Wie stark ist Loxxess von der Corona-Krise Stand jetzt betroffen?

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Wir betreiben insgesamt 26 Standorte in Deutschland, Tschechien und Polen, in denen wir Kontraktlogistikleistungen für Kunden aus 6 verschiedenen Branchen erbringen. Die Auswirkungen der Krise auf die einzelnen Branchen ist ja sehr unterschiedlich. Entsprechend müssen wir an einzelnen Standorten mit stark erhöhtem Volumen umgehen – zum Beispiel dort, wo wir für E-Commerce-Kunden mit Produkten für den täglichen Bedarf arbeiten oder für Pharma- und Chemie-Unternehmen arbeiten. An anderen Standorten, wo wir etwa für Kunden mit Bezug zum Einzelhandel oder für Industriekunden tätig sind, die Ware aus China beziehen, ist die Nachfrage zurückgegangen. Wir tun aber alles dafür, dass erstens unsere Mitarbeiter gesund bleiben und gefahrlos arbeiten können. Zweitens setzen wir alles daran, unsere Kunden bestmöglich zu unterstützten. Dafür agieren wir sehr pragmatisch und flexibel. Bisher gelingt uns das sehr gut.

Womit rechnen Sie in den kommenden Wochen?

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Deutschland ist bisher vergleichsweise sehr gut mit der Krise zurechtgekommen. Wenn nun allmählich Wirtschaft und Gesellschaft wieder in normale Bahnen zurückkehren können, dann wird sich auch die Nachfrage und damit unsere logistischen Prozesse normalisieren. Über die nächsten Wochen hinaus werden uns das Tragen von Atemschutzmasken und das Einhalten von Sicherheitsabständen bestimmt noch längere Zeit begleiten. Als Exportnation sind wir natürlich auch von den globalen Auswirkungen betroffen. Eine globale Rezession ist wohl unvermeidbar.

Geschlossene Grenzen, wartende Lkw, Shutdown: Wie lange ist ein solcher Zustand möglich, ohne größere Probleme für die Lieferketten?

Inzwischen funktioniert der Grenzverkehr in Deutschland auch nach Osteuropa wieder reibungslos. Wir hatten aber auch keine größeren Probleme an unseren Standorten in Tschechien und Polen.

Hat die Politik die Sorgen der Wirtschaft im Blick? Was wünschen Sie sich?

Insgesamt haben Politik und Verwaltung wirklich einen tollen Job gemacht. Es wurde, verglichen mit anderen Regierungen, relativ schnell und entschlossen gehandelt. Probleme bereitet uns, dass jedes Bundesland, manche Städte und Regionen und natürlich die europäischen Länder unterschiedliche Vorgaben und Auflagen machen. In Tschechien wurde beispielsweise schon vor Wochen eine Maskenpflicht eingeführt. Atemschutzmasken waren aber kaum zu bekommen. Da mussten wir sehr schnell handeln. Unsere Mitarbeiter haben dann in Heimarbeit Masken für alle Mitarbeiter hergestellt. Noch eines zeigt die aktuelle Krise: Logistik ist systemrelevant und muss auch so von Politik und Verwaltung eingestuft werden. Das war anfangs nicht allen Entscheidungsträgern bewusst. Beispielsweise hat es gedauert an manchen Grenzen gedauert, bis der Lkw-Verkehr bevorzugt abgefertigt wurde.

Welche Auswirkungen könnte die Krise auf die Organisation der Lieferketten der Zukunft haben?

Produzierende Unternehmen werden ihre Supply Chains in Zukunft noch sicherer machen und verkürzen wollen. Damit werden sie auch klimagerechter. Wir haben als Logistik-Weltmeister in Deutschland ein extrem hohes Niveau an Zuverlässigkeit erreicht. Aber gegen eine globale Pandemie hilft alles nichts. Deshalb werden künftig größere Puffer mit benötigten Komponenten und Rohstoffen vorgehalten werden. Auch im Sourcing werden vermutlich mehr Quellen bzw. Alternativen herangezogen, die näher an der Produktion liegen. Auch die Serialisierung der Produkte wie sie in der Pharmalogistik praktiziert wird, könnte verstärkt bei Dienstleistern wie Loxxess nachgefragt werden. Damit werden zum Einen mehr Produktinformationen transportiert, zum Anderen besteht mehr Flexibilität hinsichtlich der tatsächlichen Absatzmärkte. Als Kontraktlogistiker können wir solche Dienstleistungen, sowie Pufferungsstrategien bis hin zur Übernahme von Montage- und Fertigungsarbeiten übernehmen.

Frau Thurner, besten Dank für das Gespräch!