Kompakte Klasse

Automotive-Logistik Stöcklin Logistik hat eine Systemlösung zur sequenziellen Bereitstellung von Kabelbäumen entwickelt. Für die Leistung der Gesamtanlage sind ein automatisches Kleinteilelager und ein Portal-Roboter entscheidend.

08. August 2007

Von Böblingen aus beliefert Dialog Distribution and Automobile Logistics, eine Tochter der BLG Logistics Group, das DaimlerChrysler-Werk Sindelfingen im 20-Minuten-Takt mit Bedarfsteilen für die Montage. Die Just-in-Sequence-Versorgung (JIS) der Montagelinien ist innerhalb von 120 Minuten nach Abruf sicherzustellen. Bei ca. 400 Modulmontagen pro Tag beläuft sich die Leistung auf die Bereitstellung von rund 2.000 Ladungsträgern und 3.000 Sequenzierungen. 14 Lieferanten sind in die Prozesskette eingebunden.

In Anbetracht eines Neuauftrages durch den Daimler- Chrysler-Systemlieferanten Del- phi hat Dialog nachhaltig in die Logistik investiert, insbesondere in die Systemtechnik zur sequenziellen Bereitstellung von Kabelsätzen. Im März 2006 erhielt die Stöcklin Logistik GmbH, Netphen, den Zuschlag als Generalunternehmer. Der Auftrag umfasste die Lieferung und Implementierung eines zweigassigen automatischen Behälterlagers, der Behälter- und Palettenfördertechnik inklusive Materialflussrechner, des Stahlbaus sowie eines Flächenportal-Roboters. Schnittpunkt der Gesamtanlage ist ein vollautomatisches Kleinteilelager (AKL) mit Stellplatzkapazitäten für 2.340 Großbehälter (1.310 x 490 x 400 mm - L x B x H). Trotz dieser voluminösen und mit Zuladung bis 52 Kilogramm schweren Ladeeinheiten erzielen zwei Regalbediengeräte (RBG) der Hochleistungsgeneration »Boxer« von Stöcklin bis zu 650 Doppelspiele pro Schichtbetrieb. ¬Dieser entspricht einem Zeitfenster von 15 Stunden. Die Entscheidung zugunsten des Boxer E1 fiel einerseits aufgrund minimierter Anfahr- und Freimaße sowie der dynamischen Ein- und Auslagerzyklen der Regalbediengeräte. Deren Leistungsfähigkeit misst sich allerdings nicht nur in zurückgelegten Gassenmetern oder in der Anzahl von Behältern pro Zeiteinheit.

Klare Funktionalitäten

Mit Blick auf die Betriebskosten war auch der vergleichsweise geringe Energieverbrauch der Boxer-RBGs ausschlaggebend. Zu diesem Zweck hat Stöcklin Logistik sämtliche Komponenten nach Optimierungskriterien standardisiert. Die Software zur Ansteuerung verfügt über effiziente und klar definierte Funktionalitäten sowie über ein integriertes, intelligentes Schnittstellenmanagement für angrenzende Steuerungs- und Verwaltungshierarchien.

Ruckfreie Fahrkurve

Die stabile Leichtbau-Verbundkonstruktion aus Aluminium sowie die Antriebstechnik der RBGs sind für eine schwingungsfreie und verschleißarme Fahrweise und damit für eine ruckfreie Fahrkurve ausgelegt. Hauptfunktion des über der Fördertechnik angeordneten Portal-Roboters ist die Depalettierung von Vollbehältern, die Aufnahme und Abgabe von Behältern in Sequenzgestelle sowie die Palettierung von Leergut. Stapel mit Vollbehältern werden auf Paletten über Kettenförderer zugeführt und im Roboterbereich bereitgestellt. Mit bis zu sieben Behältern übereinander kann sich die Stapelhöhe auf etwa 2.900 mm belaufen. Der Roboter übergibt die Behälter auf den Einlagertisch der Behälterfördertechnik. Sie passieren eine Konturenkontrolle und werden anschließend in den Außenzeilen der AKL-Regale eingelagert.

Effiziente Abläufe

Nach Generierung der Auslageraufträge durch das Lagerverwaltungssystem (LVS) werden Behälter für diese Order in die Mittelzeile des Regals verlagert und zur Auslagerung bereitgestellt. Im Anschluss durchlaufen sie einen Kommissionierplatz, an dem ein Kabelsatz entnommen wird. Nach Entnahme wird der Behälter erneut in den Roboterbereich transportiert und dort in ein Sequenzgestell eingelagert, das bis zu neun Behälter aufnehmen kann.

Die Hübe des Roboters sind über vier Achsen individuell angepasst worden. Zwei Greifer, die automatisch gewechselt werden, dienen zum Aufnehmen der Behälter sowie zum Greifen von Paletten und Zwischenlagen über Vakuum sowie über pneumatisch betätigte Greifer. Die Gesamtleistung beläuft sich auf 1.300 Aus- und Einschleusungen pro Schichtbetrieb. Bei einer Anlagenverfügbarkeit von 99 Prozent ergibt damit eine durchschnittliche Taktzeit von 37 Sekunden pro Behälter. Diese Leistung resultiert aus dem effizienten Zusammenspiel der Systemelemente und deren redundanter Auslegung.

Investition in die Zukunft

Die Investition in die Logistik ist für Dialog ein wichtiger Schritt, der dahin zielt, Automobilhersteller und Systemlieferanten in Zeiten des wachsenden Welthandels und eines verschärften Wettbewerbs langfristig zur vollsten Zufriedenheit bedienen zu können. Die Systemlösung von Stöcklin unterstützt den Anspruch, Abläufe zu beschleunigen, flexibel auf Volumenschwankungen reagieren zu können, unnötige Schnittstellen zu vermeiden und Kosten zu senken.

Erschienen in Ausgabe: 04/2007