Kluge Konzepte

Siemens L&A bietet komplexe Logistiklösungen

Moderne Logistik-Dienstleister lösen mehr als innerbetriebliche Transportprobleme. Beispiele für die Komplexität solcher Aufgaben liefern zwei Aufträge für Siemens Logistics and Assembly.

19. November 2004

Der Siemens-Bereich Logistics and Assembly Systems ist der nach eigenen Angaben weltweit führende Anbieter für Logistik- und Produktionsautomatisierung mit einer Leistungspalette vom einzelnen Produkt bis zur schlüsselfertigen Gesamtanlage. Ein Großprojekt in der Milchwirtschaftrealisiert der Nürnberger Systemintegrator beispielsweise für die Sachsenmilch AG in Leppersdorf bei Dresden, wo das Tochterunternehmen der Allgäuer Müller-Gruppe jährlich 1,4 Milliarden Liter Milch zu Käse, Quark, Butter, Joghurt, H-Milch und Milchdesserts verarbeitet. Das Projekt mit einem Gesamtwert im zweistelligen Millionenbereich betrifft die komplette Logistikinfrastruktur und Automatisierungstechnik der Molkerei über die gesamte Produktionskette hinweg - von der Warenannahme über die Produktion, Lagerung, Kommissionierung bis in den Versand. Ein besonderes Highlight ist dabei der Umbau von Kommissionierung und Versand auf doppelte Leistung während des laufenden Betriebes. Grundlage dieser Leistungssteigerung ist unter anderem eine erweiterte Warenannahme für Roh-, Hilfs- und Betriebsmittel, die in einem eigenen Gebäude untergebracht wurde. Nach der Annahme gelangen die Roh-, Hilfs- und Betriebsmittel in ein ebenfalls neu gebautes zusätzliches Lager mit 22.000 Palettenstellplätzen und 12 Regalbediengeräten. Im bestehenden Fertigwarenlager erreichten die Franken eine Steigerung der Umschlagsleistung auf beinahe das Doppelte durch den Einbau von neun zusätzlichen Regalbediengeräten sowie durch den Ausbau des Lagers um vier Gassen mit 9.800 Palettenstellplätzen. Die Verbindung zur Kommissionierung erfolgt über Palettenförderer; Elektrohängebahn und vier Verteilwagen versorgen auf 200 Nachschubkanälen. Die auftragsspezifisch zusammengestellten Waren gelangen in ein hochdynamisches Pufferregal mit 1.000 Palettenstellplätzen und sechs Regalbediengeräten, das die kommissionierten Paletten zeitgerecht für den Versand bereitstellt. Dabei berücksichtigt ein Sortierverfahren die Entladereihenfolge der Paletten vom Lkw bereits bei der Bereitstellung der Waren auf 60 Gefällebahnen in der Versandzone. Verwaltet und gesteuert wird die gesamte Anlage durch das Logistik-IT-System ProX4-Suite, das in das kundenseitige SAP R/3-System integriert ist.

Völlig anders gelagert ist dagegen ein Auftrag, den Siemens L&A von dem USamerikanischen Automobilzulieferer Johnson Controls erhalten hat: Für den Hersteller von Fahrzeuginnenraumsystemen realisiert der Geschäftszweig Assembly Conveyors mit Sitz in Böblingen eine Montagelinie für Autositze der neuen A-Klasse von DaimlerChrysler im badischen Rastatt. Dabei werden die Sitzgarnituren just-in-time der Endmontage im benachbarten Montagewerk des Automobilherstellers zugeführt. Die Anlage ist seit Juni 2004 in Betrieb und ermöglicht im Spitzenbetrieb die Fertigstellung einer Sitzgarnitur innerhalb von 56 Sekunden. Das Projekt im Wert von rund einer Million Euro basiert auf dem Transfersystembaukasten MACS (Modular Assembly Conveyor System) und umfaßt eine Fertigungslinie für Vorderund Rücksitze. Diese Basisprofile aus Aluminium mit schraubbaren Verbindern ermöglichen eine flexible und kostengünstige Fertigung von Konstruktionen aller Art ohne Lackier- und Schweißarbeiten. Die Anlage besteht aus einer 60 Meter langen Fertigungslinie mit 45 integrierten Arbeitsplätzen für die Vordersitze sowie einer 40 Meter langen Linie mit 15 Arbeitsplätzen für die Montage der Rückbänke. Ein doppelstöckiger Drehtisch mit Antrieb ermöglicht die Eckumsetzung der Werkstückträger mit mobilen Datenträgern. In einer Nachbearbeitungsstrecke, die direkt von der Kontrollstation abzweigt, lassen sich fehlerhaft montierte Sitze sofort ausbessern.

Über Stichbahnen gelangen die Sitze auf einen Querverschiebewagen, der sie in drei doppelte, 20 Meter lange Pufferstraßen auslagert, wo jeweils 30 Sitzgarnituren für den Transport zu DaimlerChrysler gebündelt werden. Dabei fahren die Querverschiebewagen mit einer maximalen Geschwindigkeit von 70 Metern pro Minute.

Sitze aus der Nachbearbeitungsschleife, die später eintreffen als die direkt von der Qualitätskontrolle akzeptierten Sitze, gelangen über eine Überholspur wieder an ihren ursprünglichen Platz. Zuletzt gelangen die Garnituren in der passenden Reihenfolge von der Pufferstraße zur Endmontage in das direkt benachbarte DaimlerChrysler-Werk. Eine rund 190 Meter lange Rückführung unterhalb der Montagelinien bringt die leeren Sitzpaletten wieder zurück.

Eine besondere Herausforderung bei diesem Projekt war die Forderung nach einer regelbaren Geschwindigkeit der Montagelinie bei insgesamt hohem Tempo zwischen 0,1 und 0,5 Meter pro Sekunde. Gelöst hat Siemens Logistics and Assembly Systems die Aufgabe mit Hilfe von Highspeed-Staukettenförderern.

www.siemens.com/ logistics-assembly

Erschienen in Ausgabe: 10/2004