Komplex kommunizieren

Prozesse Der Name BASF Coatings steht für weltweiten Erfolg. Maßgeblichen Anteil daran haben effiziente Prozesse in Lager und Produktion. Die Fachleute von Zetes-IND tragen dazu bei.

15. Februar 2007

Ein wichtiger Unternehmensbereich der weltweit erfolgreichen BASF-Gruppe ist die BASF Coatings AG, deren Produktionsprogramm von Fahrzeuglacken für die Erstlackierung über Autoreparaturlacke bis hin zu Industrielacken reicht. Alle großen Automobilkonzerne sind Partner der BASF Coatings, die im Sektor der Fahrzeuglacke zu den drei bedeutendsten Herstellern weltweit zählt und mit einer Gesamtfläche von rund 400.000 Quadratmetern im Werk Münster einer der größten Lackstandorte der Welt ist.

Die BASF Coatings AG erzielte im Geschäftsjahr 2005 einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Den größten Anteil am Umsatz hat der Bereich der Fahrzeugserienlackierungen mit 50 Prozent. Die Reparaturlacke erwirtschaften 25 und die Industrielacke 15 Prozent. Ein weiterer Zweig der BASF Coatings ist das erfolgreiche Geschäft mit Bautenanstrichmitteln in Südamerika. Dieser Unternehmensbereich verbuchte 2005 einen Umsatz von ca. 200 Millionen Euro. Ein wesentlicher Grund für den Erfolg der Coatings ist die Investition in Forschung und Entwicklung sowie die Verbesserung von Strukturen und Prozessen.

Bereits im Jahr 1999 investierte BASF Coatings in eine papierlose Fertigwarenlogistik, mit dem Ziel einen reibungslosen Materialfluss zu erreichen. Diesen Trend setzte das Unternehmen im Jahr 2004 mit dem Bau des neuen Distributionszentrums in Münster fort. Nicht zuletzt der Einsatz modernster Technik sorgt dafür, dass BASF Coatings weltweit zu den Branchenführern zählt. Immer wieder werden Lösungen gesucht, um die Effektivität im Unternehmen zu erhöhen und die Produktqualität zu verbessern. Das 2004 in Betrieb genommene Hochregallager für die Fertigwaren umfasst 30.500 Stellplätze und hat eine Lagerkapazität von 12.600 Tonnen. Es ist für einen jährlichen Durchsatz von rund 125.000 Tonnen Stückgut ausgelegt, was etwa 5.000 Palettenbewegungen pro Tag entspricht. Eine Besonderheit ist die in der chemischen Industrie bisher weltweit einmalige Brandschutzvorrichtung, die den Sauerstoffgehalt innerhalb des Hochregallagers von 21 auf 13 Prozent absenkt und damit jegliche Brandentwicklung im Keim erstickt.

Als Generalunternehmer übernahm das Haus Viastore Systems die Verantwortung für die gesamte Intralogistik des Distributionszentrums. Zum Leistungsumfang von Viastore zählte dabei auch die Implementierung des Warehouse-Management-Systems viad@t einschließlich der Anbindung an das übergeordnete SAP-System. Mit der neuen Software empfahl sich allerdings auch der Austausch des bis dahin im Fertigwarenbereich genutzten Datenfunksystems mit zeichenorientierten Displays an den Staplerterminals. Die moderne Lagerverwaltungssoftware bot grafisch gestaltete Benutzeroberflächen, die auch auf den mobilen Arbeitsplätzen im Lager zu besserer Ergonomie führen sollten.

Mit der Lieferung der neuen Fahrzeugterminals wurde die Firma Zetes-IND aus Willich beauftragt. Das Unternehmen hatte 1999 bereits die Datenfunkeinrichtung für den Fertigwarenbereich installiert. Theo Silies, Projektverantwortlicher vom Informationsmanagement Operations im Werk Münster, erläutert die Entscheidung des Projektteams: »Die IND-Datenfunkterminals haben viele Jahre zuverlässig auf den Staplern funktioniert und hätten zusammen mit der alten Lagersoftware sicher auch noch weitere Jahre ihre Aufgabe erfüllt. Die Qualität der Fahrzeugterminals wie auch der ebenfalls von Zetes-IND installierten Peripheriegeräte hat dazu geführt, dass wir vor der Entscheidung zwar nochmals den Markt betrachtet, uns aber dann doch recht schnell für den bewährten Lieferanten entschieden haben.«

Im Distributionszentrum sind heute auf verschiedenen Flurförderzeugen 21 IND-Datenfunkterminals des Typs FTF 2475 mit Long-Range-Scannern und mobilen Etikettendruckern im Einsatz.

Moderne PC-Technik

Die robusten Fahrzeugterminals verfügen über PC-Technik und große Farbdisplays mit Touchpanel. Systembetreuer Walter Sinne ist von den Terminals äußerst angetan: »Die grafische Darstellung der Kommissionier- und Transportaufträge erleichtert den Mitarbeitern im Lager die Arbeit ungemein und hilft Fehler zu vermeiden.« Ein Highlight am Rande ist die grafische Darstellung der bekannten Gefahrgutsymbole auf dem Bildschirm. Damit werden die Mitarbeiter bei bestimmten Produkten auf die anzuwendenden Sonderetiketten beim Verpacken hingewiesen. Im Rahmen der Neustrukturierung der Werkslogistik wurde auch das Materialflusskonzept der Einsatzstoffversorgung angepasst. Dadurch, dass die Fertigprodukte ins neue Distributionszentrum kamen, wurden etliche Lagerflächen innerhalb des Werksgeländes frei und standen nun für Einsatzstoffe zur Verfügung. Damit konnten die externen Läger aufgelöst und die neuen internen Läger in die mobile Online-Kommunikation mit dem SAP LES einbezogen werden.

Im Bereich der Einsatzstofflogistik wurden weitere 18 IND-Datenfunkterminals eingesetzt. Alle sind mit Long--Range-Scannern und elf mit mobilen Etikettendruckern ausgestattet. Zur Herstellung der Funk-Infrastruktur wurde das vorhandene Breitband-Datenfunknetzwerk entsprechend den erweiterten Flächen ausgebaut. Auch diese Aufgabe wurde den Funkspezialisten der Firma Zetes-IND übertragen.

Gründliche Messung

Zunächst führten die Fachleute eine Messung der Funkausbreitungsbedingungen innerhalb der vorgesehenen Lagerflächen, der Fahrwege zwischen den Gebäuden und der Abladestellen in den Produktionsbereichen durch, um dann entsprechend den Messergebnissen 48 Access-Points innerhalb und außerhalb der Gebäude zu installieren.

Im Gegensatz zu den mobilen Terminals im Distributionszentrum, die mit dem dezentralen Warehouse-Management-System von Viastore kommunizieren, arbeiten die Fahrzeugterminals der Einsatzstoffversorgung direkt unter SAP. Fachmann Theo Silies: »Die mobilen Terminals auf den Staplern und Zugmaschinen sind über das Funknetzwerk wie normale PCs in unser EDV-System eingebunden. Sie kommunizieren ohne ein Subsystem direkt mit SAP LES und ermöglichen so die optimale Bestandsführung in Echtzeit.«

Erweitertes SAP LES

Allerdings nutzt BASF Coatings ein erweitertes SAP LES, da im Standard nicht gleichzeitig Chargenbestandsführung und Gebindebestandsführung möglich sind. Erweiterungen und Anpassungen können durch die eigene IT-Abteilung erfolgen, sodass auch die Anbindung der Fahrzeugterminals und die Erstellung übersichtlicher Bildschirmdialoge ohne fremde Hilfe möglich sind. Neben der beleglosen Abwicklung der Materialflussprozesse verspricht sich Theo Silies noch weitere Vorteile. »Wir gehen davon aus, dass der Verwaltungsaufwand drastisch reduziert wird. Auch können Kommissionier-, Schreib- und Übertragungsfehler vermieden werden.«

Wenn die Produktion Einsatzstoffe anfordert, werden im SAP-System Transportbedarfe eingestellt. Über den Lagerleitstand werden diese Bedarfe als Transportaufträge freigegeben und über Datenfunk an die Stapler im Lager weitergeleitet. Über die IND-Terminals erfahren die Staplerfahrer, welche Stoffe sie als nächste kommissionieren bzw. transportieren sollen. Der Mitarbeiter scannt die Ware und überträgt die Information direkt an das SAP-System. Ist der Kommissionierauftrag beendet, werden die Materialien zum Transport freigegeben.

Die bereitgestellten Waren werden von innerbetrieblichen Transportzügen zu den fünf Produktionsbetrieben vor Ort gebracht. Auf den Transportzügen sind ebenfalls Datenfunkterminals installiert, die den Fahrern anzeigen, welche Waren zu welchen Produktionsbetrieben gebracht werden sollen. Die gesamte Transportkette wird im SAP verfolgt. An den Produktionsbetrieben buchen die Fahrer einen Ablieferungsnachweis, indem sie einen an den Abgabepunkten angebrachten Barcode scannen. Damit ist der Transportauftrag abgeschlossen. Ebenso wie im Distributionszentrum von BASF konnte auch im Bereich der Einsatzstofflogistik die Fehlerrate erheblich reduziert und die Produktivität deutlich gesteigert werden. Theo Silies resümiert: »Die Investitionskosten von rund 450.000 Euro für Hardware, Software, Installation und Einführung werden sich in weniger als zwei Jahren amortisiert haben.«

Erschienen in Ausgabe: 01/2007