Interview: BMW setzt auf die Brennstoffzelle

BMW in Leipzig ersetzt bei Routenzügen nach erfolgreichem Testlauf die Batterien durch Brennstoffzellen. Warum er die Brennstoffzelle gegenüber der Lithium-Technik bevorzugt, sagt BMW-Werkslogistiker Thomas Stiede im Interview mit „logistik journal“.

24. Januar 2019
Thomas Stiede, Werkslogistik BMW Group Werk Leipzig. © BMW
Bild 1: Interview: BMW setzt auf die Brennstoffzelle (Thomas Stiede, Werkslogistik BMW Group Werk Leipzig. © BMW)

Herr Stiede, mit Brennstoffzellen in der Werkslogistik gibt es bisher kaum Erfahrungen. Warum gehen Sie diesen Weg trotzdem?

Thomas Stiede: Die kurzen Betankungszeiten und das dezentrale System sind für uns sehr wichtige Vorteile, die wir nur mit der Brennstoffzelle realisieren können. Als großer und innovativer Industriekonzern ist es unser klares Ziel, neue Trends mitzubestimmen. Und wir haben nicht auf Risiko gespielt, sondern die Technik mehrere Jahre lang gemeinsam mit unseren Partnern aus der Logistik, den Herstellern und der Forschung erprobt.

Mit positiven Ergebnissen?

Thomas Stiede: Ohne Einschränkung. Die Fahrzeuge sind wesentlich effektiver im Einsatz, wir brauchen zudem eine geringere Stückzahl. Und unsere Fahrer stehen nicht mehr im Stau, wenn sie zusammen mit vielen anderen Kollegen in die Ladehalle müssen. Die Branche ist heute ziemlich auf Lithium fixiert. Aber eigentlich verbindet Lithium nur die Nachteile von Bleisäure mit denen von Wasserstoff.

Die da wären?

Thomas Stiede: Sie stehen lange an den Ladestationen. Die Lebensdauer liegt weit unter der von Brennstoffzellen. Ein weiterer Nachteil: Die Netzlastspitzen beim gleichzeitigen Laden vieler Geräte führen teilweise zur Nutzung von teurer Regelenergie. Die Speicherung von Überschussenergie in Wasserstoff ist zudem günstiger als in Akkus.

Wird BMW weiter umstellen?

Thomas Stiede: Davon gehe ich aus. Die Systemkosten sind nach unseren Kalkulationen heute bereits wettbewerbsfähig, denn auch bei Lebensdauer und Wartungsaufwand sehen wir Vorteile. Wir wollen daher einen ganz normalen Business Case schaffen. In Leipzig haben wir die Partner noch unterstützt, haben auch das Risiko speziell beim Pilotbetrieb geteilt. Das mit Fördermitteln ausgestattete Konsortium soll einen Industriestandard »H2Ready« etablieren, der auf breiter Basis weiteren Logistikern die Möglichkeit eröffnet, die innovative Technologie einzusetzen.

Das Interview führte Manfred Schulze. Einen ausführlichen Artikel zum Thema „Brennstoffzelle bei BMW in Leipzig“ lesen Sie in „“ 1/2019, das am 13. Februar erscheint.