition ein Zeitfenster gebucht hat und der LKW nach Ankunft verwogen wurde, meldet sich der LKW-Fahrer an einem Terminal an. Das System leitet das Fahrzeug anschließend durchs Werk und weist ihm zum Beispiel einen Platz am Warenausgang zu.

Die Prozesse, die das Yard Management System vorgibt, wurden im Vorfeld der Instal-lierung genau untersucht. Auch diese Aufgabe wurde von Demag-Experten über-nommen. Dr. Thomas Bönker, Senior Vice President der Business Unit Process Solutions: »Wir haben ein maßstäbliches Simulationsmodell für die komplette Outbound-Logistik von Schoellershammer generiert. Dabei haben wir zunächst die Steuerungsstrategien für Einlagerung, Auslagerung und Reorganisation in den beiden Automatiklagern optimiert und im zweiten Schritt den gesamten Werksverkehr mit sämtlichen LKWs und Gabel-staplern unter realen Belastungsszenarien simuliert.«

Die Demag-Simulation untersuchte auch mehrere Varianten für die Doppelverladungen. Ist es effizienter, wenn die LKWs nur an der Rampe eines Lagers andocken und Gabelstapler die Rollen aus dem anderen Lager dorthin transportieren? Oder fahren die LKWs besser nacheinander zwei Ladestellen an? Dr. Thomas Bönker: »Das Ergebnis war eindeutig. Es ist sehr viel wirtschaftlicher, wenn die LKWs – gesteuert durch das Yard Management – nacheinander beide Ladestellen anfahren und dort laden.«

Die Ergebnisse der Simulation wurden konsequent in die Tat umgesetzt. Bei Doppelverladungen fahren die LKWs jetzt die jeweiligen Ladestellen der beiden Versandlager AL5 und AL6 an. Diese und weitere Optimierungsmaßnahmen hatten zur Folge, dass die LKWs nun mit kürzerem Aufenthalt rechnen können und schneller wieder auf dem Weg zum Kunden sind. Dr. Thomas Bönker: »Die mittleren LKW-Wartezeiten konnten signifikant reduziert werden. Auch die maximale Anzahl der in der Wartezone befindlichen LKWs wurde deutlich optimiert.« Damit ist die Effizienz und Praxistauglichkeit der eingesetzten Simulations-Tools bewiesen, in gleichem Maße aber auch die Kompetenz von Demag, über die Krantechnik und das Lager hinaus gesamtheitliche Prozesse der Intralogistik zu verbessern.

www.demagcranes.de

Lagerverwaltung für Demag-Prozesskrane

Warum treibt ein Kranhersteller den Aufwand, ein eigenes Lagerverwaltungssystem (LVS) zu entwickeln und kontinuierlich auf dem neuesten Stand zu halten? Die Frage ist vordergründig berechtigt, gibt es doch zahlreiche LVS von einschlägigen Anbietern. Aber das Demag LVS zielt auf eine spezifische Anwendung: Es wurde dezidiert für Produktions- und Lagerstandorte entwickelt, die sehr große Mengen umschlagen und bei denen Prozesskrane den Hauptanteil des Handlings übernehmen. An diese Anwendungen wird das LVS jeweils individuell angepasst. Angesichts der Stapelung von Rollen übereinander sind spezielle Lagerstrategien erforderlich, die Lagerverwaltungssysteme von der Stange Demag zufolge »nicht bieten und deshalb nur deutlich geringere Leistungen erreichen«. Das Demag-LVS ist weltweit in unterschiedlichen Branchen im Einsatz. Den größten Anteil an installierten Systemen gibt es in Schüttgutlagern (Zementindus-trie, Abfall, Recycling) der Papierindustrie und beim Stahlhandling (Coils, Bleche, Langgut).

Zum Consulting- und Engineering-Prozess im Vorfeld der Einführung eines Lagerverwaltungssystems (LVS) gehört auch die Simulation der erarbeiteten Konzepte. Markus Otto, Vice President Demag Prozesskrane: »Damit stellen wir sicher, dass der Materialfluss im individuellen Fall optimal geplant ist. Zum Beispiel vergleichen wir in diesem frühen Planungsstadium verschiedene Konzepte und spielen unterschiedliche Szenarien durch, um die Investition des Anwenders bestmöglich abzusichern. Dabei berücksichtigen wir den kompletten Logistikprozess einschließlich flurgebundener Fördertechnik, manueller Lagervorgänge und Yard Management.« Diese Vorgehensweise sei nachweislich wirtschaftlicher und effizienter als ein Planungsprozess ohne Simulation. »Natürlich ist der Zeit- und Investitionsaufwand in der Planungsphase anfangs etwas höher«, so Otto, »dafür aber spart der Betreiber Kosten über die gesamte Laufzeit des Lagers, was die anfänglichen Mehrkosten schnell vergessen lässt.«


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lj 04/2017
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