Transport

Interview: Spedition der Zukunft

Andreas Karanas, Gründer und Geschäftsführer der digitalen Spedition Carrypicker, stand logistik journal für Fragen rund um die Spedition der Zukunft Rede und Antwort.

21. Juli 2019
Interview: Spedition der Zukunft
Andreas Karanas, Gründer und Geschäftsführer von Carrypicker. (© Carrypicker)

Herr Karanas, wie sieht die Spedition der Zukunft Ihrer Meinung nach aus?

Durch die Digitalisierung verändert sich unsere Welt rasant – und das gilt nicht nur für die Logistikbranche. In Speditionen werden neue Technologien wie künstliche Intelligenz die Arbeitsabläufe drastisch wandeln. Preise werden in Zukunft nicht mehr verhandelt, sondern von Algorithmen dynamisch auf Tagespreisbasis bestimmt. Und in der Disposition werden Computer die Bündelung von Teilladungen extrem vereinfachen. Das bedeutet, es wird viel weniger telefoniert und manuell gesteuert werden müssen, sondern viel mehr automatisch ablaufen.

Wo liegt die besondere Herausforderung von Teilladungen?

Die Bündelung von Teilladungen ist enorm komplex. Um einen LKW vollzubekommen, müssen praktisch unendlich viele Faktoren berücksichtigt werden. Die Folge ist, dass dies häufig nicht gelingt. Im Schnitt sind LKW daher auch nur zu 70 Prozent beladen. Wir wollen eine Auslastung von mindestens 80 Prozent erreichen. Das schaffen wir dank unserer eigens entwickelten künstlichen Intelligenz, die, so hart es klingt, im direkten Vergleich zum Menschen, effizienter, schneller und zuverlässiger Ladungen bündeln kann.

Was bietet Carrypicker?

Unsere Kunden können mit uns ihre Ware versenden – und zwar immer zu einem fairen, tagesaktuellen Preis. Wir sind eine digitale Spedition, das heißt unsere Kunden können online alle Frachtschritte in Echtzeit verfolgen. Und das Beste: Wer mit uns arbeitet, vermeidet es, unnötige Ressourcen zu verschwenden, denn wir machen nur Direktfahrten und entlasten die Umwelt durch eine effizientere Bündelung von Teilladungen dank künstlicher Intelligenz.

Wie viele Ladungen haben Sie schon vermittelt?

Obwohl wir erst seit gut einem halben Jahr live sind, können wir mit Stolz sagen, dass bereits über 2.000 Fuhrunternehmen mit 15.000 LKW mit uns zusammenarbeiten. Dabei steht für uns immer im Vordergrund, Verlader zu finden, die den digitalen Wandel mit uns vorantreiben wollen und unsere Vision für die Zukunft mit uns teilen.

Wann soll sich das Geschäftsmodell tragen?

So schnell wie möglich natürlich. Und die Erfahrung hat gezeigt, dass Veränderungen in der heutigen Zeit häufig schneller passieren, als man gedacht hätte. Dazu zählt sicher auch das Voranschreiten der Digitalisierung.

Warum sollten die großen Dienstleister nicht einfach dieses Modell übernehmen?

Ganz einfach: es ist schlicht nicht möglich. Wir haben anderthalb Jahre an unserem Algorithmus gefeilt, der mit über 300 Millionen aufbereiteten Datensätzen gefüttert wurde. Dadurch haben wir eine hochkomplexe Maschine geschaffen, die nicht so einfach kopiert werden kann.

Stirbt damit der Beruf des Disponenten?

Auf jeden Fall wird sich das Berufsbild durch die Digitalisierung stark verändern! Kein Disponent wird in Zukunft mehr gebracht, um Teilladungen zu bündeln. Denn das können Algorithmen wie unserer einfach besser. Dafür wird es für Disponenten viele neue Aufgabenfelder geben.

Vielen Dank für das Gespräch!

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