Kluge Kombination

Transport und Handling - Kfz-Zulieferer müssen äußerst flexibel liefern können. Bei einem Hersteller von Türverkleidungen optimiert Fördertechnik von Schierholz die Einlagerung & Kommissionierung für die Just-in-Sequence-Produktion.

20. April 2006

Die wichtigen Kriterien bei der Zusammenarbeit zwischen Automobilherstellern und ihren Zulieferern sind permanente Kostensenkungen bei ständig zunehmender Effizienz. Eine besondere Herausforderung ist dabei die immer größere Vielfalt von Varianten und Farben. Speziell die Produktion von Modellen der Oberklasse verlangt von den Zulieferern extrem kurze Reaktionszeiten.

Hohe Variantenvielfalt

Besonders gefordert sind hier deshalb neben der Produktionsorganisation vor allem moderne und effiziente Logistik- und Transportsysteme. Zunehmende Bedeutung bekommen dabei Elektrohängebahnen, die neben der eigentlichen Transportaufgabe auch Handhabungsfunktionen übernehmen können. In einem solchen Einsatz sind Elektrohängebahnen etwa bei einem führenden Systemlieferanten von Fahrzeug-Innenverkleidung, der Dräxlmaier-Gruppe im niederbayerischen Vilsbiburg. Das Unternehmen produziert und liefert diese komplexen Fahrzeugkomponenten komplett mit allen integrierten Steuerungs- und Schaltelementen wie beispielsweise Zentralverriegelung, Fensterheber, Türöffner, Rückspiegeleinstellung oder Lautsprecherboxen. Dazu kommt eine enorme Vielfalt von individuellen Varianten des Farbtons und der Oberflächenstruktur. Die Produktion und die punktgenaue Lieferung einer solchen Vielzahl von Varianten unmittelbar vor der Fahrzeugfertigstellung bedeutet im Extremfall eine Fertigung in Losgröße 1, die entsprechend enorme Kosten verursacht.

Bei der Planung eines neuen Werkes wandte sich das Unternehmen deshalb an einen Spezialisten für automatisierte Materialflusslösungen, die Louis Schierholz GmbH in Bremen. Deren Lösungsansatz sah vor, die Komponenten in zwei Schritten zu fertigen und für die Speicherung und Kommissionierung eine Elektrohängebahn mit Handlingfunktion einzusetzen. Die Vielfalt der Ausführungsqualitäten wird dabei aufgefangen durch eine Vorfertigung und eine Zwischenlagerung der vormontierten Verkleidungen in einem statischen Zwischenspeicher. Zur endgültigen Montage gelangen sie erst auf Abruf durch den Autohersteller.

Die Anlage ist unterteilt in einen Speicher- und Kommissionierbereich einerseits sowie in den Zu- und Abtransportbereich andererseits. In diesem kommt eine Power-and-Free-Anlage zum Einsatz, die auf langen Strecken und bei mittleren Transportkapazitäten kostengünstiger arbeitet als Elektrohängebahnen.

Stehende Lagerung

Vor dem Transport werden die Türinnenverkleidungen manuell in einen Transportrahmen mit Stofftaschen verpackt. Der Transport erfolgt stehend, so dass sich die Fahrzeugkomponenten wie in einem Dia-Magazin in ein Lagergestell einschieben und daraus auch wieder entnehmen lassen. Diese Art der Speicherung reduziert die benötigte Fläche auf ein Minimum und erlaubt zugleich einen schnellen, gezielten Zugriff bei der Entnahme bzw. bei der Auslagerung.

Der Speicher- und Kommissioniersektor liegt im Deckenbereich und wird mit Handlings-EHB befahren. Die Übergabe erfolgt dabei über einen vertikal beweglichen Verschiebewagen. Dazu werden in einem zweigleisigen Power-& Free-Bereich mit Hilfe eines Zentrier- und Übergabestoppers je drei Laufwerke zusammengefasst. Danach hebt der Verschiebewagen an, klinkt die Transportrahmen aus dem Laufwerk aus und fährt sie in den Bereich der Handlings-EHB, wo je sechs Hubeinheiten gleichzeitig einen Transportrahmen übernehmen.

Schnelle Information für höchste Effizienz

Ein induktiver Identträger am Transportrahmen übermittelt dabei die Information über die jeweilige, im Rahmen befindliche Türinnenverkleidung an den Lagerverwaltungsrechner, der das Fahrzeug daraufhin zum entsprechenden Lagerplatz steuert. In ruhigeren Zeiten organisiert der Rechner zudem Sortieraufgaben innerhalb des Kommissionierlagers, um die erforderlichen Zugriffszeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Die Ausrüstung der Fahrzeuge mit Frequenzumrichter für Fahr- und Hubbetrieb ermöglicht eine hohe Fahrgeschwindigkeit und kurze Hubzeiten.

Die Kommissionierung und Auslagerung der Verkleidungen erfolgt nach der Sequenzvorgabe des Automobil-Montagewerkes, möglichst nach dem First-in-First-out-Prinzip. Dazu lässt sich jede der sechs Hubeinheiten des EHB-Fahrzeuges separat ansteuern. An der Übergabestation werden die angeforderten Transportrahmen an die bereitgestellten, leeren Power-and-Free-Laufwerke übergeben. Die Bereitstellung der Laufwerke erfolgt analog zur Einlagerung in einem zweispurigen Bereich mit sechs einzelnen, fixierten Laufwerken.

Schierholz Fördertechnik

Bestechende Lösungen aus Bremen

Die Louis Schierholz GmbH mit Firmensitz in Bremen entwickelt effiziente, kundenorientierte Lösungen zur Automatisierung des innerbetrieblichen Materialflusses. Modular konzipierte Elektro-Hängebahnen, Power-and-Free-Systeme, Kreisförderer sowie spezielle Transportsysteme erlauben dabei die Integration in bestehende Fertigungs- und Transportsysteme bei minimalem Platzbedarf.

Erschienen in Ausgabe: Fördertechnik/2006